Die Szene erinnert etwas an einen Kunstunterricht in einer Vorschule: Schüler und Schülerinnen des Wagenburg-Gymnasiums in Stuttgart drücken rot gefärbte Hände auf ein Blatt Papier. Die Aktion macht offensichtlich allen Beteiligten Spaß, hat aber einen ernsten Hintergrund.
Es ist eine von vielen politischen Aktionen, mit der jährlich am 12. Februar auf den Red-Hand-Day aufmerksam gemacht wird. Der Red-Hand-Day setzt sich weltweit für die Abschaffung von Kindersoldaten ein. Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention in Kraft. In dem Protokoll verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, zu denen auch Deutschland gehört, keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren zu rekrutieren.
Das Wagenburg-Gymnasium hat diese Aktion im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ durchgeführt. In diesem Zusammenhang hat sich das Gymnasium selbst verpflichtet, jedes Jahr mindestens eine Aktion zu organisieren.
Wichtig war es, den Schülern auch die Hintergründe für das Thema Kindersoldaten zu vermitteln. Sie diskutierten mit den Klassenlehrern, weshalb in einigen Ländern wie zum Beispiel in Uganda und Sierra Leone Kinder als Soldaten rekrutiert werden. Außerdem erfuhren die Schüler, auf welche grausame Weise Kinder zu Soldaten gemacht werden, welchen körperlichen und seelischen Qualen sie ausgesetzt werden.
Schätzungsweise 250.000 Kindersoldaten gibt es weltweit. Viele von ihnen werden zu Gräueltaten gezwungen, andere schließen sich bewaffneten Gruppen oder Armeen an. Sie glauben, keine andere Perspektive zu haben. Kindersoldaten werden ihrer normalen Entwicklung beraubt und durch ihre Erfahrungen stark traumatisiert. Unter den körperlichen und seelischen Folgen leiden sie oft ein Leben lang. Die Situation von Mädchen ist dabei oft besonders grausam. Denn sie werden in den Armeen und Rebellengruppen häufig Opfer sexueller Gewalt.
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Forderungen auf Papier gebracht
Foto: Dr. Axel Nothardt
Im Wagenburg-Gymnasium haben die Kinder schließlich Forderungen ausgearbeitet, wie dieses Problem bekämpft werden kann. Die wichtigsten Forderungen wurden mit roter Farbe auf ein weißes Blatt Papier geschrieben. Anschließend färbte sich jeder symbolisch die Hand mit roter Fingerfarbe und druckte diese zusätzlich auf das Blatt.
Zwei Ordner mit der Sammlung Roter Hände wurden der Parlamentarischen Staatsekretärin des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) Gudrun Kopp am 3. März von der Abgeordneten Ute Kumpf aus Stuttgart in Berlin übergeben.
Kopp erklärte dazu: „Mich hat das Engagement des Wagenburg-Gymnasiums sehr beeindruckt. Die Schülerinnen und Schüler haben sich am Red Hand-Aktionstag mit dem schwierigen Thema Kindersoldaten in fernen Ländern befasst. Sie haben gelernt, unter welchen menschenunwürdigen Umständen manche Kinder und Jugendliche auf anderen Kontinenten heranwachsen. Der Missbrauch von Kindern zum Einsatz im Krieg, ob als Kämpfer, Arbeitskräfte oder psychologische Kriegswaffe, ist die verabscheuungswürdigste Form des Menschenhandels.“
Wichtig ist eine Bildungsoffensive, die Kindern in Form von Projekten ihre Lebenschancen aufzeigt und ihnen hilft, diese auch umzusetzen.
Die weltweite Kampagne weckt das Bewusstsein für die Herausforderungen der globalisierten Welt. Genau dieses Wissen ist Voraussetzung für ein bürgerschaftliches Engagement für nachhaltige Entwicklung. "Wir brauchen das private Engagement der Zivilgesellschaft, wie das des Wagenburg-Gymnasiums, für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit", teilte Kopp mit.
Genauso gilt auch, Opfer wieder in die Familien- und Dorfgemeinschaften zu integrieren. Das BMZ setzt sich dafür ein, durch gezielte Aufklärungskampagnen Kinder vor Verschleppung und Übergriffen besser zu schützen.