Die 17-jährige Anruferin bei der Ratgeber-Telefonaktion der Märkischen Allgemeinen Zeitung geht in die 11. Klasse eines Potsdamer Gymnasiums. "Wer kann mir bei der Entscheidung helfen, ob ich nach der Schule eine Berufsausbildung oder ein Studium beginnen sollte?" fragt sie Jürgen Fabianska, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Potsdam.
Seit vielen Jahren organisiert das Bundespresseamt zusammen mit den Redaktionen zahlreicher regionaler und in Deutschland erscheinender fremdsprachiger Medien solche Aktionen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wohin sollte ich mich als Schüler zuerst wenden?
Der erste Weg sollte Sie stets zur Berufsberatung Ihrer regionalen Agentur für Arbeit führen. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird dann überlegt, welcher Berufsweg am besten zu Ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Dabei werden auch die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz erörtert, was ja nicht zuletzt von den schulischen Leistungen abhängt.
Habe ich angesichts der Konjunkturkrise überhaupt eine Chance auf einen Ausbildungsplatz?
Die Auswirkung der Krise auf den Ausbildungsmarkt ist im Moment schwer einzuschätzen. Umso wichtiger ist es aber, sich frühzeitig bei vielen Betrieben und auch für verschiedene Berufe zu bewerben. Die Wirtschaft ist optimistisch, dass ausreichend viele Stellen zur Verfügung stehen werden. Der deutliche Rückgang der Schulabgängerzahl dürfte zu einer Entspannung des Ausbildungsmarkts beitragen.
Wann muss ich mich um einen Ausbildungsplatz bewerben?
Das ist unterschiedlich. Großbetriebe, Banken und der öffentliche Dienst erwarten schriftliche Bewerbungen bereits zum Beginn des letzten Schuljahres, also ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Kleinere Betriebe vor allem im Handwerk entscheiden dagegen oftmals erst kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres, ob sie eine Lehrstelle anbieten. Trotzdem sollte man auch hier bereits einige Monate vor Ausbildungsbeginn anfragen.
Wie erfahre ich, welche Betriebe Ausbildungsstellen anbieten?
Auch hier ist die Berufsberatung erster Ansprechpartner. Darüber hinaus können Sie sich an Ihre regionale Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer wenden. Diese wissen, welche Betriebe in der Region noch Auszubildende suchen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Ausbildungsplatzbörsen im Internet.
Wie bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz?
Wenn eine Stelle ausgeschrieben wird, steht meist auch dabei, wie man sich bewerben muss. Die meisten Betriebe erwarten eine schriftliche Bewerbung, manche heute auch schon per E-Mail.
Bei kleineren Betrieben sollten Sie am besten vorher telefonisch fragen, ob Sie sich persönlich mit ihren Bewerbungsunterlagen vorstellen können. So können sich die Betriebsinhaber selbst ein erstes Bild von Ihnen machen. An Ort und Stelle sollten Sie anbieten, ein kurzes Praktikum im Betrieb zu machen. Damit können Sie Ihr Interesse für den Beruf und das Unternehmen, Ihre Leistungsfähigkeit, Ihre Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit unter Beweis stellen.
Wie sollte meine schriftliche Bewerbung aussehen?
Vor allem sauber, ordentlich und ohne Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Sie besteht aus einem Bewerbungsschreiben, Foto, Lebenslauf und Zeugniskopien. Die Arbeitsagenturen, aber auch viele andere Stellen, bieten kostenloses Informationsmaterial mit Musterschreiben an. Es hängt aber sehr vom Beruf ab, ob Sie ein Standardschreiben schicken oder sich etwas Originelles ausdenken sollten.
Was ist beim Vorstellungsgespräch zu beachten?
Wichtig ist, dass Sie angemessen ordentlich gekleidet zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Bei einem Handwerksberuf wird kein Anzug erwartet, bei einer Bank schon. Sie sollten über den Beruf und Betrieb gut informiert sein. Sie müssen mit Fragen rechnen, warum Sie den Beruf erlernen wollen und was Sie von der Ausbildung erwarten. Sie werden auch oft über Ihre Freizeitaktivitäten befragt und danach, warum Sie sich für geeignet halten.
Was muss ich tun, wenn es mit meinem Wunschberuf nicht klappt?
Bei manchen Berufen ist die Nachfrage ganz besonders hoch, beispielsweise bei Kfz-Berufen. Sie sollten sich daher von vorneherein Alternativen überlegen und sich parallel bewerben. Wenn Sie dann mehrere Angebote zur Auswahl haben, können Sie das attraktivste annehmen. Selbst wenn Sie bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, können Sie ihn wieder kündigen. Sie sollten dies aber dem Betrieb rechtzeitig mitteilen, damit ein anderer Jugendlicher eine Chance auf die Stelle bekommt.
Was kann ich machen, wenn es gar nicht mit einer Ausbildungsstelle klappt?
Zunächst einmal: nicht aufgeben. Ausbildungsverträge werden noch bis zum Jahresende, mitunter sogar darüber hinaus geschlossen. In Nachvermittlungsaktionen erhält jede und jeder Ausbildungssuchende noch Angebote, vorausgesetzt sie oder er ist bei der Arbeitsagentur als ausbildungssuchend gemeldet. Zu den Angeboten gehören neben Ausbildungsstellen auch die so genannten Einstiegsqualifizierungen. Das sind betriebliche Praktika, die auf die Ausbildung vorbereiten und häufig unmittelbar in einen Ausbildungsplatz überleiten. Auch bieten die Arbeitsagenturen berufsvorbereitende Maßnahmen an, in denen sich mitunter auch ein Schulabschluss nachholen lässt.