Friedliche Revolution

Die Deutschen zur Friedlichen Revolution – Eine Umfrage

20 Jahre ist es her, dass mutige Menschen in Ostdeutschland auf die Straßen gegangen sind, um für ihre Freiheit zu kämpfen; dass sie trotz drohender Lebensgefahr entschlossen ihre Rechte eingefordert haben; dass sie das totalitäre Staatssystem der DDR bezwungen haben.


Wie bewerten die Deutschen heute diese Friedliche Revolution?

Was sagen Ostdeutsche, was sagen Westdeutsche dazu?

Und: Wie einig ist sich die Republik in ihrer Einschätzung?


Das Meinungsforschungsinstitut Emnid hat im April 2009 für den Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer dazu eine Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse sind interessant, zum Teil erwartungsgemäß und manchmal erstaunlich.

Die Friedliche Revolution – wichtig für die deutsche Geschichte?

Ob die Deutschen die Friedliche Revolution im Herbst 1989 für ein wichtiges Ereignis der deutschen Geschichte halten – so eine der gestellten Fragen. 79 Prozent im Osten und sogar 82 Prozent im Westen antworten mit ja.

Einschränkungen machen 15 Prozent der Ostdeutschen und nur elf Prozent der Westdeutschen. Sie wollen die Bedeutung der Ereignisse auf die ostdeutsche Geschichte beschränken. Die 15 Prozent der ostdeutschen Befragten sind auf den ersten Blick erstaunlich. Diese Haltung stammt allerdings wahrscheinlich weniger aus der Überlegung, dass die Vorgänge nicht ausreichend wichtig sind, sondern vielmehr aus dem Wunsch, sich das historische Ereignis nicht "wegnehmen" zu lassen.

Ganz klein ist die Zahl derer, die den Vorgängen jeden geschichtlichen Rang absprechen wollen: Nur vier Prozent der Ostdeutschen und fünf Prozent der Westdeutschen.

Die Überwindung der SED-Herrschaft – kann der Osten darauf stolz sein?

Noch deutlicher fällt die Antwort auf die Frage aus: "Können die Ostdeutschen stolz sein auf die friedliche Überwindung der SED-Herrschaft?" 85 Prozent der Ostdeutschen und 81 Prozent der Westdeutschen bejahen dies eindeutig. Nur elf Prozent der Menschen aus den neuen Bundesländern und zwölf Prozent aus dem Westen verneinen dies. 

Differenziert man noch einmal nach dem Alter der Befragten, ergeben sich kleine Verschiebungen. 87 Prozent der 50- bis 59-Jährigen sind ausdrücklich stolz auf die friedliche Überwindung der SED-Herrschaft. Noch stolzer sind diejenigen, die 1989/1990 noch ganz jung waren und heute 30 bis 39 Jahre alt sind: 91 Prozent. Die Schüler sind sogar zu 95 Prozent stolz auf die Herbstrevolution der älteren Generation. Westdeutsche Schüler sind hier mit 75 Prozent etwas zurückhaltender.

Das Ende der DDR – was war ausschlaggebend?

Gefragt wurde nach der primären Ursache für das Ende der SED-Herrschaft. Zur Wahl standen die wirtschaftlichen Faktoren, die Veränderungen in der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern, die Demonstrationen in der DDR und die Politik des Westens. Die Antwort fiel in Ost und West ähnlich aus: Übereinstimmend sehen die Deutschen die wirtschaftliche Katastrophe als Hauptgrund für das Ende der SED-Herrschaft – 37 Prozent im Osten, 34 Prozent im Westen.

Allerdings fast gleichgewichtet mit der Perestroika Gorbatschows. Der Gorbatschow-Faktor wird von den älteren Befragten – von der Erlebnisgeneration – wichtiger eingeschätzt als von den jüngeren Altersgruppen und den Schülern. Dies mag mit der unterschiedlichen medialen Wahrnehmung der verschiedenen Generationen zusammenhängen.

Der größte Unterschied ergibt sich bei der Frage nach der Rolle von Protesten und Demonstrationen in der DDR im Herbst 1989. In diesen Demonstrationen sehen 17 Prozent der Westdeutschen und 21 Prozent der Ostdeutschen den Hauptgrund für die Überwindung der SED-Herrschaft.

Wie nah sind sich die Deutschen – Einigkeit?

Auch dazu ein eindeutiges Ja. Bei den Antworten gibt es kaum noch signifikante Unterschiede zwischen Ost und West, sondern tatsächlich ein fest ausgeprägtes gesamtdeutsches Geschichtsbild. Das ist erstaunlich, da die Vermittlung der Ereignisse unterschiedlich ist. Während bei den Westdeutschen die Kenntnisse vor allem durch die Medien kommen, entstanden sie bei den Ostdeutschen stärker durch persönliches Erleben und durch Erzählungen.

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