Seit 20 Jahren sind Mauer, Stacheldraht und Todesstreifen Geschichte. Eine Generation wächst heran, die – zum Glück – ohne Eisernen Vorhang quer durch Europa aufwächst. Wichtig ist und bleibt das Erinnern, die Mahnung und die Botschaft, dass Frieden und Freiheit nicht hoch genug zu schätzen und ständig zu bewahren sind.
Die Erinnerung an die Geschichte der deutschen Teilung wach halten und der Opfer von Mauerbau und Teilung zu gedenken - das ist das Ziel zahlreicher Stiftungen, Organisationen, Vereine und vor allem Gedenkstätten. Manche versuchen die Geschichte der DDR durch Information und Forschung für die Nachwelt zu bewahren, andere setzen sich für eine Rehabilitation und Entschädigung der Opfer politischer Verfolgung ein. Sie finden sich nicht nur in Berlin, nicht nur entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, sondern auch an vielen anderen Orten in Deutschland. Einige Beispiele:
Gedenkstätten
Stiftung Berliner Mauer
Ein langjähriges bürgerschaftliches Engagements trägt die Gedenkstätte Berliner Mauer und die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Beide Einrichtungen sind seit September 2008 unter dem Dach der von Bund und Land getragenen Stiftung Berliner Mauer vereint. Die Stiftung dokumentiert sorgfältig die Geschichte der Berliner Mauer und der Fluchtbewegungen aus der DDR. Der elementare Zusammenhang zur deutschen Teilung sowie zum Ost-West-Konflikt im 20. Jahrhundert wird eindrucksvoll vermittelt. Es geht darum, authentische Spuren zu bewahren und ein würdiges Gedenken der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft zu ermöglichen.
Beide Orte sind bei aller Unterschiedlichkeit Erinnerungsorte von gesamtstaatlicher Bedeutung und spiegeln wesentliche Aspekte und Folgen der deutschen Teilungsgeschichte wider. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde die Bernauer Straße zu einem Symbol der Teilung Berlins. Diese Straße ist bis heute die Straße mit einer großen Ereignisdichte: Familien, Freunde und Nachbarn wurden gewaltsam auseinandergerissen. Hier fanden spektakuläre (Tunnel-)Fluchten statt. Mindestens fünf Menschen starben hier auf der Flucht.
Wenig Verständnis gab es nach der Grenzöffnung für Forderungen, Reste der Mauer als Mahnmal zu erhalten. Am 13. August 1998 konnte dennoch nach langen Diskussionen das nationale Denkmal zur Erinnerung an die Teilung der Stadt und an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft eingeweiht werden. Später kamen das Dokumentationszentrum mit der Ausstellung zum Mauerbau, die Kapelle der Versöhnung und der Aussichtsturm hinzu.
Das aus zahlreichen Gebäuden bestehende Notaufnahmelager Marienfelde wurde 1953 eröffnet. Bis zum Ende der DDR passierten 1,35 Millionen Menschen dieses schmale Tor zur Freiheit. Hier wurden sie untergebracht und versorgt; hier durchliefen sie auch das notwendige Verfahren, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik und West-Berlin zu erhalten. Heute erinnert am authentischen Ort eine Ausstellung an Ursachen, Verlauf und Folgen der deutsch-deutschen Fluchtbewegung.
Der Deutsche Bundestag forderte 2005, die Gedenkstätte Bernauer Straße aufzuwerten. Dies setzte der der Berliner Senat mit seinem Gesamtkonzept zur Erinnerung an die Berliner Mauer 2006 um. Mit einem umfangreichen Programm und in über 70 Veranstaltungen trägt die Stiftung in diesem Jubiläumsjahr 2009 dazu bei, die Erinnerung an die Geschichte der Mauer, an die Teilung und die Opfer, die sie forderte, wachzuhalten.
Aufklärung über das Ministerium für Staatssicherheit
Durch das Engagement zahlreicher Bürgerrechtler und ehemaliger DDR-Oppositioneller wurden Strafvollzugsanstalten für politische Häftlinge und das ehemalige Ministeriums für Staatssicherheit nach 1989/90 in Gedenkstätten umgewandelt.
Auch in ehemaligen Kreis- und Bezirksverwaltungen der Stasi wird heute über Geschichte, Struktur und Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit aufgeklärt. Zu ihnen zählen beispielsweise das Museum in der "Runden Ecke" in Leipzig, die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle/ Saale, die Gedenkstätte Torhaus Gera oder die Gedenkstätte Bautzen. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten stellt darüber hinaus auf ihrem Onlineportal Informationen über Erinnerungsorte im Land Sachsen zur Verfügung.
