Winter adé - der Frühling kehrt zurück, und die Sonne scheint wieder länger und intensiver. Damit steigt auch die Gefahr hautschädigender UV-Strahlen. Nicht nur von der natürlichen Sonne geht eine große Gefahr für die Gesundheit der Haut aus. Auch die künstliche Sonne im Solarium kann zu folgenschweren Hautschäden führen. Besonders für Minderjährige, die regelmäßig ins Sonnenstudio gehen, erhöht die künstliche UV-Strahlung das Risiko einer Hautkrebserkrankung erheblich. Laut Professor Eggert Stockfleth, Leiter der European Skin Cancer Foundation (ESCF) und des Charité-Hauttumorcentrums, besucht jeder zweite 14-Jährige einmal pro Woche die Sonnenbank.
Dass immer mehr junge Leute ins Sonnenstudio gehen ist besorgniserregend.
Deshalb hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung beschlossen. Darin ist auch ein Solariumverbot für Minderjährige verankert. "Ein solches Solariumverbot ist längst überfällig", sagt die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Marion Caspers-Merk. Das Gesetz soll noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten. Auch Erwachsene sollen durch Grenzwerte für die UV-Strahlung geschützt werden. Bis das Gesetz gilt, empfehlen das Bundesumweltministerium und die Krebshilfe, nur Studios mit dem Qualitätssiegel "Geprüftes Sonnenstudio" zu nutzen.
Ein "Geprüftes Sonnenstudio" ist nach den Kriterien des Bundesamts für Strahlenschutz ausgezeichnet. Zu den Kriterien gehören definierte Gerätestandards mit begrenzter UV-Bestrahlung, Prüfungs- und Hygienevorschriften.
Besonders Kinder müssen vor der Sonne geschützt werden. Ihre Haut ist sehr empfindlich und verfügt nicht über die natürlichen Mechanismen, die sie vor UV-Strahlen schützen. Anders als das menschliche Gehirn, vergisst die Haut aber nichts: Vor allem Sonnenbrände im Kindesalter schädigen die Stammzellen der Haut derart, dass noch nach Jahrzehnten bösartige Tumore auftreten können. "Kinder sollten schon früh lernen, sich vor übermäßigen Sonnenstrahlen zu schützen", so Marion Caspers-Merk.
Das Pilotprojekt "SunPass - Gesunder Sonnenspaß für Kids" des Hauttumorcentrums der Berliner Charité und der European Skin Cancer Foundation schützt Kinder vor gesundheitsschädlichen Sonnenstrahlen. Kindergärten, die die Sonnenschutzvereinbarungen einhalten, werden mit dem SunPass zu Sonnenschutzkindergärten zertifiziert. "Die Aktion 'Sonnenschutzkindergarten' sehen wir als Maßnahme zur gezielten Aufklärung der Bevölkerung und Verbesserung der Präventionsmaßnahmen für unsere Kinder", erläutert Stockfleth. Der Berliner INA.KINDER.GARTEN ist der erste Kindergarten, der für seine Beteiligung an Sonnenschutzmaßnahmen zur Hautkrebsprävention bei Kindern ausgezeichnet wurde.
"Sonnenschutzkindergarten" kann eine Kita werden, wenn eine Präventionsschulung der Kinder und Erzieher/innen erfolgt und die Eltern aufgeklärt werden. Angemessene Kleidung wie Kopf- und Nackenbedeckungen sowie rechtzeitiges Auftragen spezieller Sonnencremes sind Bedingungen, die ein Sonnenschutzkindergarten erfüllen muss. Ausgezeichnete Kindergärten werden regelmäßig auf die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen überprüft, um die Qualität des Sonnenschutzes auch künftig zu sichern.
Derzeit handelt es sich beim "SunPass" noch um ein Pilotprojekt. Künftig sollen nicht nur in Berlin zertifiziert, sondern europaweit evaluiert werden.
Effektiver Sonnenschutz
Die European Skin Cancer Foundation hat einen Maßnahmenkatalog zum effektiven Sonnenschutz für Kinder erstellt. Demnach ist das Tragen einer ausreichend vor der Sonne schützenden Kopfbedeckung unerlässlich, auch die Kleidung soll so viel Haut wie möglich verdecken. Die Sonnencreme sollte wasserfest und lang anhaltend sein (LSF+30, UVB und UVA-Filter). Beim Eincremen ist besonders auf die sensiblen Stellen wie zum Beispiel Lippen, Ohren, Nase zu achten. Während der stärksten Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr sollte die Sonne komplett gemieden werden. Hautspezialisten geben den Rat, sich nur in Maßen zu sonnen und künstliche Strahlung ganz zu vermeiden.
Neben der Prävention vor Hautkrebs soll mit Projekten wie dem "SunPass - Gesunder Sonnenspaß für Kids" auch das Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschärft werden.
Dass Hautkrebsprävention ein ernstzunehmendes Problem ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in der Bundesrepublik. Jedes Jahr erkranken zwischen 7 und 10 Prozent mehr Deutsche an dieser Krebsart. Die Neuerkrankungsrate für den besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind Hautkrebserkrankungen in den meisten Fällen heilbar. Gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 35 Jahren haben Anspruch auf zweijährliches Hautkrebs- Screening.
Zentrales Krebsregister
Um die Datenerhebung zu verbessern wird noch in dieser Legislaturperiode ein nationales Krebsregister eingerichtet. Damit sollen fundierte Analysen und Vergleiche über das Auftreten und die Häufigkeit von Krebs ermöglicht werden. Das Nationale Krebsregister ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Krebs. Auf Basis der damit gewonnenen Erkenntnisse können Prävention, Früherkennung und Therapie verbessert werden.