An Veranstaltungen und Events in Berlin wird es anlässlich des 20jährigen Mauerjubiläums in diesem Jahr nicht mangeln. Zu den zweifelsfrei sehenswerten und außergewöhnlichen Ausstellungen zu dieser Thematik ist der Bilderzyklus des Malers Johannes Heisig zu zählen. Nach nahezu zwanzig Jahren Distanz malte der gebürtige Leipziger seine ganz persönlichen Erinnerungen an die Berliner Mauer. Der Bilderzyklus wird in der Ausstellung "3 Berliner" vom 3. bis 17. Oktober 2009 in der Deutschen Botschaft in London und im November 2009 in Buenos Aires im Rahmen der dortigen Expo und Langen Nacht der Museen gezeigt.
Sie war eines der größten Traumata der deutschen Geschichte und das markanteste Symbol für den Ost-West-Konflikt, deren Bau die politische Spaltung Deutschlands und der Welt zementierte: die Berliner Mauer. Vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 durchschnitt jener "antifaschistische Schutzwall" 28 Jahre, zwei Monate und 28 Tage lang die Infrastruktur der Stadt, verlief mitten durch Gebäude, unterbrach Straßen, Wasserwege und Schienenverkehr, zerriss Familien, trennte Freunde und Liebende und zerstörte Hoffnungen und Leben.
Die Mauer war allgegenwärtig. Ihr Fall am 9. November 1989 war demzufolge ein Ereignis von welthistorischem Rang. Es ging als Symbol für das Ende des Kalten Krieges, die Aufhebung der Teilung Deutschlands und des europäischen Kontinents in die Menschheitsgeschichte ein. Dennoch hinterließ jenes dunkle Kapitel deutscher Geschichte erkennbare Spuren im kollektiven Bewusstsein – Spuren, die bis heute nicht verwischt sind.
"Ich wagte den Versuch, darzustellen, wie sehr Erinnern ein ganz individueller, auch ambivalenter Prozess ist".
Mit seinen individuellen Eindrücken und Erinnerungen beschäftigte sich Professor Johannes Heisig das erste Mal in seinem Schaffen in seinem Bilderzyklus "Es war einmal. Bilder vom Erinnern, den Erinnerungen und dem Innern". Er schuf sie für eine Ausstellung im Abgeordnetenhaus von Berlin in Kooperation mit der Berliner Pressekonferenz und der Gedenkstätte Berliner Mauer. Lange hatte er künstlerische Distanz zu der Mauer-Thematik gewahrt, bis er, angeregt von der Galeristin der Berliner Galerie Son, 2007 Kontakt mit der Gedenkstätte aufnahm.
Im August/September 2008 waren die deutsche Teilung thematisierenden 13 großformatigen Werke im Abgeordnetenhaus von Berlin ausgestellt. Sie boten jedem Besucher, der jemals mit dem Bauwerk in Berührung gekommen ist, den Anlass, sich erneut mit der geteilten Stadt in Bildern auseinanderzusetzen, wobei sie bei jedem die verschiedensten Assoziationen und Emotionen hervorgerufen haben. Den märchenhaften Titel "Es war einmal" wählte der Sohn Bernhard Heisigs, einer aus dem großen Viergestirn der DDR-Malerei, bewusst aus, weil er "zu den anachronistischen Menschen gehört, die immer noch Geschichten erzählen wollen."
Die Gemälde sollten nicht als politisches Statement zu jener Zeit gesehen werden – sie erzählen vielmehr die ganz private Mauergeschichte Heisigs in den 1980er Jahren, in denen der damals über 30 Jahre alte aufstrebende Maler mit dem Privileg, zwischen Ost und West pendeln zu dürfen, den Geist und die Mentalität auf beiden Seiten der Mauer kennenlernte.
Der in 1953 in Leipzig geborene Maler, der zwischen 1989 und 1991 Rektor der Dresdner Kunsthochschule war und den 9. November 1989 in Italien verbrachte, nähert sich der Thematik distanziert.
Mit drei nahezu idyllisch wirkenden Stadtlandschaftsbildern aus der Vogelperspektive zeigt er die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße am ehemaligen Grenzverlauf in der Mitte Berlins und den Rest, der von einem der größten Traumata der deutschen Geschichte übrig blieb: die "Resterampe" der deutschen Teilung. Neben den Stadtlandschaften besteht sein Zyklus aus Porträts und grauen Historienbildern. Fast greifbar wirken die Details des Zerfalls und düster erscheint die dargestellte Welt in Heisigs Bildkompositionen.
Sein Bildzyklus kann als ein wertvoller und adäquater künstlerischer Beitrag gesehen werden, der die allseits verblassenden kollektiven Erinnerungen an die Berliner Mauer und die deutsche Teilung aufleben lassen – Erinnerungen, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen, damit sich dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte, politisches Dilemma und menschliche Katastrophe zugleich, nicht mehr wiederholt.