Gedenkstätten in ehemaligen Gefängnissen und Haftorten
Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Ab 1945 war Hohenschönhausen Speziallager der sowjetischen Besatzungsmacht, ab 1951 zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR, in der Oppositionelle, Kritiker und Fluchtwillige einsaßen. Ehemalige Häftlinge setzten sich Anfang der 1990er Jahre dafür ein, am Ort der Haftanstalt eine Gedenkstätte zu schaffen. 1992 wurde das Gefängnisareal daraufhin unter Denkmalschutz gestellt. 1994 wurde es erstmals für Besucher zugänglich gemacht. Es wird vom Bund institutionell gefördert.
Gedenkstätte Bautzen
Im Jahr 1956 richtete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in Bautzen eine Sonderhaftanstalt ein. Bautzen "II" wurde zu einem Hochsicherheitstrakt mit 200 Haftplätzen für Sondergefangene wie Regimekritiker, Gefangene aus Westdeutschland und Spione ausgebaut. Der Name der sächsischen Kleinstadt Bautzen steht im öffentlichen Bewusstsein wie kein anderer für Unrecht und politische Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und in der DDR.
Im Gebäude des ehemaligen "Stasi-Knastes" Bautzen II befindet sich heute die Gedenkstätte Bautzen. Sie wird vom Bund gefördert. Hier wird an die Opfer der beiden Bautzener Gefängnisse erinnert.
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, Potsdam
Die Gedenk- und Begegnungsstätte wird als Stiftung in treuhänderischer Verwaltung der Stiftung Brandenburgischen Gedenkstätten (Treuhänder), anteilig institutionell vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Sie dokumentiert als einzig authentisch erhaltener Haftort das brutale Regime des sowjetischen Militär-Geheimdienstes in der Sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR umfassend.
Gedenkorte entlang der innerdeutschen Grenze
Marienborn
Die "Gedenkstätte Deutsche Teilung" umfasst den Kernbereich der ehemaligen Grenzübergangsstelle an der Autobahn Berlin-Hannover. Dort, am ehemaligen alliierten Kontrollpunkt Marienborn, verlief die Demarkationslinie zwischen der sowjetischen und der britischen Besatzungszone.
Der ehemalige Grenzübergang Marienborn ist heute Gedenkstätte, das einzige Denkmal seiner Art, das in dieser Form noch existiert. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 entwickelte sich die Grenzübergangsstelle Marienborn zur bedeutendsten Grenzübergangsstelle an der innerdeutschen Grenze. Ein weit ins Hinterland reichendes Überwachungssystem verhinderte Fluchtversuche aus der DDR.
Seit ihrer Eröffnung am 13. August 1996 ist die – vom Bund geförderte – Gedenkstätte vom einstigen Bollwerk des Grenzregimes und der Trennung zu einem Ort des Erinnerns sowie zum Ort der Forschung und der historisch-politischen Bildung geworden. Ziel ist die Aufarbeitung des SED-Unrechts am Beispiel des Grenzregimes der DDR.
Besucher können sich das Gelände selbst erschließen oder an einer Führung teilnehmen. Ein Dokumentationszentrum informiert über die Geschichte der Grenzübergangsstelle.
Foto: REGIERUNGonline/Weichert
Gedenkstätte Marienborn
Der ehemaliger Grenzübergang Marienborn ist heute Gedenkstätte. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 entwickelte sich die Grenzübergangsstelle Marienborn zum wichtigsten Nadelöhr zwischen Ost und West. Ende der 1960er Jahre erstreckten sich die Kontrollanlagen auf über einen Kilometer Länge.
Point Alpha
"Point Alpha", eine Gedenkstätte bei Geisa in Thüringen, war von 1948 bis 1989 eine der wichtigsten Beobachtungsstationen der US-Streitkräfte in Europa. Der Stützpunkt lag dort, wo man im Ernstfall die Invasion des Warschauer Paktes befürchtete. Heute saniert ein Verein die Anlage und pflegt das Gesamtgelände auf hessischer und thüringischer Seite.
Zweck der Point Alpha- Stiftung ist es, den ehemaligen Militärstützpunkt als bundesweit einmaligen Lernort der Geschichte zu bewahren, zu pflegen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie will das Zeitalter des Kalten Krieges, die Konfrontation der Machtblöcke und die Rolle der amerikanischen Streitkräfte zur Friedenswahrung ebenso dokumentieren und erforschen wie das Grenzregime der DDR, die historische Entwicklung der Grenzanlagen und das Leben der Grenzbevölkerung unter den besonderen Bedingungen der verschärften Überwachung und Kontrolle durch das DDR-Regime. Die Stiftung wird projektbezogen vom Bund gefördert.
Foto: Sebastian Bolesch
Gedenkstätte 'Point Alpha'
"Point Alpha" galt als der "heißeste Punkt im Kalten Krieg". Von 1948 bis 1989 war er eine der wichtigsten Beobachtungsstationen der US-Streitkräfte in Europa. Amerikanische und sowjetische Soldaten standen sich hier Auge in Auge gegenüber. Der Stützpunkt lag dort, wo man im Ernstfall die Invasion des Warschauer Paktes befürchten musste. Ein Verein saniert Schritt für Schritt die Anlage und pflegt das Gesamtgelände auf hessischer sowie auf thüringischer Seite.
