Paten helfen, Berufschancen von jungen Migrantinnen und Migranten zu steigern

Bildungspatenschaften sollen Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien künftig stärker unterstützen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung will dazu bestehende Initiativen vernetzen und fördern – mit dem "Patenschaftsatlas".

Stefan Schlede geht immer noch gerne in die Schule. Der pensionierte Schuldirektor engagiert sich als Lesepate an der Kurt-Löwenstein-Hauptschule in Berlin-Neukölln. Diese besuchen fast ausschließlich Jugendliche aus Zuwandererfamilien. Viele von ihnen haben Probleme mit der deutschen Sprache.

Schwächen beheben – Talente fördern

Schlede liest einmal pro Woche mit einer kleinen Gruppe von Schülerinnen und Schülern Texte mit Bezug zum Unterrichtsstoff. "Es geht nicht nur darum, besser lesen oder Bewerbungen schreiben zu können, sondern sich auch ganz allgemein besser auszudrücken", erklärt er.

Er war selbst jahrelang Direktor an einer Hauptschule und erkennt daher schnell, wo die Jugendlichen Nachholbedarf haben. Inzwischen koordiniert er im "Bürgernetzwerk Bildung" des "Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller" die Lesepatenschaften an 15 Hauptschulen.

Seit drei Jahren ist er als Lesepate tätig und entdeckt bei seinen Patenkindern immer wieder ganz individuelle Talente, die er auch fördern möchte. Die Jugendlichen wissen es zu schätzen, dass sich Schlede Zeit für sie nimmt.

Paten dringend gesucht!

Das Bürgernetzwerk Bildung arbeitet auch mit Grundschulen, Sonderschulen und Kitas in Berlin zusammen. Inzwischen konnten 1.841 Lesepatinnen und -paten gewonnen werden. Doch der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt. Besonders benötigt werden männliche Paten sowie Bürgerinnen und Bürger mit Zuwanderungshintergrund.

Hier setzt die im Mai gestartete "Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern" der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, an. Bundesweit sollen bereits bestehende Projekte für Bildungspatenschaften wie die des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller vernetzt und der Erfahrungsaustausch verbessert werden.

Bildungspatenschaften sind Beitrag zur Integration

"Bildungspatenschaften sind ein enorm wichtiger und ergänzender Beitrag für die Integration, die so intensiv und individualisiert kein Kindergarten und keine Schule leisten kann", sagt Böhmer. Paten könnten auf die Kinder und Jugendlichen eingehen und Vorbilder und Begleiter auf dem Weg in den Beruf sein.

Deshalb seien diese engagierten Bürgerinnen und Bürger so wichtig für die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen. "Mit der 'Aktion zusammen wachsen’ möchte ich erreichen, dass das ehrenamtliche Engagement gestärkt wird und weitere Patenschaftsprojekte entstehen", so die Integrationsbeauftragte.

Eine bundesweite Servicestelle in Berlin organisiert Fachveranstaltungen und Kongresse, entwickelt mit Experten Qualifizierungsmodelle und wirbt für bürgerschaftliches Engagement in diesem Bereich. Böhmer: "Damit ergänzen wir die Bildungspatenlandschaft ganz gezielt dort, wo das bürgerschaftliche Engagement aus eigener Kraft nicht weiterkommt."

Die "Aktion zusammen wachsen" konzentriert sich auf drei Aktionsfelder:

  • Patenschaftsprojekte für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter,
  • Patenschaftsprojekte für Jugendliche im Übergang von der Schule in die Berufsausbildung,
  • Mentoringprogramme für Betriebsinhaberinnen und -inhaber ausländischer Herkunft, die für den Ersteinstieg in die duale Berufsausbildung gewonnen werden sollen. 

Patenatlas dient Orientierung
Dass Patenschaftsprojekte eine professionelle Unterstützung brauchen, um erfolgreich und nachhaltig arbeiten zu können, zeigt auch der im Juli 2008 veröffentlichte "Patenatlas". Das Institut INBAS Sozialforschung aus Frankfurt am Main hat, initiiert von der Deutschen Bank Stiftung, bundesweit Patenschaftsprojekte für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien ermittelt. Sie sind Basis für eine Projektdatenbank, die Interessierten als Orientierungshilfe bei der Suche nach einem Patenschaftsprojekt in ihrer Nähe hilft. Die Experten schlossen aus der Befragung einzelner Projekte, dass sie besonders dann gut funktionieren, wenn sie mit Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ausbildungsbetrieben vernetzt sind. Die hauptamtliche Koordination ist außerdem wichtig, um Patinnen und Paten zu gewinnen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Mehr Infos unter www.aktion-zusammen-wachsen.de 

Bildungschancen von Zuwandererkindern verbessern

Wie notwendig die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Im Jahr 2005 verließen 17 Prozent der ausländischen Jugendlichen das allgemeinbildende Schulsystem ohne Abschluss. Damit schieden in diesem Jahrgang fast 15.000 mit sehr schlechten beruflichen Zukunftschancen aus der Schule aus. Die Mehrzahl der Absolventinnen und Absolventen erreicht nur den Hauptschulabschluss.

Das unterscheidet sie auch von den Schülerinnen und Schülern mit deutscher Herkunft. Denn rund 70 Prozent der deutschen Jugendlichen erzielen einen mittleren oder höheren Abschluss, aber nur gut 40 Prozent der ausländischen. Jeder vierte deutsche Schulentlassene schließt die allgemeinbildende Schule mit dem Abitur ab; bei den ausländischen Jugendlichen ist es nicht einmal jeder Zehnte.

Auch bei der Suche nach einer Lehrstelle tun sie sich schwerer. Die Ausbildungsbeteiligung von ausländischen Jugendlichen sank seit Mitte der 90-er Jahre von 34 auf 23 Prozent (bei Deutschen von 65 auf 57 Prozent).

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