Bildung und Forschung

Exzellenzuniversität Konstanz - Modell für wissenschaftlichen Nachwuchs

Sonja von Aulok (rechts) mit Malte Drechser (physikalische Chemie) und Johanna Kißler (Psychologie) aus dem Zukunftskolleg
Das Zukunftskolleg
Foto: Universität Konstanz

Die Exzellenzuniversität Konstanz ist die kleinste und jüngste der Exzellenzuniversitäten Deutschlands. Sie liegt im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Schweiz und ist eines der führenden Zentren für junge Spitzenforscher. Alpenblick und Bodenseepanorama inklusive. Mit ausgeklügelten Instrumenten hat sich die Universität mit ihren rund 10.000 Studierenden in Sachen Nachwuchsförderung einen Namen gemacht.

Der Konstanz-Effekt: Vereinbarkeit von Spitzenforschung und Familie

Kinderlachen, ein Buggy reiht sich an den nächsten vor „Knirps und Co.“, der Kinderbetreuung auf dem Campus der Universität Konstanz. Quirlige Kinder stürmen auf die Spielsachen los. Auch die fast zweijährige Layla ist ruck zuck mitten drin im Getümmel und erobert die Sandkiste. Ihre Mutter, die 33-jährige Biologin und Privatdozentin Dr. Sonja von Aulock, kann nun ganz in die Welt von Wissenschaft und Forschung eintauchen.

Die Exzellenzuniversität Konstanz hat in Sachen Familien- und Frauenförderung gehörig Tempo gemacht. Kinderbetreuung für Kinder ab sechs Monaten, Telearbeit, flexible Notfallbetreuung, wenn das Kind krank ist und damit die externe Kinderbetreuung zunächst einmal auf der Strecke bleibt. Und dies sind nur einige der vielen Pluspunkte im großen Uni-Familienpaket. Optimale Bedingungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Familie.

Die Wissenschaftlerin Aulock kann sich dank dieser Maßnahmen ganz ihrer Forschung widmen. Sie untersucht, wie das Immunsystem auf feindliche Eindringlinge, etwa bestimmte Pilze und Bakterien, reagiert und nimmt Entzündungsreaktionen in der Lunge in den wissenschaftlichen Focus. Ein hochaktuelles Forschungsthema. Schließlich ist die mikrobielle Belastung der Atemluft ursächlich für eine ganze Reihe von berufsbedingten Erkrankungen.

Das Zukunftskolleg

Von Aulock ist Mitglied im Zukunftskolleg der Universität, einer Fördereinrichtung für junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Das Zukunftskolleg entstand aus dem „Zentrum für den wissenschaftlichen Nachwuchs“, das durch die Mittel der Exzellenzinitiative ausgebaut werden konnte. „Der wissenschaftliche Nachwuchs ist die Zukunft, und in die haben wir immer investiert. Durch die Exzellenzinitiative können wir noch mehr auf den Weg bringen. Und zwar ganz maßgeschneidert und sehr praxisorientiert“, sagt der Rektor der Universität Konstanz, Prof. Dr. Gerhart von Graevenitz.

Weitere Exzellenzeinrichtungen der Universität sind die Graduiertenschule „Chemical Biology“ und das Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“.

Die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Zukunftskolleg sind breit gefächert. Ausgesprochen flexibel geht die Einrichtung mit finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten um. „Ein Wissenschaftler benötigt immer wieder die Möglichkeit, schnell eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Forschung funktioniert eben nicht immer nach einem wohlgeordneten eins-nach-dem-anderen Prinzip“, erklärt von Aulock. Neben finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten und Stipendien bietet das Zukunftskolleg auch ein Mentorship. „Ein erfahrener Wissenschaftler begleitet einen jungen Wissenschaftler ein Stück der Wegstrecke“, erklärt von Graevenitz.

Interdiszipläre Zusammenarbeit und Vernetzung

Das Zukunftskolleg hilft den jungen Nachwuchswissenschaftlern auch, in die neue Rolle des Wissenschaftlers hineinzuwachsen. „Die Verfolgung der eigenen Forschungsinteressen stellt nur einen Teil der vielfältigen Herausforderungen dar: Es müssen Fördermittel beantragt und Stellen verlängert werden. Der Wissenschaftler muss ein guter Wissensvermittler und Mentor für die eigenen Mitarbeiter und Lehrer für unsere Studierenden sein“, so von Aulock.

Wichtig sei für sie ebenso der wissenschaftliche Austausch über die Fächergrenzen hinweg und die Erfahrungen bei der Gremienarbeit. Deswegen sitzen bei den wöchentlichen Gruppensitzungen die Philosophin, der Physiker und der Mathematiker auch zusammen am runden Tisch. Auf diese Weise erfahren sie jeweils zusätzlich ungewöhnliche Einblicke in die Welten der anderen.

Wollen sie überhaupt noch weg, die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Exzellenzuniversität Konstanz? Von Graevenitz schmunzelt: „Ja, sie wollen. Und sie schaffen den Sprung in Top-Positionen in der Forschung und in der freien Wirtschaft. Damit tragen unsere jungen Leute den Konstanz-Effekt wieder ein Stück weiter.“

Exzellenzinitiative

Die deutsche Hochschullandschaft kann sich sehen lassen: 9 Universitäten mit Spitzenstatus, 37 Exzellenzcluster und 39 Graduiertenschulen wurden 2006 und 2007 durch die Exzellenzinitiative für ihr Forschungsprofil ausgezeichnet. Ziel der Exzellenzinitiative ist es, Leuchttürme der Wissenschaft entstehen zu lassen. Die im Wettbewerb um die besten Konzepte ausgewählten Forschungseinrichtungen werden insgesamt mit 1,9 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2006 bis 2011 gefördert. Neben den 9 Spitzenuniversitäten kommt die Förderung 19 weiteren Hochschulen zugute, an denen ausgezeichnete Forschungskonzepte angesiedelt sind. Bund und Länder haben am 4. Juni 2009 die Initiative bis zum Jahr 2017 verlängert. Deutschland wird bis zu 12 Exzellenzuniversitäten bekommen. Dafür sind weitere 2,7 Milliarden Euro vorgesehen.

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