Ausbau der Kinderbetreuung auf dem Vormarsch

Viele Familien kennen das aus eigener Erfahrung: Die erste Zeit bleibt ein Elternteil – meist die Mutter – zu Hause, um sich ganz den Sprösslingen zu widmen. Dann aber wollen oder müssen in vielen Familien beide Elternteile wieder arbeiten. Wohin mit dem Kind? Bislang fehlte es häufig an Betreuungsplätzen. Dies ändert sich gerade. Bund, Länder und Kommunen verständigten sich 2007 darauf, bis zum Jahr 2013 für 35 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze in Kitas oder in der Kindertagespflege zu schaffen. Nun liegen neueste Zahlen über den Stand des Ausbaus vor, und es geht voran!

Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Meinung, dass insbesondere die Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert: 

Familienmonitor 2008

Anzahl der Betreuungsplätze steigt

Der jüngste Bericht über den Ausbau der Kindertagespflege zeigt: Es gibt mehr Betreuungsangebote für unter Dreijährige als in den vergangenen Jahren, allerdings noch nicht genug. So wurden im März 2008 insgesamt 364.190 Kinder unter drei Jahren, knapp 18 Prozent, in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Im Vergleich zu 2007 ist das ein Zuwachs von 43.000 (2,3 Prozent). Damit wurden seit 2005 rund 153.000 zusätzliche Plätze für unter Dreijährige geschaffen.

In den westlichen Bundesländern wird jedes 8. Kind (12,2 Prozent) tagsüber außer Haus betreut. In den östlichen Bundesländern ist es knapp die Hälfte der unter Dreijährigen (42,4 Prozent).

Um die bundesweit bis 2013 angestrebte Quote von 35 Prozent zu erreichen, muss das Angebot in den westlichen Bundesländern aber noch deutlich steigen, um 23 Prozent.

Die neuesten Zahlen aus diesem Jahr zeigen allerdings: Die Länder rufen die vom Bund bereitgestellten Mittel zum Ausbau der Kinderbetreuung zügiger ab als noch 2008.

Obwohl es sich um eine Pflichtaufgabe der Kommunen handelt, beteiligt sich der Bund an den Ausbaukosten zu einem Drittel: Bis 2013 fließen insgesamt vier Milliarden Euro in den Ausbau der Kindertagesbetreuung: 2,15 Milliarden für Investitionen und 1,85 Milliarden für Betriebskosten. Ab 2014 beteiligt sich der Bund mit jährlich 700 Millionen Euro.

Tagesmütter erhalten bessere Qualifikation

Die Bundesregierung möchte ein vielfältiges Betreuungsangebot und setzt deshalb auch auf die Kindertagespflege. Ein Drittel der neuen Betreuungsplätze soll in diesem Bereich entstehen. Auch hier ist die Zahl der Kinder, die durch Tagesmütter oder Tagesväter betreut werden, bereits deutlich gestiegen (2006: 33.000 Kinder; 2008: 51.000 Kinder).

Laut Familienministerin Ursula von der Leyen stellt die Ausbildung der Tagesmütter bislang "die Achillesferse" der Tagesbetreuung dar, da die Anforderungen noch sehr unterschiedlich sind. Aus diesem Grund führen Bund und Länder gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Gütesiegel für die Ausbildungsträger von Tagesmüttern und Tagesvätern ein. Damit werden bundesweit einheitliche Standards bei der Qualifikation der Tagespflegekräfte garantiert. Ziel des "Aktionsprogramms Kindertagespflege" ist: Tagesmütter und -väter nach dem fachlich anerkannten 160-stündigen Curriculum des Deutschen Jugendinstitituts (DJI) oder vergleichbarer Lehrpläne zu qualifizieren.

Schritte zum Ausbau der Kindertagesbetreuung

In einem ersten Schritt trat am 1. Januar 2005 das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) in Kraft. Es verpflichtet die Kommunen, bis 2010 bundesweit 230.000 zusätzliche Plätze in der Kindertagesbetreuung vor allem in Westdeutschland zu schaffen, um den örtlichen Bedarf zu decken.

Bund, Länder und Kommunen haben 2007 in einem zweiten Schritt beschlossen, bis 2013 Betreuungsangebote für 35 Prozent der unter Dreijährigen bereitzustellen. Ferner einigten sie sich auf die Einführung eines Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr. Dieser gilt ab dem 1. August 2013.

Noch mehr Kinder als bisher erhalten somit ein Angebot auf frühe Förderung. Profitieren werden insbesondere Kinder, die eine Betreuung für ihre persönliche Entwicklung besonders brauchen. Zudem sollen nicht nur berufstätige Eltern einen gesicherten Betreuungsplatz bekommen, sondern auch schon diejenigen, die Arbeit suchen.

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