Lernen findet "vor Ort" statt. Dort wo wir wohnen, wo wir leben, gehen wir in den Kindergarten und in die Schule. Dort machen wir unsere Ausbildung oder studieren. Wo wir arbeiten, bilden wir uns fort oder besuchen die Volkshochschule. Bildung ist also – unabhängig von den politischen Zuständigkeiten – eine kommunale Angelegenheit.
Die verschiedenen Abschnitte der Bildungsbiografie und die Lernorte stehen oft unverbunden nebeneinander. Die Bundesregierung will Stiftungen unterstützen, ein kohärentes, also zusammenhängendes und vernetztes Bildungswesen in den Gemeinden und Städten zu schaffen.
Der Bund und der Europäische Sozialfonds fördern 40 Konzepte von Kommunen und Großstädten für regionale Bildungsangebote mit 60 Millionen Euro. "Lernen vor Ort" ist das größte Programm, mit dem das lebensbegleitende Lernen fortentwickelt wird. Gleichzeitig ist es Teil der Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung".
Deutsche Stiftungen bringen ihre kommunalen Netzwerke und ihr Know-how in die regionale Bildungsarbeit ein. Kommunale Bildungsbüros informieren die Bürgerinnen und Bürger besser über die Bildungsangebote an ihrem Wohnort. Ein Bildungsmanagement soll die Übergänge von einem Bildungsabschnitt zum nächsten verbessern. So lassen sich die Bildungsangebote besser vernetzen.
Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Die 40 ausgewählten Projekte sind der beste Beweis dafür, wie Lernen vor Ort zum unmittelbaren Nutzen der Bürgerinnen und Bürger praktiziert werden kann."
Neu und bislang einmalig ist die Partnerschaft von insgesamt 106 privaten Stiftungen und den Kommunen. Die Zivilgesellschaft bringt sich durch ihr Wissen und mit der Übernahme von Patenschaften aktiv in die Bildungsarbeit der Kommunen ein.
Stiftungen mit breitem Förderspektrum unterstützen eine Kommune durch sogenannte "lokale Grundpatenschaften". Sie stellen ihr Wissen und ihre Erfahrung für die Dauer von drei Jahren zur Verfügung. Hinzu kommen Themenpartnerschaften durch Stiftungen, die über Expertise bei ganz besonderen Schwerpunkten verfügen. Hier etwa geht es beispielsweise darum, Jugendliche an die Naturwissenschaften heranzuführen.
Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main und einer der Sprecher des Stiftungsverbundes "Lernen vor Ort": "Stiftungen sind gute Partner für dieses neuartige Kooperationsprojekt. Erstens kann man mit ihnen neue Wege gehen, denn sie sind unabhängig und innovationsbereit. Zweitens kennen sie sich an ihren Standorten bestens aus. Drittens haben sie zentrale Bildungsthemen vorangebracht, von der frühkindlichen Bildung bis zur Zuwandererintegration".
Regionale Stiftungen und Kommunen tauschen ihre Erfahrungen aus und begleiten ihre Projekte. Von den Erfahrungen sollen aber auch alle Kommunen in Deutschland profitieren. Dies geschieht in einem Verbund der derzeit 29 beteiligten Stiftungen. Eine Geschäftsstelle koordiniert die Arbeit.
Wichtiges Ziel von "Lernen vor Ort" ist es, dass die Bevölkerung die regionalen Bildungsangebote wahrnimmt. Die Menschen sollen durch lebenslanges Lernen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Gleichzeitig wird auch die Zivilgesellschaft gestärkt.
Nur durch mehr Wissen können die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigt werden. "Lernen vor Ort" will aber auch einen Beitrag zur besseren Integration von Migrantinnen und Migranten, zur Einbindung der Eltern und zur Stärkung der demokratischen Struktur leisten.
Auf dem Bildungsgipfel am 22. Oktober 2008 in Dresden haben Bund und Länder die Qualifizierungsinitiative für Deutschland "Aufstieg durch Bildung" verabschiedet. Die Bildungsangebote werden über den gesamten Lebensweg der Menschen von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung im Beruf verbessert. Gemeinsam haben sich die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder auf das Ziel verständigt, bis zum Jahr 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und Forschung zu investieren – für einen Aufbruch in Bildung und Forschung.