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Nr. Sonderausgabe 016    10/2009
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"Wahnsinn!"

Logo Freiheit, Einheit, Demokratie. 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre Fall der Mauer | REGIERUNGonline
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Foto: REGIERUNGonline
Freiheit, Einheit, Demokratie
"Wahnsinn!" – bis heute klingt der Freudenschrei der Menschen nach, die am Abend des 9. November 1989 den Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße überqueren konnten. Auch die nächtlichen Bilder von der Mauer am Brandenburger Tor, auf der Hunderte stehen und feiern, sind unvergesslich. Endlich war die Mauer wieder offen – 28 Jahre, nachdem das SED-Regime sie handstreichartig errichten ließ, um eine weitere "Abstimmung mit den Füßen" zu verhindern.
 
Der Fall der Mauer war der erste große Erfolg der Friedlichen Revolution, deren Ursprünge lange zurücklagen. Denn alle Versuche, den Menschen das richtige Bewusstsein anzuerziehen, die Indoktrination in Schulen und durch Medien, alle Repressalien blieben unterm Strich erfolglos: Die Sehnsucht nach Freiheit konnte das SED-Regime nicht unterdrücken. Hinzu kam, dass sich die Versorgungslage verschlechterte, dass die Innenstädte verfielen und die Umweltzerstörung drastisch zunahm. 1989 war die DDR politisch wie wirtschaftlich bankrott.
 

Gorbatschow reformiert, die SED bleibt stur

 
Auslöser für die Proteste war die Fälschung des Kommunalwahlergebnisses vom 7. Mai 1989. Sie zeigte, dass die SED kein bisschen gewillt war, die Wirklichkeit zu akzeptieren. Während Michael Gorbatschow angefangen hatte, die UdSSR zu reformieren, Polen offiziell die Gewerkschaft Solidarność zuließ und Ungarn langsam seine Grenzen öffnete, blieben die Ostberliner Kommunisten stur.
 
Vom Frühsommer an demonstrierten mutige Menschen gegen die Wahlfälschungen und für mehr Demokratie. Schutz bot ihnen vor allem die Evangelische Kirche. Nicht nur in Leipzig waren Friedensgebete Ausgangspunkte von Demonstrationen.
 

"Wir sind das Volk!"

 
Der Protest schwoll immer weiter an, obwohl die Machthaber wochenlang versuchten, die Lage mit Hilfe von Stasi und Polizei unter Kontrolle zu bringen. Doch weder das Zerreißen von Transparenten, weder Einkesselungstaktik noch Verhaftungen und "Zuführungen" halfen. Letztendlich musste die Staatsmacht vor der Menge der Demonstranten kapitulieren – vor der Menge und ihrer Gewaltfreiheit. "Auf alles waren wir vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete", sagte der SED-Funktionär Horst Sindermann später.
 
Die mutigen Demonstrationen und die Ausreisewelle über Ungarn sowie die Botschaften in Prag und Warschau zwangen das SED-Regime zum Handeln. Mit einer neuen Reiseregelung, so meinten die Machthaber, lasse sich ein Ventil öffnen und Druck aus dem Kessel nehmen. Doch schon mit der Ankündigung der neuen Reiseregelung brach die brüchig gewordene Statik der DDR endgültig zusammen: Über Nacht fiel die Mauer, die allein in Berlin weit über hundert Menschen das Leben kostete – und 28 Jahre lang die deutsche und europäische Teilung symbolisiert.
 
Diese Sonderausgabe des Magazins für Infrastruktur und die neuen Länder erinnert an die Ereignisse vor 20 Jahren – sowohl an den Mauerfall selbst als auch an seine wichtige Vorgeschichte.
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