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Nr. Sonderausgabe 016    10/2009
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Gorbatschow in Bonn

Präsident Gorbatschow in Bonn als Hoffnungsträger gefeiert

 
Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (3.v.l.) und seine Frau Raissa Gorbatschowa (rechts neben ihm) werden von Oberbürgermeister Hans Daniels (3.v.r.) im Rathaus der Stadt Bonn empfangen Foto: REGIERUNGonline/Schambeck Vergrößerung Gorbatschow besucht erstmalig die Bundesrepublik Deutschland"Gorbi, Gorbi", rufen Tausende auf dem Bonner Rathausplatz, als der sowjetische Staats-und Parteichef dort am 12. Juni 1989 eintrifft. Der Höhepunkt seines Deutschlandbesuches. Am nächsten Tag in Stuttgart säumen 50.000 Menschen die Straßen. Gorbatschow wird gefeiert wie ein Popstar. Hoch sind die Erwartungen an die Veränderungen, die die Menschen mit dem Erfinder von Perestroika und Glasnost verbinden.
 

Vom Kalten Krieg zum "Europäischen Haus"

 
Gorbatschow führt in Bonn mehrere Gespräche mit Bundeskanzler Kohl und trifft mit Bundespräsident v. Weizäcker zusammen. Deutlich ist in allen Begegnungen, dass der Kalte Krieg zu Ende ist. Russland und Deutschland wollen den Weg zu einem Neuanfang in ihren Beziehungen und zur Gestaltung Europas finden. Der Begriff des "Europäischen Hauses" umschreibt den Wunsch, die Trennung des Kontinents zu überwinden. Er findet sich in den Reden sowohl des Bundespräsident wie auch des sowjetischen Generalsekretärs und bleibt als zentraler Punkt aus den Gesprächen in Erinnerung.
v.l.: Hans-Dietrich Genscher, Bundesminister des Auswärtigen, Bundeskanzler Helmut Kohl, der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow und Bundespräsident Richard von Weizsäcker treffen zu einem Gespräch in der Villa Hammerschmidt zusammen.Foto: REGIERUNGonline/Schaack Vergrößerung Der Kalte Krieg ist zu Ende
 
 

Neues Denken mit weitreichenden Konsequenzen

 
Am 13. Juni 1989 unterzeichnen Kohl und Gorbatschow die so genannte "Gemeinsame Erklärung": ein umfassendes und zukunftsgerichtetes Dokument zur Zusammenarbeit, das bereits im ersten Absatz neues politisches Denken fordert. Von zentraler Bedeutung ist die Aussage, dass jeder das Recht hat, das eigene politische und soziale System zu wählen. Genauso wichtig: Die Staaten sollen ihr Verhältnis zueinander auf der Grundlage des Völkerrechts souverän gestalten können. Die Sowjetunion sagt damit zu, künftig keinem Staat mehr ihre Vorstellungen aufzuzwingen. Sie gibt damit die sogenannte Breschnew-Doktrin auf. Ein paar Wochen später verkündet sie das noch einmal ausdrücklich.
 
Überraschend konkret sind auch die Formulierungen zur Verwirklichung der Menschenrechte und zur der Förderung des Austausches von Menschen und Ideen. Die "Gemeinsame Erklärung" spricht unter anderem von einer wohlwollenden Behandlung humanitärer Fragen einschließlich der Familienzusammenführung und der Reisen in das Ausland. Diese Formulierungen sind zwar nicht auf DDR-Bürger anwendbar. Sie bestärken die Menschen im östlichen Teil Deutschlands aber, auch gegenüber ihrer Regierung mehr Freizügigkeit einzufordern. 
 
Bundeskanzler Helmut Kohl (r.) und der sowjetische Staats- und Parteichef, Michail Gorbatschow (l.) tauschen nach der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung die Urkunden aus.Foto: REGIERUNGonline/Reineke Vergrößerung Der Weg zum Neufang ist besiegelt
Der Gorbatschow-Besuch stellt eine Wende in den deutsch-russischen Beziehungen dar. Vor allem begründen die Gespräche, die der Bundeskanzler mit seinem sowjetischen Gast führt, ein Vertrauensverhältnis, auf das Kohl während der weiteren Entwicklung hin zur deutschen Einheit aufbauen kann.
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