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Nr. 074    04/2009
10 | 15

Gute Arbeit

Mitarbeiter mit Kopf, Herz und Geld beteiligen

 
Die SMA Solar Technology AG zählt zu Deutschlands Vorzeigeunternehmen. Vor allem auch durch ihr vorbildliches Personalmanagement machen die Spezialisten für Solartechnik aus Niestetal bei Kassel von sich reden. Kürzlich wurde das Unternehmen vom Great Place to Work Institute erneut zu einem der besten Arbeitgeber Deutschlands gekürt und erhielt im Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusätzlich einen Sonderpreis für ihr Konzept "Lebenslanges Lernen".
 
Günther Cramer gründete vor 28 Jahren gemeinsam mit seinen beiden Studienkollegen Reiner Wettlaufer und Peter Drews das Unternehmen SMA in Kassel. Er hätte es sich nicht träumen lassen, dass bei SMA einmal mehr als 30 Beschäftige arbeiten würden. Heute blickt der 56-jährige Diplomingenieur von einem verglasten Besprechungsraum auf ein international prosperierendes Unternehmen mit mehr als 2.500 Mitarbeitern. Die meisten von ihnen arbeiten am Produktionsstandort Niestetal in der Nähe von Kassel. Er ist der erste von heute insgesamt acht internationalen Niederlassungen auf vier Kontinenten. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Solar-Wechselrichtern spezialisiert, die den von Solar-Modulen erzeugten Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umwandeln.
 

Motivation ist entscheidend

 
Die Motivation der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war für das rasante Wachstum des Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Daran wird Cramer stets erinnert, wenn er die eindrucksvollen Bilanzen seiner Firma in den vergangenen Jahren betrachtet: Die Solarspezialisten erreichten 2006 knapp 200 Millionen Euro Umsatz bei einer verkauften Wechselrichterleistung von 450 Megawatt. 2008 konnte die Produktion auf 2,2 Gigawatt und der Umsatz auf einen neuen Rekordwert von rund 680 Millionen Euro mehr als verdreifacht werden. Momentan bezieht das Unternehmen eine neue 18.500 Quadratmeter große Fertigungshalle, die eine Produktion von bis zu 4 Gigawatt pro Jahr (rund 500.000 Wechselrichter) ermöglichen soll.
 
Für diese Leistungssteigerung mussten die Beschäftigten mitunter bis an die Belastungsgrenzen gehen. Mehrarbeit ist bei SMA kein Fremdwort. Trotz allem gelang es dem Unternehmen durch geschicktes Personalmanagement, die Motivation der Beschäftigten stets aufrechtzuerhalten. Das belegen nicht nur die freundlichen Gesichter, die einem beim Rundgang durch die Fertigungshallen begegnen, sondern auch das Gütesiegel des Great Place to Work Instituts. Dieses kürte SMA jüngst erneut zu einem der besten Arbeitgeber Deutschlands und vergab einen Sonderpreis für das Firmenkonzept "Lebenslanges Lernen".
 
Deutschlands beste Arbeitgeber werden jährlich vom Great Place to Work Institute ermittelt. Diese Auszeichnung würdigt Glaubwürdigkeit und Fairness des Managements im Umgang mit den Beschäftigten. Wichtig sind ferner Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen und Teamgeist. Bewertet werden einerseits die Personalarbeit des Arbeitgebers. Andererseits beurteilt das Institut auch mittels anonymer Mitarbeiterbefragung die Qualität der Zusammenarbeit sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten oder die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Auf Grundlage der nationalen "Beste Arbeitgeber"-Wettbewerbe in Europa koordiniert das Great Place to Work Institute Europe einen jährlichen Wettbewerb zur Ermittlung der "100 besten Arbeitgeber in Europa". 

>> Great Place to Work Institute http://www.greatplacetowork.de/
 

Lebenslanges Lernen

 
"Besonders positiv am Weiterbildungskonzept von SMA ist zu vermerken, dass man im Unternehmen großen Wert auf die Weiterbildung spezieller Berufsgruppen, besonders für Geringqualifizierte und ältere Mitarbeiter, legt", begründet das Institut die Verleihung des Sonderpreises. Weiterbildung ist bei SMA in allen Abteilungen ein wichtiges Thema. Die Ingenieure beispielsweise drücken regelmäßig die Schulbank, um sich über neueste Entwicklungen im Technologiesektor zu informieren. Das Unternehmen arbeitet dabei eng mit der Wissenschaft, beispielsweise mit der Universität Kassel, zusammen.
 
