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Nr. 074    04/2009
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Impfschutz

Impfen ist wirksame Vorbeugung

 
Leider gibt es Eltern, die ihre Kinder nicht gegen Krankheiten impfen lassen, denen mit einer Impfung vorgebeugt werden kann. "Wir müssen die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung stoppen, um einen bestmöglichen Schutz vor Infektionskrankheiten zu gewährleisten", forderte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt anlässlich der 1. Nationalen Impfkonferenz in Mainz vom 5.-7. März.
 

Masern treten verstärkt auf

 
Fachleute warnen vor einer Verharmlosung von Kinderkrankheiten. Dass viele gefährliche Infektionskrankheiten heute nahezu unbekannt sind, ist Folge der Impfungen selber. Ihnen ist es nämlich zu verdanken, dass Krankheiten wie Kinderlähmung oder Diphterie heute kaum noch existieren. Jüngste Meldungen zeigen, dass man Kinderkrankheiten nicht unterschätzen sollte. Allein die Gesundheitsbehörde in Hamburg hat in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 100 Masern-Fälle registriert.
 
Wie gefährlich Masern werden können, zeigte sich schon im Jahr 2006. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gab es rund 2.300 Masernfälle in Deutschland, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Sie führten zu sieben Gehirnentzündungen, einer Hirnhautentzündung, 45 Mittelohrentzündungen, 51 Lungenentzündungen und zwei Todesfällen. Durchschnittlich verläuft die Krankheit für ein bis zwei je 1.000 an Masern erkrankte Kinder tödlich. "Ein Kind nicht impfen zu lassen ist unvertretbar", sagt Fred Zepp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.
 
Ein umfassender Schutz vor Masern ist laut Experten sichergestellt, wenn 95 Prozent der Kinder zweimal geimpft sind. Mit derzeit nur 87 Prozent bei der Zweitimpfung ist dieses Ziel in Deutschland noch nicht erreicht.
 
Masern gehen um
Typische Symptome der Masern sind neben Hautausschlag auch Fieber, Husten, Schnupfen und Entzündungen der Schleimhäute. Viel gefährlicher an der Krankheit ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts aber die Schwächung des Immunsystems, die etwa sechs Wochen nach einer Infektion mit dem Masern-Virus andauern kann.
 
Quelle: RKI, Stand Anfang 2009
 
Deutschland hat sich gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel gesetzt, Masern auszurotten.
 
Aber nicht nur bei Masern gebe es deutliche Impflücken, auch bei Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Hepatitis B, so die Bundesgesundheitsministerin.
 

Gefahr durch Zecken

 
Wenn es wärmer wird, sind auch Zecken wieder aktiv. Sie können bei einem Biss schwere Erkrankungen übertragen. Zum einen ist das Borreliose. Diese Krankheit kann zu erheblichen chronischen Schäden führen. Zeckenbisse können aber auch die sogenannte FSME auslösen, eine schwere Erkrankung des Nervensystems, die tödlich enden kann. Wegen der schweren Folgen raten Experten dazu, sich vorbeugend gegen FSME impfen zu lassen. Einen vorbeugenden Impfstoff für Borreliose gibt es noch nicht.
 
Gefahr durch Zecken in Europa
Nicht überall sind Zecken mit FSME-Viren infiziert, sondern nur in bestimmten Regionen. In Deutschland ist vor allem der Süden betroffen aber auch im übrigen Europa sind die Zecken auf dem Vormarsch. 
 
 
 
 
 
 
 
 
Quelle: Globus
 

Die Vorteile überwiegen!

 
Die Gründe, warum manche Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen, sind unterschiedlich. Manche sind nicht ausreichend über die Möglichkeiten des Impfschutzes informiert, manche sind einfach nachlässig. Andere verzichten aus weltanschaulichen Gründen auf notwendige Schutzimpfungen.
 
