Pflege

Menschenwürdig leben mit Demenz

Demenz ist die häufigste und folgenreichste psychiatrische Erkrankung im Alter. In den nächsten zehn Jahren wird es in Deutschland immer mehr hochaltrige Menschen geben. Damit wird aller Voraussicht nach die Zahl der demenziell erkrankten Menschen erheblich zunehmen, denn Demenz ist eine typische Erkrankung vor allem des höheren Lebensalters. Experten nehmen an, dass Frauen deshalb häufiger von der Krankheit betroffen sind, weil sie älter werden als Männer.

Eine Demenzerkrankung führt unter anderem zu einer Beeinträchtigung insbesondere hochentwickelter Funktionen des menschlichen Gehirns wie zum Beispiel des Kurzzeitgedächtnisses, des Denk- und Urteilsvermögens oder der Sprache. Damit einhergehend kommt es auch zu erheblichen Störungen der sozialen und beruflichen Funktionen der Betroffenen. Was sie früher wussten und konnten, ist nach und nach nicht mehr da. Die Persönlichkeitsstruktur verändert sich deutlich.

Ursachen der Krankheit noch nicht geklärt

Am häufigsten tritt Demenz als Alzheimer-Krankheit auf. Die genauen Entstehungsmechanismen der Demenzerkrankungen, insbesondere die der Alzheimer-Demenz, sind bis heute nicht abschließend geklärt. Zwar mehrt sich das Forschungswissen immer weiter, aber es stellen sich für die Forscher gleichzeitig auch immer wieder neue Fragen. Besonders mit Blick auf die Behandlungsmöglichkeiten der Demenzen, die bis heute als sehr beschränkt gelten.

Bekannt aber ist, dass verschiedene krankhafte Veränderungen im Gehirn, die viele Jahre hinweg Nervenzellen nach und nach zerstören, bereits im mittleren Lebensalter auftreten. Nach Meinung führender Experten ergeben sich daraus Möglichkeiten, der Entstehung einer späteren Demenzerkrankung zumindest in gewissem Umfang vorzubeugen. Das Bundesministerium für Gesundheit plant daher, die Bevölkerung mit einer Broschüre über Möglichkeiten von präventiven Maßnahmen der Demenzerkrankungen zu informieren und zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren.

Demenzrisiko steigt mit dem Alter

Deutschlands Pflege-Zukunft

Logo Leuchtturmprojekt DemenzBild vergrößern Logo Demenz Foto: BMG

Demenziell erkrankte Menschen sollen nach dem Willen der Bundesregierung ein menschenwürdiges Leben führen können und die bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung erhalten. Deshalb berücksichtigt die im Juli 2008 in Kraft getretene Pflegereform Menschen mit Demenzerkrankungen ausdrücklich.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft startete 2008 das "Leuchtturmprojekt Demenz". Die Bundesregierung förderte es im vergangenen Jahr mit 4,5 Millionen Euro. In diesem Jahr sind acht Millionen Euro für Vorhaben im Bereich Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen vorgesehen. Ausgewählt wurden nach einer Ausschreibung 29 Projekte, die sich im Januar 2009 der Öffentlichkeit vorstellten.

Worum geht es beim Leuchtturmprojekt Demenz?

Vorausgegangen sind dem Projekt umfangreiche Vorarbeiten. Dabei wurden in enger Zusammenarbeit mit Experten auf dem Gebiet der Pflege im September 2007 folgende Themen- und Arbeitsfelder ausgewählt:

  • Therapie- und Pflegemaßnahmen: Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen,
  • Evaluation von Versorgungsstrukturen,
  • Sicherung einer evidenzbasierten Versorgung und
  • Evaluation und Ausbau zielgruppenspezifischer Qualifizierung.

Ziel ist unter anderem, die Erkenntnisse über die Versorgung demenziell erkrankter Menschen zu vertiefen und die Situation der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen in Heimen und zu Hause zu verbessern.

Vorbildwirkung zählt

Die 29 ausgewählten Vorhaben sind vor gut einem Jahr von unabhängigen und neutralen Sachverständigen ausgewählt worden. Es handelt sich um Projekte mit Vorbildwirkung für eine bessere Betreuung und Versorgung von demenziell erkrankten Menschen. Gestartet sind die geförderten Projekte im zweiten Quartal 2008. Sie helfen zum Beispiel, Leistungen für demenziell erkrankte Menschen im so genannten niedrigschwelligen Bereich weiterzuentwickeln. Damit soll die häusliche Versorgung der Betroffenen ausgebaut werden.

Fazit: Die Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen bleibt auf lange Sicht ein aktuelles Thema. Deshalb bedarf es eines systematischen, abgestimmten Herangehens. Beteiligt werden und mitwirken müssen die Betroffenen und ihre Angehörigen sowie die Leistungserbringer im Pflegealltag ebenso wie Experten in der Pflegeforschung. Diesem Ansatz folgt das von der Bundesregierung geförderte Leuchtturmprojekt Demenz, das fortschrittliche Erkenntnisse und Erfahrungen verbreiten will. Das steht im Einklang mit der Zielstellung der Pflegereform: die Situation altersverwirrter Menschen mit erheblichem Betreuungsbedarf durch zusätzliche Leistungen und Versorgungsangebote zu verbessern und ihre Angehörigen zu entlasten.

Bessere Leistungen der Pflegeversicherung für demenziell erkrankte Menschen
Mit der Pflegereform, die zum 1. Juli 2008 in Kraft getreten ist, werden insbesondere demenziell erkrankte Menschen besser in die Pflegeversicherung einbezogen und durch Leistungsverbesserungen stärker unterstützt. Sie erhalten statt der bisherigen bis zu 460 Euro jährlich künftig bis zu 1.200 Euro (Grundbetrag) beziehungsweise bis zu 2.400 Euro (erhöhter Betrag), selbst wenn sie die Voraussetzungen der Pflegestufe I noch nicht erfüllen. Kommen körperliche Einschränkungen hinzu, gibt es daneben die monatlichen Geld- und Sachleistungen bei Vorliegen der Pflegestufen I–III.

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