Für viele junge Menschen hat die Ausbildung gerade begonnen, viele starten am 1. September. Wie in den vergangenen Jahren sind aber noch nicht alle versorgt. Es gilt also: nicht nachlassen und weiter bewerben! Auch die Betriebe sind aufgerufen, noch einmal zu überlegen, ob sie nicht doch noch eine Ausbildungsstelle anbieten können.
Denn Fachkräfte werden dringend gebraucht. Das gilt vor allem, wenn die Konjunktur hoffentlich bald wieder anzieht. Erfreulich ist: Trotz Wirtschaftskrise sind die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz so gut wie in den vergangenen Jahren. Wegen des demografischen Wandels gibt es immer weniger junge Menschen, also verlassen auch immer weniger die Schulen. Daher nimmt die Zahl der Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerber nun schon im dritten Jahr hintereinander ab.
Die Bewerber-Stellen-Relation ist derzeit sogar besser als in den Jahren zuvor. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber liegt im Juli 2009 um 79.900 unter der Zahl des Vorjahres. Die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen liegt dagegen nur um 31.300 unter dem Wert von 2008. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist daher überzeugt: "Es droht keine Lehrstellenkrise".
Allerdings ist es für die Bundesagentur für Arbeit (BA) noch zu früh, um ein Fazit des laufenden Berufsberatungsjahres zu ziehen. Nach ihrer Bilanz meldeten Betriebe von Oktober 2008 bis Juli 2009 414.100 Ausbildungsstellen. Das ist nur drei Prozent weniger als zur Boomphase im Jahr 2007. Der Rückgang betrifft betriebliche (-21.900 auf 393.900) und außerbetriebliche (-9.400 auf 20.200) Ausbildungsplätze.
494.900 Bewerberinnen und Bewerber haben die Ausbildungsvermittlung bei der Suche nach einer Lehrstelle eingeschaltet. Schon im dritten Jahr in Folge nimmt diese Zahl nun ab. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die sinkende Zahl von Schulabgängern. Daneben zeigt sich auch ein Trend der Jugendlichen zu höheren Schulabschlüssen.
Weitere Einflussfaktoren für den Rückgang sind die verstärkten Bemühungen der BA um die so genannten Altbewerber. Auch wirken sich die vertiefte Berufsorientierung aus, die Jugendliche und Ausbildungsbetriebe früher zusammenbringt.
Die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen lag im Juli mit 99.000 um 13.900 unter dem Vorjahreswert. Als noch unversorgt zählten im Juli 156.500 Bewerber, 34.500 weniger als vor einem Jahr. Eine endgültige Bewertung des Ausbildungsstellenmarktes kann allerdings erst Ende September erfolgen.
Die Industrie- und Handelskammern meldeten Anfang Juli weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Viele Betriebe werden wegen der schwierigen Auftragslage noch abwarten, bevor sie ihre Ausbildungsplätze besetzen. Dies nimmt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, an. Gute Aussichten haben Bewerberinnen und Bewerber, je flexibler und mobiler sie sind. Insbesondere Unternehmen in den ostdeutschen Ländern suchen händeringend nach guten Auszubildenden.
Besondere Anstrengungen sind aus Sicht von Politik und Wirtschaft daher weiter notwendig, um leistungsschwachen Jugendlichen ein Qualifizierungsangebot zu unterbreiten. Aus diesem Grund und der im Jahr 2004 besonders angespannten Lage auf dem Ausbildungsmarkt haben die Spitzenverbände der Wirtschaft und die Bundesregierung damals den "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland" geschlossen. Der Pakt wurde im März 2007 um drei Jahre verlängert. Die Wirtschaft hat sich verpflichtet, jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Zusätzlich stellen die Unternehmen 40.000 Einstiegsqualifizierungen bereit.
So soll es auch in diesem Jahr in einer im Oktober beginnenden Nachvermittlungsaktion gelingen, alle noch Suchenden unterzubringen. Ein besonders wirkungsvolles Instrument sind die Einstiegsqualifizierungen. In diesen betrieblichen Praktika können schwache Schulabsolventinnen und -absolventen ihre Ausbildungsfähigkeit und ihre Motivation unter Beweis stellen. In den vergangenen Jahren konnte ein hoher Prozentsatz anschließend in ein reguläres Ausbildungsverhältnis überwechseln.
Das löst aber ein ganz wichtiges Problem nur teilweise: Zu viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Schulabschluss oder sind nach Abschluss der allgemein bildenden Schule nicht in der Lage, eine Berufsausbildung zu beginnen oder abzuschließen. Daher haben sich die Paktpartner, die BA und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung mit der Kultusministerkonferenz auf ein gemeinsames Handeln verständigt. Damit der Übergang der Jugendlichen von der Schule in die berufliche Qualifikation zukünftig leichter wird.
Neben der Unterstützung bestehender Initiativen und Projekte hat jeder Partner zugesagt, sein Engagement bei dieser Herausforderung nochmals zu verstärken. Sie wollen die Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler sichern, ihre Berufsorientierung verbessern und Übergänge von der Schule in die Ausbildung erleichtern. Bestehende erfolgreiche Projekte sollen bundesweit fest in der Praxis verankert werden.
Jugendliche mit Lernproblemen sollen durch praktische Arbeitserfahrung gefördert werden. An allen Schulen wird es eine systematische Berufsorientierung und Hilfen beim Übergang in den Beruf geben. Schulen und Betriebe wollen enger zusammenarbeiten. Die Wirtschaft bekräftigt ihr Angebot, jeder Schule einen Betrieb in der Region als Partner zu vermitteln. Die Kammern und Verbände ermutigen und unterstützen die Betriebe, sich aktiv um Kooperationen mit Schulen zu bemühen. Die Kultusminister ermutigen und unterstützen die Schulen, mehr mit Betrieben in ihrer Region zusammenzuarbeiten.
So werden hoffentlich nicht nur die Schulabgängerinnen und Schulabgänger dieses Jahres und der vergangenen Jahre eine gute berufliche Perspektive bekommen. Auch für die kommenden Jahre wird vorgesorgt. Trotz Krise droht in der Zukunft eher ein Fachkräftemangel.