Die Bundeskanzlerin machte kürzlich auf ihrer Bildungsreise Station bei der Norddeutschen Affinerie in Hamburg. Sie verschaffte sich ein eigenes Bild von der hohen Qualität der Ausbildung. Merkel sichtbar erfreut: "Die duale Berufsausbildung ist etwas, worauf unser Land stolz sein kann." Hier zeige sich der Erfolg der deutschen Berufsausbildung mit dem Mix aus betrieblicher Praxis und Unterricht an einer Berufsschule.
Etwa 60 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland qualifizieren sich im dualen System der Berufsausbildung. Dual deshalb, weil die Berufsausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule stattfindet. Die Ausbildung erfolgt auf der Basis von gegenwärtig rund 350 Ausbildungsordnungen für staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Weltweit wird Deutschland um dieses praxisnahe Modell der Ausbildung junger Menschen beneidet. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im europäischen Vergleich in Deutschland besonders gering.
Europas größter Kupferproduzent, die Norddeutschen Affinerie, ist ein vorbildlicher Ausbildungsbetrieb. Das Unternehmen bildet junge Menschen in verschiedenen Handwerks-, Produktions- und kaufmännischen Berufen aus. Vorbildlich ist der Betrieb aber auch, wenn es darum geht, Jugendlichen ohne die nötige Bildungsreife Chancen zu geben. Bei dem Programm "9plus" können sich Schülerinnen und Schüler im Unternehmen weiterbilden, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben. Modelle dieser Art müssen Schule machen.
Nach ihrem Besuch einer betrieblichen Ausbildungseinrichtung informierte die Kanzlerin sich in Kreuzberg über die überbetrieblichen Ausbildung . Sie besuchte das BildungsWerk (BWK). Diese überbetriebliche Ausbildungseinrichtung bildet in 13 verschiedenen Ausbildungsberufen aus.
Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen übernehmen meist die Ausbildung für kleinere und mittlere Betriebe, die nicht selbst alle geforderten Ausbildungsinhalte vermitteln können. Sie sind neben betrieblichen Ausbildungseinrichtungen wichtige Träger der beruflichen Bildung.
Das BWK verstehe sich als "Dienstleister in allen Fragen der Aus- und Weiterbildung", sagte Geschäftsführer Nihat Sorgec. Hier wird insbesonders sozial benachteiligten Jugendlichen in der Berufsvorbereitung und -ausbildung das nötige Wissen für den Einstieg ins Berufsleben vermittelt. Auch viele Jugendliche mit Migrationshintergrund bekommen hier neue Chancen. Die Auszubildenden erwerben in der Einrichtung wie im Betrieb praktische und theoretische Kenntnisse, die sie in der Berufsschule erweitern. In Praktika können sie das Gelernte anwenden.
Auszubildende der Ausbildungswerkstatt Floristik überraschten Merkel mit einem frisch gebundenen Blumengesteck. "Wunderschön", freute sich die Kanzlerin. "Arbeiten Sie auch in einem richtigen Laden?", wollte sie wissen. Die jungen Frauen erzählten, dass zur Ausbildung jeweils Praktika gehören. So können sie also auch praktisch anwenden, was sie im BWK gelernt haben.
Im Textilbereich lernen viele jüngere Frauen, die bereits kleine Kinder haben. Häufig sind sie alleinerziehend. Sie berichteten der Kanzlerin, wie sie Beruf und Familie meistern. "Hier wird gute Arbeit geleistet", sagte die Kanzlerin nach ihrem Rundgang durch mehrere Abteilungen des Hauses und vielen Gesprächen.
Dass lebenslanges Lernen Spaß machen kann, davon überzeugte sich die Bundeskanzlerin bei einem Besuch der BASF AG. Dort wird sich in den nächsten 12 Jahren der Anteil der über 50-Jährigen von 22 auf 57 Prozent erhöhen. Lernen trägt "Früchte" und "Lernen mit allen Sinnen" – so die Slogans des BASF-Zentrums. Sie zeigen, dass sich die Gestalterinnen und Gestalter des Lernzentrums viele Gedanken über den Lernprozess gemacht haben.
Das Lernzentrum fördert das individuelle Selbstlernen der Mitarbeiter und Auszubildenden von BASF. Mehr als 43.000 Lernende haben das Lernzentrum im vergangenen Jahr benutzt. Sie werden durch Lernberater unterstützt, die gemeinsam mit dem Lernenden seinen Lerntyp und sein Lernziel ermitteln. Wichtig hierbei ist: Der Lernende bestimmt selbst, was und wie er lernt. Damit bestimmt jeder selbst über seine Weiterentwicklung. Die Lernberater greifen nur in den Lernprozess ein, wenn ihr Rat gefragt ist.
Sehr viel Wert wurde auf die Ausgestaltung der Lernumgebung gelegt. Die Möglichkeiten reichen vom "bewegten Lernen" bis zu einer Klangmuschel oder Felsenoase. "Ein solches Beispiel könnte und sollte Schule machen“, sagte Merkel. Denn es zeige, dass die Beschäftigten sehr interessiert daran seien, sich weiterzubilden.
In Deutschland gibt es viele gute Beispiele von Bildungseinrichtungen, engagierten Pädagoginnen und Pädagogen, Erzieherinnen und Erziehern, Ausbilderinnen und Ausbildern und Eltern. Hier setzen Bund und Ländern in ihren gemeinsamen Bemühungen um die Verbesserung der Bildungsangebote bundesweit an. Das ist das Fazit der Bildungsreise der Bundeskanzlerin.
Es zeigt auch, dass Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht aufgeben dürfen. Die Bundesregierung engagiert sich durch den mit der Wirtschaft geschlossenen Ausbildungspakt. Darin haben sich die Einstiegsqualifizierungen als besonders erfolgreich erwiesen. 70 Prozent der jungen Menschen fanden im Anschluss einen Ausbildungsplatz.
Mit dem Programm "Ausbildung und Arbeit" will sie 100.000 jungen Menschen, die bislang erfolglos auf dem Ausbildungsmarkt waren, zu einem Ausbildungsplatz verhelfen. Mit einem Ausbildungsbonus von einmalig 4000 bis 6000 Euro werden Unternehmen unterstützt, wenn sie förderungsbedürftige Ausbildungssuchende einstellen.
Berufsberatung
An der Schwelle zwischen Schule und Arbeitsleben stellen sich viele Fragen: Wo liegen meine Interessen, meine Stärken und Schwächen? Welchen Beruf will ich erlernen? Welche Voraussetzungen muss ich dafür mitbringen? Und: Was erwartet mich im Beruf? Die Antworten auf diese Fragen hängen von einer Fülle von Faktoren ab. Dazu gehören individuelle Besonderheiten genauso wie die regionale Lage am Wohn- oder Beschäftigungsort. Informationen über das regionale Angebot an Ausbildungsplätzen erteilen die örtlichen Arbeitsagenturen. Dort sitzt auch der Berater, der für die Berufsberatung zuständig ist. Wer noch nicht sofort zum Berufsberater der örtlichen Arbeitsagenturen gehen will, kann unter diesen Internet-Adressen schon eine ganze Menge an Informationen erhalten:
www.berufswahl.de
www.arbeitsagentur.de