Doch mit Weiterbildungsmaßnahmen endet die kooperative Unternehmensführung bei SMA nicht. "Unsere Mitarbeiter sollen Spaß an der Arbeit haben und sich mit dem Unternehmen identifizieren", erklärt Firmengründer Cramer. Er legt großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter das Unternehmenswachstum in allen Bereichen aktiv mitgestalten und auch die Chefs direkt ansprechen.
 

Mit Ideendemokratie zur Marktführerschaft

 
Engagement und Kreativität sind bei den Niestetalern gefragt und werden entsprechend honoriert. "Wir beteiligen unsere Mitarbeiter mit dem Kopf, mit ihrem Herzen, aber auch mit ihrem Portemonnaie", erläutert Günther Cramer die Firmenphilosophie. Dabei verweist er auf die Gewinnbeteiligung und ein Mitarbeiteraktienprogramm. Er ist überzeugt davon, dass diese enge Art der Einbeziehung von Mitarbeitern entscheidend für den Unternehmenserfolg ist. Vor allem im Bereich Entwicklung trage ein ausgeprägtes Innovationsmanagement wesentlich dazu bei, dass SMA seit Jahren die technologische Marktführerschaft auf dem Gebiet Solarwechselrichter für sich beanspruchen könne.
 
"Wir bringen pro Jahr durchschnittlich sechs neue Produkte heraus", sagt Cramer stolz. Einen entscheidenden Beitrag des Jahresumsatzes investiert das Unternehmen in deren Entwicklung. Mit Erfolg. Oft sitzt der Diplomingenieur Cramer persönlich dabei, wenn die immer kostengünstigeren und leistungsfähigeren "Sunny Boys" – so der Name der Wechselrichter – entwickelt werden. Die Fortschritte der vergangenen Jahre sind beachtlich: Während 1990 im Durchschnitt noch ein Euro pro Watt Leistung gezahlt werden musste, waren es laut SMA 2007 etwa 0,35 Euro pro Watt. Auch der Wirkungsgrad konnte von ursprünglich 90 auf 98 Prozent gesteigert werden.
 

Soziales Engagement in Afrika

 
"Die Preisträger zeigen eindrucksvoll, dass sich eine gute Führung, die den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Unterstützung und Wertschätzung entgegenbringt, auch wirtschaftlich auszahlt." Dies sagte Bundesarbeits- und Sozialminister Olaf Scholz bei der feierlichen Verleihung der Urkunden an die besten Arbeitgeber Deutschlands am 13. Februar 2009 in Berlin.
 
Soziales Engagement geht bei SMA jedoch auch über das Werkstor hinaus. Weltweit unterstützt das Unternehmen gezielt die Aufbauarbeit in Krisen- und Entwicklungsländern mit moderner Solartechnik. So auch in Uganda, wo die Niestetaler Ende 2008 Technik für ein HIV/Aids-Zentrum stifteten, das zuvor nur zwei Stunden pro Tag Strom hatte. Mittlerweile versorgt eine Photovoltaik-Inselanlage mit einem Batteriespeicher das Zentrum rund um die Uhr mit Elektrizität.
 

Erfolgreiche Unternehmensstrukturen müssen mitwachsen

 
Auch in Zukunft will SMA auf eine kooperative Unternehmensführung setzen. "Keine leichte Aufgabe", betont Cramer. Die besondere Herausforderung liege darin, die erfolgreichen Unternehmensstrukturen, wie die offene Arbeitsatmosphäre und enge Zusammenarbeit der Abteilungen, mitwachsen zu lassen. Bislang scheint dies bei SMA ganz gut gelungen zu sein. Die Niestetaler räumten für ihre moderne Unternehmenskultur kürzlich immerhin auch den Deutschen Fairness-Preis ab.

Kontext

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