Am 9. November, und damit auf den Tag 18 Jahre nach dem Fall der Mauer in Berlin, hat der Deutsche Bundestag einen Beschluss besonderer Art gefasst. Zum 20. Jahrestag der Maueröffnung wurde die Errichtung eines Denkmals für Freiheit und Einheit beschlossen. Es soll an die friedliche Revolution im Herbst 1989 erinnern. Zugleich wird es die freiheitlichen Bewegungen und die Einheitsbestrebungen der deutschen Geschichte ins Gedächtnis rufen und würdigen.
In diesen Wochen erinnern wir uns an einen der glücklichsten Momente unserer Geschichte: An den Fall der Mauer, die Ost und West trennte. Mit Friedensgebeten, Kerzen und Demonstrationen haben die Menschen in der DDR auf friedlichem Weg das SED-Regime entmachtet und den Weg zur Wiedervereinigung in Freiheit geebnet.
Es ist daher kein Zufall, dass der Deutsche Bundestag am Jahrestag des Mauerfalls auch die Verwirklichung eines Einheits- und Freiheitsdenkmals in Berlin zum Thema machte. Ob es in Berlin seinen Platz finden wird, ist noch nicht entscheiden. Die deutsche Hauptstadt aber wird als geeigneter Ort für ein solches Denkmal angesehen, denn hier verdichten sich viele Stränge deutscher Freiheitstraditionen.
Am Anfang stand der Gestaltungswettbewerb "geschichts-codes 2007" der Bundesstiftung Aufarbeitung. Die Aufgabenstellung: Ein Entwurf für "Ein Denkmal für Freiheit und Einheit". Studierende aus Dresden, Hamburg, Erfurt, Berlin, Leipzig, Regensburg und Dortmund reichten 55 Entwürfe ein. Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesminister Wolfgang Tiefensee waren dabei, als die Stiftung Anfang November in Berlin die Preisträger vorstellte.
Den ersten Preis erhielt Bernadette Boebel, Studentin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Ihr Denkmalentwurf besteht aus zwei gebogenen Stahlelementen und 13 in den Boden eingelassenen Platten mit deutschen Geschichtsdaten von 1949 bis 1990. Je nach Standpunkt des Betrachters erscheinen die Hauptelemente geteilt oder vereint. Als Standort für ihre Arbeit wählte die Studentin das Fundament des ehemaligen Nationaldenkmals gegenüber dem Palast der Republik.
In seinem Grußwort unterstützte Bundestagspräsident Lammert engagiert die Idee, ein Denkmal für Freiheit und Einheit zu errichten. Die erfolgreiche deutsche Freiheitsrevolution und die darauffolgende Wiedervereinigung sollten einen dauerhaften Platz im nationalen Gedächtnis erhalten. Auch Bundesminister Tiefensee sprach sich nachdrücklich für ein solches Denkmal aus: „Freiheit und Demokratie müssen immer wieder gelernt, gestärkt und verteidigt werden. Das ist eine Herausforderung, die alle Generationen, insbesondere aber junge Leute, angeht“, sagte er in seiner Rede in der Nikolaikirche.
Zu verdanken ist die Initiative für ein Denkmal in erster Linie dem bürgerschaftlichen Engagement der Deutschen Gesellschaft e.V. Seit Jahren wirbt der Verein zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa für das Projekt.
Wo das Denkmal für Freiheit und Einheit in der Hauptstadt seinen Platz finden wird, ist noch nicht entschieden. Doch auch andernorts soll die Erinnerung wachgehalten werden: „Die friedliche Revolution hat 1989 die gesamte DDR erfasst, daher sollte auch an vielen Orten an sie erinnert werden. Ich rufe die Bürgerinnen und Bürger, die Stadträte und Bürgermeister auf, in ihren Städten und Gemeinden Erinnerungsstätten ins Leben zu rufen“, so der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.
Tiefensee erinnerte daran, dass die Bürgerbewegung in der Endzeit der DDR nicht zentralistisch gesteuert war. „Deshalb soll es nicht bei einem zentralen Denkmal bleiben, sondern viele Denkmale geben“, betonte der Minister.