Arbeitsmarkt

Umweltschutz ist Jobmotor

Umweltschutz und die ökologische Herstellung von Produkten schaffen immer mehr Arbeitsplätze. Mehr als 1,8 Millionen Beschäftigte verdienen schon jetzt ihr Geld in den Ökobranchen – also rund jeder zwanzigste Arbeitnehmer. Das geht aus dem ersten Umweltwirtschaftsbericht des Bundesumweltministeriums hervor. Dieser soll helfen, die Diskussionen um das Verhältnis von Umwelt und Wirtschaft zu versachlichen.

"Angesichts der doppelten Herausforderung durch Wirtschafts- und Klimakrise brauchen wir gerade jetzt solide und klare Entscheidungsgrundlagen für eine ökologische Industriepolitik", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich der Vorlage des Berichts. Trotz Finanzkrise sprechen Fachleute dem grünen Wirtschaftsbereich weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial zu.

Mitarbeiterwachstum von jährlich 13 Prozent

Allein in den Jahren zwischen 2004 und 2006 sind in Deutschland 300.000 neue Jobs im Umweltschutz entstanden, so die Autoren des Berichts. Seit 2007 rechnen die Unternehmen damit, dass die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jährlich um 13 Prozent wächst. Positive Impulse für den Arbeitsmarkt gingen vor allem von drei Faktoren aus:

•        dem dynamischen Wachstum der erneuerbaren Energien,

•        dem steigenden Export von Umweltschutzgütern und

•        Beschäftigungszuwächsen bei den umweltorientierten Dienstleistungen.

Die Studie bescheinigt diesen Branchen auch künftig eine wichtige Rolle als "Jobmotoren" für den deutschen Arbeitsmarkt. Die klassischen Umweltschutzbereiche wie die Abfallentsorgung, der Gewässerschutz oder die Luftreinhaltung hingegen würden anteilsmäßig an Bedeutung verlieren.

Umsatzpotenzial von zwei Billionen Euro

Weltweit wird der Umsatz der Umweltindustrien, so die Schätzungen, bis zum Jahr 2020 auf 2,2 Billionen Euro steigen. Ursachen sind langfristige Megatrends wie Klimaerwärmung, Ressourcenverknappung und Bevölkerungszunahme. "Die Märkte der Zukunft sind grün", konstatiert Umweltminister Gabriel. Von dem dynamischen Wachstum der grünen Zukunftsmärkte werden vor allem auch deutsche Unternehmen profitieren, denn sie sind im internationalen Vergleich führend beim Handel mit Umweltschutzgütern. Die Stärken liegen aktuell vor allem im Bereich der nachhaltigen Energiewirtschaft und bei der Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Hier halten deutsche Unternehmen mehr als ein Viertel der Weltmarktanteile.

Mit einem Gesamtanteil von über 16 Prozent am Welthandel konnte Deutschland seinen Vorsprung zuletzt weiter ausbauen. Inzwischen dient jedes zwanzigste deutsche Industrieprodukt in irgendeiner Form dem Umweltschutz - Tendenz steigend. Allein zwischen 2005 und 2007 wuchs die inländische Produktion um 27 Prozent. Vier von zehn deutschen Firmen konnten ihre Umsätze von 2004 bis 2006 um jährlich mehr als zehn Prozent steigern.

Starthelfer Klimaschutzpolitik der Bundesregierung

Neben dem Export profitiert die Branche laut Studie auch enorm von den intensiven Klimaschutzbemühungen der Bundesregierung. Jährlich werden nach Expertenberechnungen rund 30 Milliarden Euro in umweltfreundliche Technologien investiert, um das deutsche Klimaschutzziel zu erreichen.

Bis 2030 wird daher in der deutschen Umweltschutzbranche mit 800.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet. Vor allem im Bereich der so genannten umweltorientierten Dienstleistung ist die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen. Mehr als 1,1 Millionen Menschen arbeiten laut Statistik mittlerweile beispielsweise als Energieberater, Handwerker, Beschäftigte in Bio-Supermärkten oder Ökobauern.

"Bio sichert Arbeitsplätze", bekräftigt auch Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Insbesondere im ländlichen Raum gehöre die Branche zu denjenigen Wirtschaftszweigen, die dem Arbeitsmarkt positive Impulse geben könnten, so Aigner bei der Eröffnung der weltweit größten Ökomesse Bio-Fach 2009 in Nürnberg.

Fachkräftemangel im Blick

Die Aussichten für die boomenden "green jobs" in Deutschland sind also auch langfristig vielversprechend. Allerdings nur, wenn der Wachstumsbranche nicht der Nachwuchs ausgeht.

Der Großteil der Produktionsbereiche in der Umweltbranche ist besonders forschungs- und wissensintensiv. Die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten sind entsprechend hoch. Der Akademikeranteil im Bereich der grünen Technologien liegt mit 30 Prozent ganze zehn Prozentpunkte über dem Durchschnitt in anderen Wirtschaftszweigen.

Mit Sorge blicken die meist hoch spezialisierten Betriebe deshalb auf den demografischen Wandel und das schwindende Interesse unter jungen Menschen an den Ingenieurwissenschaften. Um die Wachstumschancen im Umweltbereich nicht zu gefährden, investieren Unternehmen und Branchenverbänden mittlerweile verstärkt in die Ausbildungsförderung. So sollen beispielsweise durch die 2006 gegründete Initiative "Umwelt schafft Perspektiven" bis Ende des Jahres 2009 über 6.000 zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden.

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