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Staatsministerin Maria Böhmer: Integration geht alle an
Foto: REGIERUNGonline/Kugler
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, beschreibt für das Magazin zur Entwicklungspolitik, was die Bundesregierung unternimmt, um den Migrationsprozess zu unterstützen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn Migrantinnen und Migranten verfügen über große Potenziale.
Von Professorin Maria Böhmer, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
Die Vielfalt in unserem Land wächst! Während wir insgesamt in Deutschland weniger werden, hat die Zahl der Migrantinnen und Migranten einen neuen Höchstwert erreicht. Erstmals leben in Deutschland knapp über 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2005 lag die Zahl noch bei 15,3 Millionen.
Die Migranten sind auch deutlich jünger als der Schnitt der Bevölkerung. Etwa jedes dritte Kind unter fünf Jahren kommt mittlerweile aus einer Zuwandererfamilie. Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Aber wir können ihn gestalten. Dafür müssen wir Vielfalt verstärkt als Chance begreifen!
Menschen aus Zuwandererfamilien verfügen über große Potenziale. Mit ihren Sprachkenntnissen und ihrer häufig eigenen Migrationserfahrung sind sie für viele Arbeitgeber in Deutschland ein großer Gewinn. Bundesweit haben bereits mehr als 800 Unternehmen und Institutionen mit über 4,6 Millionen Beschäftigten die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet. Sie setzen intensiv auf die Ausbildung und Beschäftigung von Migranten. Gerade angesichts des wachsenden Fachkräftemangels haben die Unterzeichner der Charta erkannt: Migranten sind die Fachkräfte von morgen!
Zugleich sind viele Menschen aus Zuwandererfamilien auf dem Bildungs- und Ausbildungsmarkt benachteiligt. Der kürzlich von mir vorgelegte 8. Bericht zur Lage der Ausländerinnen und Ausländer stellt fest: Die Arbeitslosenquote von Migrantinnen und Migranten ist mit 12,4 Prozent fast doppelt so hoch wie von Deutschen ohne Migrationshintergrund (6,5 Prozent).
Der Einstieg ins Arbeitsleben scheitert oft an mangelnden Deutschkenntnissen und einer ungenügenden Bildung. Notwendig ist eine nationale Bildungsoffensive, um Chancengleichheit für Migranten zu erreichen! Die Förderung insbesondere der jungen Migranten hat höchste Priorität.
Besonders wichtig ist der Spracherwerb von Anfang an. Nur wer Deutsch kann, wenn er in die Schule kommt, hat gleiche Start-Chancen. In den Kindergärten werden dafür die Grundlagen gelegt. In den Schulen muss die verstärkte individuelle Förderung der Jungen und Mädchen aus Zuwandererfamilen fortgesetzt werden. Hier sind die Länder in der Pflicht, ihre Verpflichtungen aus dem Nationalen Integrationsplan zu erfüllen. Sie haben zugesagt, bis 2012 das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an den Gesamtdurchschnitt aller Schülerinnen und Schüler anzugleichen.
Um dies zu erreichen, müssen Schulen mit hohem Migrantenanteil intensiver unterstützt werden. Die Schulen benötigen mehr Geld, mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie mehr Zeit. Entscheidend für den Bildungserfolg der Kinder ist die Mitwirkung der Eltern. Wichtig ist vor allem, dass sie ihre Kinder motivieren, Deutsch zu lernen. Eltern, die noch unsicher im Umgang mit der deutschen Sprache sind, sollten an einem Integrationskurs teilnehmen.
Die Integrationskurse des Bundes sind ein Erfolgsmodell: Seit 2005 haben mehr als 600.000 Migranten teilgenommen. Wegen der großen Nachfrage sind die Mittel für die Kurse jetzt noch einmal um 15 Millionen auf insgesamt 233 Millionen angehoben worden!
Die Unterstützung der Migranten ist Voraussetzung dafür, dass sie ihre Potenziale besser nutzen können. Deshalb ist es so wichtig, jetzt bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und Qualifikationen voranzukommen.
Ingenieure aus dem Irak fahren Taxi, Ärztinnen aus der Ukraine arbeiten als Haushaltshilfen, weil ihre Abschlüsse nicht anerkannt werden. Das ist eine Riesen-Verschwendung von Ressourcen! Das Bundeskabinett hat bereits Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung beschlossen. Jetzt sind Bund und Länder gefordert, schnellstmöglichst die notwendigen Schritte für Gesetze zur Anerkennung der Abschlüsse vorzulegen.
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Maria Böhmer: Migranten sind die Fachräfte von morgen
Foto: REGIERUNGonline / Bergmann
Für unser Land ist es von zentraler Bedeutung, gut ausgebildete Migranten in unserem Land zu halten. Und zugleich für qualifizierte Zuwanderer attraktiver zu werden. Wir brauchen jeden einzelnen klugen Kopf! Angesichts der demografischen Entwicklung ist Integration eine Schicksalsfrage für unser Land. In diesem Jahrzehnt entscheidet sich, ob wir langfristig den sozialen Zusammenhalt sichern können, ob wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern können und ob Deutschland ein weltoffenes, tolerantes, lebens- und liebenswertes Land bleibt.
Die Politik kann den Rahmen für ein gutes Miteinander setzen. Mit Leben erfüllt werden muss er von allen Menschen in unserem Land. Jeder Einzelne - ob Einheimischer oder Migrant - kann seinen Beitrag leisten: "Integration fängt bei mir an!"
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