Gesucht: Fachkräfte in Sozialberufen

Eine Auszubildende zur Erzieherin hilft einem Mädchen beim Auftragen von Zahnpasta auf eine Zahnbürste.
Bedarf an Arbeitskräften in Sozialberufen wächst
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Pädagogen, Pfleger, Erzieher dringend gesucht – der Blick in den Stellenteil der Zeitungen bestätigt: Es gibt einen wachsenden Bedarf an Arbeitskräften in Sozialberufen. Viele Stellen sind sofort zu besetzen. Um Fachkräftemangel zu vermeiden, müssen mehr Menschen für Berufe in diesem Bereich interessiert und qualifiziert werden.

Sozial ist jeder mal - ob’s um Hilfe im Alltag geht oder um Geld leihen für eine Anschaffung. Einen sozialen Beruf zu erlernen, ist etwas anderes. Ständig helfen, Rat spenden, erziehen und pflegen erfordert viele Fähigkeiten.

Für den 18-jährigen Daniel ist zumindest die berufliche Richtung klar: "Auf alle Fälle irgendwas mit Menschen, denn Technik oder Büro sind nicht so mein Ding. "Er macht im nächsten Jahr Abitur und checkt gerade am PC im Berufsinformationszentrum (BIZ) in Berlin-Mitte Karriereaussichten und auch Verdienstmöglichkeiten. "Ich schwanke noch zwischen einer Ausbildung zum Erzieher oder einem Lehramtsstudium", will er sich noch nicht festlegen.

Gute berufliche Perspektiven

Die beruflichen Perspektiven für Männer und Frauen sind jedenfalls gut. Erstmals gehörten 2008 die Sozialberufe zu den Top-Fünf der nachgefragtesten Arbeitskräfte, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit jüngst ermittelt hat. Insgesamt 57.000 Stellen waren sofort zu besetzen – ob als Sozialpädagogen, Erzieher, Krankschwestern oder Altenpfleger. 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nur Ingenieure wurden noch mehr nachgefragt.

Allein 14.000 offene Stellen meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA) im April 2009 für Altenpflegerinnen und Altenpfleger. 8.800 waren es für Krankenschwestern, -pfleger und Hebammen sowie 7.100 Arbeitsplätze für die Betreuung, Erziehung und Pflege von Kindern. Und rund 63.000 Betriebe erwarteten den Arbeitsmarktforschern zufolge eine weiter ansteigende Nachfrage.

Fachkräftemangel befürchtet

Die Ergebnisse deuten auf Engpässe und auf einen möglichen Fachkräftemangel in diesen Berufen hin. Bislang war das vor allem Thema im industriellen Sektor. Die Alterung der Gesellschaft, aber auch die höhere Zahl von Kinderbetreuungsplätzen sind mitverantwortlich für den wachsenden Arbeitskräftebedarf.

Fachkräftemangel könnte auftreten, wenn zum Beispiel mehr Arbeitsplätze in der Kinderbetreuung für unter Dreijährige eingerichtet werden, aber nicht genügend Erzieherinnen und Erzieher da sind. Lehrermangel könnte zu Ausfall von Schulstunden oder zu hohen Schülerzahlen pro Klasse führen. Aber auch in Pflege- und Altenheimen könnten Bedürftige nicht optimal versorgt werden, wenn das Personal fehlt.

Gefragt ist Prävention. Dies gilt für die Ausbildungs- und Personalplanung in den Betrieben wie für die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene gleichermaßen.

Mehr Ausbildung in sozialen Berufen notwendig

Karsten Schubert, Teamleiter der Berliner Arbeitsagentur Süd für unter 25-Jährige, sieht eine zunehmende Bereitschaft bei Arbeitgebern, auch Berufseinsteiger einzustellen. Er bedauert zugleich, dass bei den gemeldeten Ausbildungsstellen noch kein Zuwachs zu erkennen ist: "Hier würde eine größere Anzahl an betrieblichen Ausbildungsplätzen, besonders in der Altenpflege, ein größeres Interesse der Jugendlichen hervorrufen", so Schubert.

Auch die späteren Verdienstmöglichkeiten sind bislang für viele Jugendliche wenig attraktiv für die Wahl eines Sozialberufes. Besonders bei den männlichen Jugendlichen sei das Image bislang nicht so gut, bedauert der BA-Vertreter. Schubert wünscht sich eine jugendgerechte Imagekampagne, um größeres Interesse an den Sozialberufen zu wecken.

Arbeitslose qualifizieren

Nicht nur in der Ausbildung, auch durch Qualifizierung von Arbeitslosen gibt es erhebliche Vermittlungspotenziale - insbesondere bei Arbeitslosengeld II-Empfängern. Der vermeintliche "Makel Hartz IV" und die damit verbundenen Vorurteile gegenüber Arbeitsuchenden aus der Grundsicherung erschweren mitunter die Vermittlung.

Dabei gibt es unter den Hartz IV-Empfängern viele motivierte und engagierte Fachkräfte. "Über 40 Prozent unserer Kunden sind weniger als sechs Monate arbeitslos, 60 Prozent haben einen Berufsabschluss. 80.000 Menschen im SGB II kommen aus Sozial- und Gesundheitsberufen oder möchten in diesen Berufen arbeiten", so BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Hier könnten die Jobcenter den Unternehmen sofort qualifizierte Vermittlungsangebote unterbreiten.

Beispiel Pflegebetreuungskräfte

Dass etwas geschieht, zeigt die Pflegereform. Sie bringt immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz. Die Zahl der zusätzlichen Pflegebetreuungskräfte ist weiter gestiegen. Seit dem Start der Reform am 1. Juli 2008 konnten rund 11.000 zusätzliche Betreuungskräfte zur besseren Versorgung demenzkrankter Menschen in Heimen eingestellt werden.

Die Bundesregierung rechnet mit insgesamt rund 20.000 neuen Arbeitsplätzen für Betreuungskräfte.

"Helfen lernen" in Teltow-Fläming

Mit an Bord ist beispielsweise das Projekt "Helfen lernen" im Landkreis Teltow-Fläming, südlich von Berlin. Hier erwerben arbeitslose Teilnehmer nach einem 320 Stunden-Lehrgang gleich zwei Zertifikate: den "Altenpflegehelfer" und die "Befähigung zur Betreuung von Demenzkranken". An der aktuell laufenden Qualifizierung beteiligen sich 14 Arbeitslose. In den Vorjahren fanden nach der Qualifikation bis zu 75 Prozent der Teilnehmer direkt eine Stelle.

Der Zuspruch der Teilnehmer und der Arbeitgeber ist entsprechend groß. Die zuständige Teamleiterin in der Arge Teltow-Fläming, Ina-Kathrin Otto, sagt, die meisten Arbeitslosen hätten eine grundsätzlich positive Einstellung zu den Pflegeberufen. Natürlich käme der Beruf nicht für alle in Frage. Die Arbeitgeber, so Otto, schätzten vor allem, dass sie ihre künftigen Mitarbeiter über die langen Praxiszeiten während der Qualifizierung kennenlernen könnten. Dadurch sinke auch die Einstellungshürde (mehr im Interview mit Frau Otto im Kontext).

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