Skeptische Mütter und Väter sollten wissen: Alle wissenschaftlich ernst zu nehmenden Fachgremien, angeführt von der Weltgesundheitsorganisation, plädieren heute für Impfungen. Zwar kann es in sehr wenigen Fällen manchmal zu Nebenwirkungen kommen. Doch verglichen mit der Bedrohung durch die Infektionskrankheit, die mit der Impfung abgewehrt werden soll, ist diese Gefahr ungleich geringer. Die meisten Impfungen sind ohnehin fast frei von Risiken.
 
Auch werden die Kosten für die Solidargemeinschaft durch Impfungen gesenkt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts senkt beispielsweise die heutige Impfung gegen Keuchhusten die Behandlungskosten bundesweit um mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr.
 

Schutz vor vielen Erkrankungen

 
Die Bundesregierung hat die Voraussetzungen verbessert, die Durchimpfungsrate in Deutschland zu erhöhen. Seit der Gesundheitsreform 2007 zählen alle medizinisch gebotenen Schutzimpfungen zu Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Das heißt, dass Schutzimpfungen für Patienten kostenlos sind, da die Kassen die Kosten tragen. Es ist erfreulich, dass die angebotenen Impfungen seitdem verstärkt in Anspruch genommen werden. In Deutschland können Patienten derzeit gegen 22 Erkrankungen durch eine Impfung geschützt werden. Welche Impfungen das sind, ist im Impfkalender festgelegt.
 
Impfkalender 2008
 
Erfolgsgeschichte Schutzimpfungen
Die spektakulärsten Erfolge hat die Medizin nicht mit Medikamenten erzielt, die bereits bestehende Krankheiten bekämpfen, sondern mit Mitteln, die Krankheiten von vornherein verhindern: mit Impfungen. Sie haben unzählige Menschen vor Infektionskrankheiten geschützt. Impfungen zählen deshalb zu den wirksamsten und kostengünstigsten vorbeugenden Maßnahmen der modernen Medizin.

Beispiel Pocken
Die erste Infektionskrankheit, die durch Impfungen bekämpft wurde, waren die Pocken. Die Impfung war so erfolgreich, dass die WHO diese Krankheit 1980 für ausgerottet erklärt hat. Eine Impfung gegen Pocken ist deshalb nicht mehr nötig.

Beispiel Polio
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den Nutzen von Impfungen ist die Kinderlähmung (kurz: Polio). Die drei Typen des Poliovirus greifen die Nerven an. Sie können Lähmungen auslösen, vor allem an den Beinen. Besonders gefürchtet waren Lähmungen der Atemmuskulatur: Die Betroffenen konnten oft nur mit Hilfe von künstlicher Beatmung weiterleben.

Noch 1961, im ersten Jahr nach Beginn der Impfkampagnen, gab es in der damaligen Bundesrepublik 4.673 Polio-Fälle. 305 Kinder starben an der Krankheit, 800 behielten lebenslange Behinderungen. Damals kannte nahezu jedes Kind andere, an Polio erkrankte Kinder. Wegen der großen Ansteckungsgefahr mussten immer wieder vorübergehend Schulen geschlossen werden. Die Gesundheitsbehörden warnten vor dem Baden in Baggerseen und Flüssen.

Es gibt kein "Impfzuckerl" mehr
Dann kamen die Impfungen. Zuerst mit der Spritze, dann mit der Schluckimpfung und seit gut zehn Jahren wieder mit der Spritze. Der Erfolg war überwältigend: Dank Schluckimpfung traten in Deutschland seit 1990 keine Polio-Fälle durch das Wildvirus mehr auf. Das "Impfzuckerl" enthielt jedoch abgeschwächte Lebendviren, die jedes Jahr in ein bis zwei Fällen zu einer "Impf-Polio" geführt haben. Deshalb verwendet man heute einen anderen Impfstoff, der gespritzt wird. Bei der Injektionsimpfung mit dem Totimpfstoff besteht kein Risiko mehr für eine "Impf-Polio".

Kontext

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