Mali

Bildung für alle – neue Klassenräume für Koporopen

in den Hang gebaute Lehmhäuser mit Bambusdächern
Dorf im Dogonland in Mali
Foto: Hauke Nagel

Von Uwe Schmidt und Hauke Nagel, Vorstand des Kinderhilfswerks Dritte Welt e.V.

Die westafrikanische Republik Mali verfügt über ein nur unzureichend ausgebautes Netz von Grundschulen. Besonders in den entlegenen, nur schwer zugänglichen Dörfern des Dogon-Landes im Grenzgebiet zu Burkina Faso findet der Unterricht meist noch im Freien oder in maroden Lehmbauten statt. Klassengrößen von bis zu 120 Schülerinnen und Schülern sind keine Seltenheit. 

Auch dort, wo ein solides Schulgebäude vorhanden ist, reicht das Raumangebot häufig nicht mehr aus. Die Einschulungsquoten, erfreulicherweise auch die der Mädchen, sind nämlich seit zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Oft muss daher im Schichtbetrieb unterrichtet werden. Dadurch wird zwar den meisten Kindern der Schulbesuch ermöglicht, die Unterrichtszeit für jedes Kind ist jedoch wesentlich kürzer  als unter optimalen Bedingungen.

Es gibt noch einen weiteren Grund dafür, das schulische Bildungsangebot in der Dogon-Region und in ganz Mali flächendeckend auszubauen: das Bevölkerungswachstum von durchschnittlich 2,8 Prozent. Eine nachhaltige Stärkung des malischen Bildungssystems hat deshalb nicht nur die gegenwärtige pädagogische Unterversorgung zu minimieren. Vielmehr müssen die Fördermaßnahmen dem demographischen Prozess Rechnung tragen, damit die Einschulungsquote auch im Verhältnis zur Bevölkerungsentwicklung steigt.

Schulbau in MaliBild vergrößern In der alten Schule: Lernen ohne Tische und Stühle Foto: Hauke Nagel

Schulbildung besonders auch den Mädchen ermöglichen

Obwohl das Dogonland noch weit entfernt ist von einer allgemeinen und chancengerechten Bildungsstruktur, haben die Maßnahmen der vergangenen zehn Jahre bereits spürbar Wirkung gezeigt. Dies zeigt sich nicht zuletzt in einem konsolidierten Bewusstsein der Menschen für den Wert von Bildung und für die überaus wichtige Rolle der Mädchen darin. Diese sind zwar im malischen Bildungssystem noch immer unterrepräsentiert, da sie von den Müttern für Arbeiten im Hause und in der Familie gebraucht werden. Dennoch steigt die Anzahl der Schülerinnen von Jahr zu Jahr – der zarte Beginn einer emanzipatorischen Entwicklung, die nicht mehr umkehrbar sein dürfte.

Auch die Schule in dem 4.200 Einwohner zählenden Dogon-Dorf Koporopen in der Region Mopti musste wegen der stark steigenden Schülerzahlen dringend räumlich erweitert werden. Im Frühjahr 2007 erhielt das Kinderhilfswerk Dritte Welt e. V. einen Hilferuf der örtlichen Schulelternvereinigung.

Darin schilderte Antoine Togo, Schuldirektor und Chef de Village, im Auftrag dieser Interessengemeinschaft die desolaten Lern- und Arbeitsbedingungen von 659 Schülerinnen und Schülern: Den neun Klassen der ersten vier Lernjahre standen damals lediglich drei Klassenräume und zwei improvisierte Lehmverschläge zur Verfügung.

Förderung durch das Bundesentwicklungsministerium

Obwohl bereits in jedem Raum zwei Jahrgänge zeitgleich unterrichtet wurden – mit Lerngruppen von bis zu 140 Schülerinnen und Schülern – konnte der Unterricht nicht an allen Wochentagen für alle Kinder angeboten werden.

neues Schulgebäude mit zahlreichen DorfbewohnernBild vergrößern Das ganze Dorf freut sich über das neue Schulgebäude Foto: Hauke Nagel

Im Rahmen einer Projektförderung durch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) konnte das Kinderhilfswerk Dritte Welt e. V. im Jahr 2009 die Schule in Koporopen um einen Klassentrakt mit drei Unterrichtsräumen und eine Sanitäranlage erweitern. Mit der Bauleitung und der Ausführung sämtlicher Bauarbeiten wurde ein vor Ort ansässiges Unternehmen betraut.

Alle drei Klassenzimmer wurden mit ausreichend stabilen Schulmöbeln ausgestattet. Auch dieser Auftrag ging an einen Handwerker aus der Region. Die Kontrolle der Baumaßnahmen in Koporopen übernahm Frau Habibatou Koné, die Vertreterin des Kinderhilfswerks Dritte Welt in Mali.

mit Masken und bunten Röcken geschmückte Tänzer vor FelslandschaftBild vergrößern Tanz zur Einweihung der neuen Schule Foto: Hauke Nagel

Der Einsatz und die Investition haben sich gelohnt. Durch die Erweiterung um drei Klassenräume haben in Koporopen nun alle Schülerinnen und Schüler einen eigenen geräumigen Arbeitsplatz, und die erhebliche Reduzierung der Schülerzahlen pro Klasse ermöglicht eine intensivere pädagogische Betreuung.

Mit dieser Schule hat das Kinderhilfswerk Dritte Welt  e.V. seinen siebten Schulbau in Mali realisieren können. Der achte – eine Schulerweiterung im Dogon-Dorf Doucombo – ist bereits in Planung und wird voraussichtlich noch 2010 abgeschlossen.

Das in Hamburg ansässige 'Kinderhilfswerk Dritte Welt" verfolgt seit seiner Gründung im Jahr 1975 das Ziel, Kindern und Jugendlichen in den benachteiligten Erdregionen die Chance auf ein selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. Die gemeinnützige Organisation widmet sich dieser Aufgabe auch durch den Ausbau von medizinischer Versorgung, durch die Betreuung von Aids-Waisen und von körperlich behinderten Kindern. Das Schwerpunktland ist die Republik Mali, wo neben den erwähnten Schulbauten bisher 14 Gesundheitszentren errichtet und in Betrieb genommen wurden. Weitere Projekte gibt es in Ruanda, Nepal, Brasilien und anderen Ländern.

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