Wer in den letzten Wochen die vielen Artikel über den Gesundheitsfonds und seine Milliarden Euro las, hat sich vielleicht etwas ganz anderes vorgestellt: einen gigantischen Verwaltungskomplex etwa, mit viel Bürokratie. Die Wirklichkeit sieht anders aus: In einem kleinen, eher unauffälligem Bürogebäude auf dem Weg von Bonn nach Bad Godesberg, verwalten 21 Frauen und Männer den milliardenschweren Gesundheitsfonds. Sie sind beim Bundesversicherungsamt (BVA) beschäftigt. Für die Fonds-Experten des Bundesversicherungsamts, kurz BVA genannt, reicht eine Büroetage.
Das BVA sorgt dafür, dass der Gesundheitsfonds reibungslos funktioniert. Man kann sich den Fonds etwa als ein Gemeinschaftskonto der gesetzlichen Krankenversicherung bei der Bundesbank mit einer eigenen Kontonummer vorstellen. Darauf überweisen die Kassen die Beiträge ihrer Versicherten. Von einem Rechner werden dann per Knopfdruck dreistellige Milliardenbeträge an die über 200 Krankenkassen überwiesen. Das funktioniert wie Online-Banking. Allerdings mit doppelter Sicherung – denn zwei Kollegen müssen die Überweisungen ausführen.
Welche Kasse wie viel bekommt, ist durch einen gesetzlich festgelegten Verteilungsschlüssel geregelt. Pro Versichertem gibt es eine Grundpauschale, darüber hinaus eine besondere Zuweisung, die Alter, bestimmte Krankheiten und Geschlecht des Versicherten berücksichtigt. Hierbei handelt es sich um den so genannten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich ("Morbi-RSA").
Viel Verantwortung für wenig Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, denn sie gehen mit sehr viel Geld um. Für die 21 Beschäftigendes BVA ist das aber kein Problem. Sie haben sich an die Vorstellung gewöhnt, im nächsten Jahr mit so viel Geld umzugehen. Und sie kennen sich gut aus mit Ausgleichszahlungen und Geldströmen zwischen den Krankenkassen. Das BVA organisiert bereits seit 1994 den bestehenden Risikostrukturausgleich. Bei dem neuen, modernisierten Risikostrukturausgleich liegt das Geld der Versicherten also in erfahrenen Händen.