Jugendliche in Deutschland trinken immer exzessiver. Private Krankenversicherungen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wollen nun gemeinsam gegen übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen vorgehen.
Mit jeweils zehn Millionen Euro im Jahr unterstützt die PKV in den kommenden fünf Jahren die BZgA bei der Alkoholprävention. Hierauf einigten sich die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Elisabeth Pott und der Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung e. V. (PKV) Volker Leienbach am 8. Juni in einer Sponsoring-Vereinbarung. Insgesamt stellt die PKV mittelfristig 50 Millionen Euro für die junge Zielgruppe zur Verfügung.
Die neue Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit." richtet sich besonders an die 16- bis 20-Jährigen. Aber auch Erwachsene sind angesprochen, denn "ohne Erwachsene geht es nicht", sagte Pott.
Anlass zur Sorge gibt vor allem das Trinkverhalten Heranwachsender. Es gebe Trinkmuster, "die zu lebensbedrohlichen Situationen führen", so Pott. Die Ursachen dafür seien sehr komplex, schätzte Pott ein. Es gebe auch keine Konzentration auf bestimmte soziale Schichten. Deshalb müssten alle Teile der Gesellschaft – besonders Familie, Freunde, Schule, Einzelhandel und Gastronomie – mithelfen, die jungen Leute vom Rauschtrinken abzuhalten und sie zu einem risikoarmen Umgang mit Alkohol zu motivieren.
Leienbach zeigte sich überzeugt, dass übermäßiger Alkoholkonsum präventiv zu bekämpfen sei, obgleich Alkoholtrinken gesellschaftsfähig etabliert habe. Vollständige Abstinenz zu erreichen, sei deshalb ein unrealistisches Ziel, meinte er. Die PKV setze auf Aufklärung. Sie wolle ihre Mittel konzentrieren und sehe in der BZgA eine kompetente Partnerin.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, freute sich über die großzügige Unterstützung der PKV bei der Alkoholprävention. Exzessives Rauschtrinken sei derzeit unter Jugendlichen weit verbreitet und nehme besorgniserregend zu. Jeder fünfte Jugendliche habe unlängst angegeben, im letzten Monat mindestens einmal betrunken gewesen zu sein, sagte Bätzing. 2007 seien etwa 23.000 Kinder und Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert worden. 2000 habe diese Zahl noch rund 9.500 betragen. Das sei ein Anstieg um 143 Prozent.
Wie viel Alkohol ist schädlich? Wie viel Alkohol ist in den Getränken enthalten? Auf solche Fragen wird die Kampagne Antworten geben. Und sie will die jungen Menschen befähigen, sich eigenverantwortlich mit Alkohol auseinander zu setzen, statt sie zu belehren.
Die Kampagne umfasst Kino- und Fernsehspots, Plakate, Postkarten und Anzeigenmotive, um den Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol näher zu bringen.
Auch das Gespräch mit Gleichaltrigen an Orten, wo Jugendliche Alkohol konsumieren, gehört dazu, so in Diskotheken, bei Veranstaltungen oder auf der Straße.