Hötensleben
Am Ortsrand von Hötensleben, Sachsen-Anhalt, sind die Original-Grenzanlagen auf einer Länge von einem Kilometer zu sehen. Der ehemalige Kolonnenweg, Teil des Todesstreifens, gehört heute zum "Grünen Band" und ist damit ein Naturparadies entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Foto: Sebastian Bolesch
Gedenkstätte Hötensleben
Am Ortsrand von Hötensleben (Sachsen-Anhalt), der nur 100 Meter von der ehemaligen DDR-Grenze entfernt war, sind auf einer Länge von einem Kilometer noch die Original-Grenzanlagen zu sehen. Damit ist das Grenzdenkmal in Hötensleben das besterhaltene Zeugnis der innerdeutschen Grenzbefestigung.
Mödlareuth
Überreste der Teilung, wie Beobachtungstürme, DDR-Grenzsäulen, Metallgitter und Grenzsteine sind auch in Mödlareuth an der thüringischen-bayerischen Grenze erhalten. Da die Grenze mitten durch Mödlareuth verlief, wurde der Ort "Klein-Berlin" genannt. Der "Zweckverband Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth", der vom Bund gefördert wird, kümmert sich um die Erhaltung der örtlichen Bauwerke der ehemaligen Grenzsperranlagen, die Rekonstruktion und Aufstellung typischer Sperranlagen und die Darstellung der Geschichte der deutschen Teilung in ihrer Gesamtheit mit politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekten.
Foto: Sebastian Bolesch
"Klein Berlin"
"Klein-Berlin" an der thüringisch-bayerischen Grenze: Mitten durch den Ort Mödlareuth verlief 40 Jahre lang der Eiserne Vorhang. Überreste der Sperranlagen sind erhalten: ein Stück Betonmauer, Beobachtungstürme, DDR-Grenzsäulen, Metallgitterzäune und Grenzsteine.
Grenzlandmuseum Eichsfeld
Das – vom Bund geförderte – Grenzlandmuseum Eichsfeld befindet sich am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis an der heutigen Landesgrenze zwischen Thüringen und Niedersachsen. Das im November 1995 eröffnete Museum will über die Geschichte der innerdeutschen Grenze und ihre Auswirkungen auf das Leben der Menschen und die Natur im Grenzgebiet informieren und die Erinnerung daran gleichsam als Mahnung für die Zukunft wach halten. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Region Eichsfeld, deren Bevölkerung von der Teilung besonders hart betroffen war. Original erhaltene Kontrollschleusen für Busreisende geben einen Einblick in den Kontrollablauf am Grenzübergang.
Weitere Gedenkstätten
Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg
Die Gedenkstätte an der Magdeburger Umfahrungsstraße erinnert an die Opfer der politischen Gewaltherrschaft von 1945 bis 1989. Sie soll dazu beitragen, ein würdiges Gedenken an die Opfer politischer Gewalt zu bewahren und durch Forschung und historisch-politische Bildung die Erinnerung an die Diktatur in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wach zu halten.
Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" mit dem Museum im Stasi-Bunker, Leipzig
Das Bürgerkomitee Leipzig e.V. entstand unmittelbar aus der Friedlichen Revolution 1989 und ist heute Träger der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" mit dem Museum im Stasi-Bunker. Es betreibt damit eine einmalige Gedenkstättenkombination an authentischen Orten.
Wichtigste Aufgabe des Bürgerkomitees ist es, in seiner Gedenkstätte und durch seine politische Bildungsarbeit die Erinnerung an die Diktatur wach zu halten. Es will einerseits den Wert von Freiheit und Selbstbestimmung deutlich machen und andererseits den Blick für die Gefahren eines totalitären Regimes schärfen.
Potsdam, Glienicker Brücke
Wegen ihrer abgeschirmten Lage wurde die Grenzübergangsstelle auf der Brücke an drei Tagen der Jahre 1962, 1985 und 1986 für spektakuläre Austauschaktionen internationaler Agenten aus Ost und West genutzt. Die Glienicker Brücke wurde nach dem Fall der Mauer 1989 zum Symbol der Deutschen Einheit.
Nikolaikirche Leipzig
Die Leipziger Friedensgebete machten die Kirche 1989 weltweit bekannt. Die Gebete fanden seit 1982 ununterbrochen statt. Bis heute setzt die Gemeinde alles daran, die Nikolaikirche als jenen geistigen Freiraum zu erhalten, aus dem heraus 1989 die Friedliche Revolution entstehen konnte.
East Side Gallery
Im geteilten Berlin war die Westseite der Mauer beliebtes Ziel von Sprayern. Nach der Grenzöffnung eroberten internationale Graffitikünstler die Mauer von Osten her. Das längste erhalten gebliebene Reststück steht heute zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke. Die Sprayer haben es zur größten Openair-Galerie der Welt gemacht.
Foto: REGIERUNGonline/Kühler
East Side Gallery