Das entwicklungspolitische Engagement der Bundesregierung in Afghanistan wird erhöht. Anlässlich der Afghanistan-Konferenz in London am 28. Januar 2010 hat Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel eine Erhöhung des finanziellen Beitrags auf jährlich 250 Millionen Euro bis 2013 zugesagt.
Nachdem in Afghanistan schon viel erreicht wurde, will die Bundesregierung laut Niebel an die Erfolge anknüpfen. Erfolge sind in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Trinkwasserversorgung, Verkehrsinfrastruktur und beim wirtschaftlichen Wachstum zu verzeichnen.
Das wirtschaftliche Wachstum zum Beispiel beeindruckt durch zweistellige Raten. Der grenzüberschreitende Handel nimmt zu. 60.000 Mikrokredite wurden mit Förderung durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.
Die Entwicklungszusammenarbeit wird sich in Zukunft auf den Norden Afghanistans konzentrieren, wo Deutschland auch militärische Verantwortung übernommen hat. Zivile und militärische Verantwortung sind Teil einer Gesamtstrategie der Bundesregierung.
Zwei Projekte der Bildungsarbeit werden im Auftrag des Bundministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) umgesetzt. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED).
Zum einen leistet die GTZ entwicklungsorientierte Nothilfe in Form von Auf- und Ausbau von Schulen. Dies geschieht in den nordöstlichen Provinzen Kundus, Takhar und Badakshan. In diesen und zwei weiteren Provinzen – Balkh und Sari e Pul – soll außerdem die Grundbildung für Kinder und die berufliche Bildung für Erwachsene verbessert werden.
In Sachen Bildung steht das kriegsgebeutelte Afghanistan vor großen Herausforderungen: Alleine für Grundschulen fehlen rund 100.000 Lehrerinnen und Lehrer. Im Zentrum der Bemühungen stehen daher die Aus- und Fortbildung von Lehrern sowie der Bau oder Wiederaufbau von Schulen und Ausbildungszentren für Lehrkräfte.
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Neue Schulmöbel werden gebaut.
Foto: GTZ
Außerdem ist der Zustand vieler Schulen stark verbesserungswürdig. So werden Kinder immer noch in provisorischen Behausungen oder unter freiem Himmel unterrichtet. Schulbücher, Papier und Schreibmaterial sind Mangelware. Insgesamt liegt die Analphabetenquote im Land bei 72 Prozent. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt deshalb die afghanische Regierung bei der Umsetzung ihrer nationalen Bildungsreform. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 allen schulpflichtigen Kindern im Lande einen qualifizierten Unterricht zu ermöglichen.
Die bisherigen Erfolge in Zahlen: Während im Jahr 2002 noch weniger als 2.000 Plätze für die Ausbildung von Lehrern zur Verfügung standen, durchlaufen derzeit etwa 25.000 Studentinnen und Studenten Kurse an über 40 Lehrerausbildungszentren. Neu gebaut wurden mit Unterstützung der GTZ bisher über 80 Schulen. Fast ebenso viele wurden saniert, mit Möbeln, Toiletten und fließendem Wasser ausgestattet.
Profitiert haben davon bisher über 200.000 Schüler und Lehrer aus mehr als 200 Dörfern. In den meisten Fällen gibt das afghanische Bildungsministerium vor, wo und wie gebaut wird. Bei den Projekten der entwicklungsorientierten Nothilfe entscheiden die Gemeinden allerdings selbst. Sie bewerben sich zunächst um finanzielle Mittel zum Schulbau, müssen dabei jedoch zehn Prozent der Kosten in Eigenleistung oder Material beisteuern.
Ein paritätisch besetztes afghanisch-deutsches Gremium entscheidet dann über die Bewilligung der Anträge. Auf deutscher Seite sind das Auswärtige Amt, das Verteidigungsministerium, das Bundesentwicklungsministerium und das Bundesinnenministerium vertreten. Gebaut wird nach dem Prinzip „Cash for Work“. Dadurch erschließen sich insbesondere ärmere Familien neue Einkommensquellen. Auf diese Weise verbessern die Schulprojekte nicht nur die Grundbildung von Kindern, sondern auch Einkommen und Lebensbedingungen der Menschen in den jeweiligen Dörfern.
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Frauen sollen den gleichen Zugang zu universitärer Bildung erhalten
Foto: GTZ
Zarmena (27), Dozentin an einer Ausbildungsstätte für Lehrer in Kundus, zieht eine positive Bilanz: „Ich lebe mit meinen Eltern und Geschwistern in einem großen Familienhaushalt. Mein Vater ist zwar berufstätig, aber oft reicht sein Einkommen nicht bis zum Monatsende. Ich trage daher mit meinem Gehalt wesentlich zum Haushalt bei. Und mir macht meine Arbeit Freude. Als ich an der Lehrerausbildungsstätte zu lehren begann, unterrichteten wir mit veralteten Methoden. Frontalunterricht war an der Tagesordnung. Dank der Qualifizierung durch die GTZ konnte ich mein Wissen erweitern und vertiefen. Besonders freue ich mich darüber, dass ich nun in der Lage bin, meine Studentinnen und Studenten aktiv zu beteiligen. Dadurch wurde der Wissenstransfer wesentlich verbessert.“