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Nr. 074    04/2009
9 | 15

Arbeitsmarkt

Impulse für Rückkehr ins Berufsleben

 
"Mein Kantinenbetrieb ist ein kleines, sensibles Universum", sagt Holger Eickhoff. Der Arbeitsplatz des 49-jährigen Kantinenpächters liegt aber nicht irgendwo im All, sondern mitten in Hamburg, im sechsten Stock der größten Arbeitsagentur Deutschlands. "Casino Impuls" heißt die modern eingerichtete Kantine, die er seit zehn Jahre leitet. Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsagentur Hamburg essen dort regelmäßig auch Beschäftigte anderer Unternehmen. Das Besondere: In der Kantine arbeiten auch Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen und bekommen so eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt. Und: Die Kantinenbesucher sollen nichts von dieser integrativen Rehabilitationsarbeit bemerken und tun dies auch nicht. 
 

Berufliche Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen

 
Insgesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei "Casino Impuls" beschäftigt. Vier von ihnen nehmen dabei das Angebot zur beruflichen Rehabilitation für Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen wahr. Sie wollen wieder arbeiten und erhalten gezielte Unterstützung. Die persönlichen Herausforderungen für die Rehabilitanden sind groß, denn sie sind ein wichtiges Bindeglied im Produktionsablauf. Alles muss funktionieren. "Schließlich geben wir täglich zwischen 350 und 500 schmackhafte Gerichte aus", so Eickhoff. Er fühlt sich besonders für diese vier verantwortlich. Unterstützung findet er durch eine psychosoziale Fachkraft der Bergedorfer Impuls gGmbH. Deren spezielle Betreuung sorgt ergänzend für Stabilität der Rehabilitanden.
 
Einer von ihnen ist Herr N., 32 Jahre alt. Seit vier Monaten arbeitet er in der Kantine. "Die Arbeit macht mir Spaß, ich fühle mich angenommen und habe täglich wichtige Aufgaben zu erfüllen", sagt N. sichtlich stolz. Motiviert und mit täglich wachsendem Selbstvertrauen erfüllt er zuverlässig seine Arbeit.
 

Wechselnde Arbeitsbereiche und Aufgaben

 
Die berufliche Rehabilitation dauert in der Regel zehn bis zwölf Monate. Sie läuft dabei nach einem festen Einarbeitungsplan ab, der auf die Belange der Betroffenen abgestimmt ist. Die verschiedenen Stationen des Kantinenbetriebes sind auch für die vier täglich Brot: Kochen und Zubereiten der Speisen, Ausgeben des Essens, Kassieren an der elektronischen Kasse, Reinigen des Geschirrs und Organisieren des Lebensmittelnachschubs.
 
Diese praktischen Aufgaben begleiten zwei Köche fachlich. Daneben gibt es für die Rehabilitanden sozialpädagogische Betreuung und unterstützende Angebote zur Stressbewältigung, Konfliktberatungen und Bewerbungstraining.
 

Klares Ziel: Integration in den ersten Arbeitsmarkt

 
Die qualifizierte Einarbeitung und Eingliederung öffnet Eickhoffs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Chance auf Tätigkeiten in der Gastronomie oder anderen Betriebskantinen. Sie verfügen über fachliche Kenntnisse und sind persönlich stabilisiert, wenn sie die Rehabilitation absolviert haben. Integration in den ersten Arbeitsmarkt in Hamburg – das ist das Ziel des Bergedorfer Impulses.
 
Nicht selten blutet Eickhoff das Herz, wenn die Rehabilitanden ihre Eingliederung erfolgreich absolvieren konnten. Denn dann heißt es Abschied nehmen "Sie haben dann mit persönlichem Engagement und Kraft bewiesen, dass sie eine schwierige Phase ihres Lebens individuell meistern konnten" sagt der Kantinenchef. Danach heißt es Daumen drücken für den weiteren beruflichen Weg.
 

Strategisch guter und sinnvoller Ansatz

 
Eickhoffs "Universum" unterm Dach der Hamburger Arbeitsagentur stehe stellvertretend für viele Integrationsmodelle in der Hansestadt, stellt Agenturchef Rolf Steil fest. Steil freut sich persönlich über das reichhaltige und leckere Kantinen-Angebot. Sein besonderer Blick richtet sich aber auf die Integrationsarbeit des Bergedorfer Impulses. Das Projekt sei ein gutes Beispiel dafür, dass keine Anstrengungen gescheut werden, um Menschen mit Behinderungen aktiv zu unterstützen. Mit über 42 Millionen Euro hilft die Arbeitsagentur Hamburg 220 Rehabilitanden mit fachlicher Qualifizierung und praktischen Eingliederungsangeboten.

Kontext

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