Bildung

Südafrika: Die perfekte Welle

Surfer stehen am Strand
Surfen: eine Alternative für Kinder aus armen Verhältnissen
Foto: Masifunde e.V.

Südafrika ist ein Paradies für Wellenreiter. An den schönen Stränden Südafrikas sieht man ständig Surfer auf dem Wasser die langgezogenen Wellen entlang reiten. Man braucht dafür neben dem kühlen Nass nur ein Surfbrett und einen Surfanzug. Das Geld dafür hat aber in Südafrika nicht jeder - fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut.

Am Strand von Port Elizabeth trifft sich regelmäßig eine kleine Gruppe von schwarzen Kindern aus dem Walmer Township mit ihren Trainern. Sie sind hochmotiviert und schreien vor Freude, wenn es ihnen wieder gelungen ist, eine gute Welle zu erwischen.

Dahinter steckt das Projekt des deutschen Vereins Masifunde Bildungsförderung e.V. aus Bensheim.

Initiiert wurde der Verein 2005 vom ehemaligen Mainzer Studenten Jonas Schumacher. Während eines Auslandssemesters in Port Elizabeth im Rahmen seines Studiums wurde Schumacher auf die Situation in Walmer Township aufmerksam. In den folgenden Jahren haben sich ihm weitere Freiwillige angeschlossen, um umfassende Bildungsprogramme für mehr als 100 Kinder aus einkommensschwachen Familien zu betreuen.  

„Bildung ist der Schlüssel zur Lösung vieler anderer Probleme in der südafrikanischen Gesellschaft“, ist Schumacher überzeugt.

Schulstipendien und Hausaufgabenclubs

Eine Frau und ein Junge sitzen an einem TischBild vergrößern Unterstützung im Hausaufgabenclub Foto: Masifunde e.V.

Der rein ehrenamtlich geführte Verein betreut die Kinder und Jugendlichen in außerschulischen Förderprogrammen, vergibt Schulstipendien und bietet Hausaufgabenclubs sowie einen Kindergarten für Straßenkinder an.

Auch die deutschen Touristen, die zur Fußball-WM nach Südafrika reisen, um das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien zu sehen, können einen Einblick in das Projekt vor Ort erhalten. Die Mitarbeiter organisieren auch für Journalisten und andere Interessierte Besuche, um auf die sozialen Probleme in Südafrika und das krasse Bildungsgefälle zwischen den sozialen Schichten aufmerksam zu machen.

„Wer Südafrika verstehen will, der muss das Leben in den Townships kennenlernen“, erklärt Masifunde-Gründer Jonas Schumacher. Seit mehr als einem Jahr lebt er permanent in Port Elizabeth und koordiniert die Bildungsprogramme von Masifunde.

Die Bildung der Kinder aus ärmeren Familien zu verbessern ist das zentrale Anliegen des Vereins. Deshalb wird versucht, schon bei den Kleinen zu beginnen.

Derzeit lernen sechs neue Partnerkinder mit der Hausaufgabenlehrerin Colleen fleißig nachmittags Englisch. Sie sollen im neuen Schuljahr ohne  Probleme in die Vorschule starten können.

Sie wurden in einem Auswahlverfahren von Masifunde durchgeführt, an dem sich alle Kindergärten aus dem Township beteiligen können.

Das Surfprojekt gehört zur Aktion „Learn4Life“. Hierbei geht des um die Förderung von Talenten und ganz allgemein um die sinnvolle Beschäftigung in ihrer Freizeit. Der Alltag, der häufig durch Gewalt und Drogen geprägt ist, wird dadurch abwechslungsreicher und interessanter.

Es gibt auch Gruppen, in denen Nachwuchsjournalisten eigene Magazine veröffentlichen. Außerdem Theatergruppen, die eigene Stücke entwickeln und sich in diesen mit den alltäglichen Problemen des Township-Lebens auseinandersetzen. In der Naturgruppe beschäftigen sich die Jugendlichen mit dem Bewirtschaften eines Gartens und um Naturschutz.

Bildungszentrum „Lavel`ilanga“

Hütten in der Nähe von Lagerhallen. Bild vergrößern Walmer Township Foto: Masifunde e.V.

Doch der Verein gibt sich noch lange nicht mit dem bisher Erreichten zufrieden.

Das nächste Projekt ist der Bau eines Bildungszentrums in Walmer Township. Der Name wurde von jungen Townshipbewohnern ausgewählt und lautet Lavel`ilanga. Das bedeutet Sonnenaufgang. Das Bildungszentrum soll die Jugendlichen mit zusätzlicher Lebensenergie und neuen Perspektiven versorgen – so wie auch die Sonne als Grundlage jeden Wachstums gilt.

Der Bau eines Zentrums wird nötig, da Masifunde von Jahr zu Jahr größer wird und immer mehr Kinder und Jugendliche in immer neue Bildungsprogramme involviert. Mit einem Bildungszentrum sollen weitere außerschulische Angebote für die Township-Jugend geschaffen werden.

Wichtig ist dem Verein, dass die Jugendlichen selbst Vorstellungen für die Arbeit des Zentrums entwickeln. In einer dreitägigen Konferenz haben die Jugendlichen des Townships Zukunftsszenarien für das Township entwickelt, messbare Handlungsziele für Jugendliche verabschiedet und einen Bedarfskatalog entworfen. Das Ergebnis wurde dem stellvertretenden Bürgermeister von Port Elizabeth überreicht. „Uns war besonders wichtig, von Anfang an die gesamte Community im Township mit in den Prozess einzubeziehen“, erläutert Masifunde-Gründer Jonas Schumacher.

Die Arbeit von Masifunde hat auch in Deutschland Anklang gefunden. 2008 erhielt Masifunde als eine der 25 besten gemeinnützigen Einrichtungen Deutschlands den „Marion-Dönhoff-Förderpreis für internationale Verständigung und Versöhnung“.

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