Viele Frauen unterbrechen über Jahre ihre Berufstätigkeit, um für ihre Kinder und die Familie da zu sein. Wenn sie dann wieder arbeiten wollen, kommt es nicht selten zu erheblichen Problemen. Mal ist die Kinderbetreuung nicht ausreichend gesichert, mal sind die Arbeitszeitregelungen zu starr. Auch mangelnde Kontakte in die Arbeitswelt oder fehlende Fachkenntnisse machen die Rückkehr nicht unbedingt leichter.
Die Initiative "Perspektive Wiedereinstieg" des Bundesfamilienministeriums und der Bundesagentur für Arbeit (BA) unterstützt Frauen bei ihrem Weg zurück in die Arbeitswelt. Das Programm wird drei Jahre lang mit 30 Millionen Euro gefördert. 14 Millionen Euro kommen aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Rest von der BA sowie von Trägern und Kommunen.
Das Programm fördert die enge Kooperation von Arbeitsagenturen, Arbeitgebern und Forbildungseinrichtungen. Die Frauen werden individuell auf ihrem Weg begleitet und auch die Partner und Familien der Frauen werden einbezogen.
Repräsentative Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen in Deutschland spätestens dann in das Berufsleben zurückkehren wollen, wenn die Kinder größer sind. Dennoch sind nur acht Prozent arbeitsuchend gemeldet, da sich diese Frauen meist nicht als arbeitslos betrachten. Oft fehlen Angebote und Strukturen, die den Frauen Unterstützung auf dem Weg zurück ins Erwerbsleben bieten. Viele Frauen geben deshalb schon bei der Suche oder auch in den ersten Monaten im neuen Job wieder auf.
"Auch in der Wirtschaftskrise suchen Unternehmen hoch motivierte und gut ausgebildete Fachkräfte", betont Familienministerin von der Leyen. "Die meisten Wiedereinsteigerinnen verfügen über qualifizierte Abschlüsse und bringen neben hoher Einsatzbereitschaft jene sozialen Kompetenzen mit, die gerade in schwierigen Unternehmensphasen Gold wert sind. Mit der Initiative "Perspektive Wiedereinstieg" wollen wir Frauen, die Chancen suchen, und Unternehmen, die Chancen bieten, zusammenbringen."
1. Beschäftigungspolitsches Modellprogramm
Das Modellprogramm soll praxisorientierte und effektive Formen des beruflichen Wiedereinstiegs entwickeln und ausprobieren. Dafür wurden 17 Modellprojekte ausgewählt, die die Frauen bei ihrem Weg mit Rat und Tat begleiten werden. Konzepte, die sich bewähren, sollen nach der Erprobungsphase von der BA übernommen und bundesweit angewendet werden.
2. Internetportal mit Lotsenfunktion
Das Internetportal www.perspektive-wiedereinstieg.de weist interessierten Frauen zielsicher den Weg durch die vielfältigen Beratungs- und Unterstützungsangebote von Bund, Ländern und Kommunen. Hier werden die häufigsten Fragen zum Wiedereinstieg beantwortet und Unterstützung für die verschiedenen Phasen des Wiedereinstiegsprozesses angeboten. Neben entsprechenden Informationen gibt es konkrete Hinweise auf Beratungsmöglichkeiten vor Ort beziehungsweise in der Region. Ermutigende Beispiele von Frauen, die den Wiedereinstieg bereits erfolgreich geschafft haben, gehören ebenfalls zum Angebot.
3. Service vor Ort
Auf lokaler Ebene werden Kommunen und bereits bestehende Verbände, Vereine und Initiativen, die den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen fördern, unterstützt. So fördert das Bundesfamilienministerium beispielsweise Infotage zum Thema beruflicher Wiedereinstieg bei den Infobörsen für Frauen. (www.infoboersen-fuer-frauen.de/wiedereinstieg)
Das Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" ist Kernelement einer modernen Gleichstellungspolitik und ein zentraler Baustein, um die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zu überwinden. Zusammen mit dem Elterngeld mit seinen Partnermonaten und dem Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige wird Frauen so die Möglichkeit gegeben, im Job wieder durchzustarten. Zugleich ergibt sich für die Familien die Chance zu begreifen, dass Zeit für Kinder zu einem gemeinsamen Thema von Männern und Frauen werden muss.
Ob und wie schnell Frauen nach einer Pause im Job wieder in den Beruf zurückkehren, hängt stark von ihrem zuletzt ausgeübten Beruf ab. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Ausschlaggebend für die Dauer der Unterbrechung sind danach in erster Linie die Arbeitsbedingungen und Anforderungen des Berufes, aber auch die Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Leichter fällt die Rückkehr vor allem jenen Frauen, die in Jobs arbeiten, in denen sie zeitlich flexibel ihre Arbeit erledigen können. Solche Arbeiten werden oft besser bezahlt und ermöglichen Frauen, die Kindererziehung mit dem Partner zu teilen.