„Der Weg der zeitgenössischen afrikanischen Kunst nach Europa war weit, lang und mühsam.“ Mit diesen Worten eröffnete die Frankfurter Kunsthistorikerin Dr. Petra Skiba im November die Ausstellung „Bilder aus dem südlichen Afrika“. Zu sehen sind die Werke afrikanischer Künstlerinnen und Künstler im Hause der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn.
Seit 1996 veranstaltet die GTZ einmal im Jahr eine umfangreiche Kunstausstellung mit Werken aktueller Gegenwartskunst aus Ländern, in denen die Gesellschaft tätig ist. Hierzu gehören Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien und Skulpturen. Die Künstler stammen zum Beispiel aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem östlichen Europa.
Die Ausstellungen bieten Einblicke in fremde Kulturen, regen zur Diskussion an und ermöglichen das Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern. Zudem sind sie ein Forum für die Künstler, ihre Kunst einem Publikum außerhalb ihres Heimatlandes vorzustellen.
Gleichzeitig baut die GTZ ihre Kunstsammlung kontinuierlich aus, indem sie Kunstwerke aus der jeweiligen Ausstellung ankauft. Die Sammlung umfasst bereits etwa 100 Bilder und Skulpturen.

Dialog, Verständigung, Kommunikation – diese Begriffe sind in der internationalen Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung. Das Wissen um Werte und Normen der Partnerländer, gegenseitiges Verständnis sowie Sensibilität für die Kultur des Anderen bestimmen Erfolg oder Misserfolg der Zusammenarbeit. Kunst ist seit jeher ein wichtiges Medium für interkulturellen Austausch. Der Dialog durch Kunst und über Kunst lehrt viel über die jeweilige Kultur und weckt Interesse füreinander.
Anliegen der aktuellen Kunstausstellung ist es, auf die lebendige Kunstszene Afrikas hinzuweisen. Diese macht es möglich, Afrika kennen zu lernen und – zumindest zu einem Teil - zu begreifen. Denn Afrika ist für viele immer noch ein Begriff für das Unbekannte oder Geheimnisvolle.
Über 120 zeitgenössische Gemälde und Grafiken von 50 Künstlerinnen und Künstlern sind in der Ausstellung zu sehen. Diese stammen aus Botsuana, Lesotho, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Tansania.
Die alte afrikanische Kunst habe bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ihren Einzug in die Kunstmuseen gehalten. Im Gegensatz dazu sei die neue Kunst der unabhängig gewordenen Länder Afrikas weiterhin außen vor geblieben, so Petra Skiba. Afrikanische Kunst wurde vorher unter ethnologischen Gesichtspunkten beurteilt und, wenn überhaupt, in Völkerkundemuseen ausgestellt. Ihre wirkliche Aufwertung beim europäischen Betrachter begann im späten 20. Jahrhundert. Seither werde das Interesse an der zeitgenössischen afrikanischen Kunst immer stärker. „Sie ist nun bei uns angekommen“, freut sich Petra Skiba.

Was zeichnet die zeitgenössische afrikanische Kunst nun aus? Dr. Skiba führt aus: „Der Begriff ‚Kunst‘ ist, wie überall, auch in Afrika ein Produkt des aktuellen gesellschaftlichen Wandels. Die Künstler setzen sich immer wieder neu mit den unterschiedlichen Erfahrungen und Einflüssen auseinander. Diese können ganz verschieden sein: Es verbinden sich aktuelle Globalisierungseindrücke mit Traditionen und Bestandteilen des kulturellen Gedächtnisses.“ Afrikanische Kunst sei eine Kunst, die, wie jede andere auf dieser Welt, zum Denken anrege. Gleichzeitig sei sie sich ihrer Position in Raum und Zeit sehr wohl bewusst. So seien alle Werke der Ausstellung lebendige Botschafter afrikanischer Kultur und Politik.
Die Ausstellung in der GTZ macht deutlich, welch unterschiedliche Positionen Künstlerinnen und Künstler aus dem südlichen Afrika entwickelt und ausgebildet haben. Zum einen vor dem Hintergrund der vielfältigen Traditionen und zum anderen im Rahmen der internationalen zeitgenössischen Kunst.
Die GTZ ist ein weltweit tätiges Bundesunternehmen der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung. Sie unterstützt die Bundesregierung bei der Verwirklichung ihrer entwicklungspolitischen Ziele. Das Unternehmen ist in mehr als 130 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas, in den Regionen Mittelmeer und Mittlerer Osten sowie Europa, Kaukasus und Zentralasien tätig. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Die aktuelle Ausstellung ist noch bis zum 12. Februar 2010 im Haus der GTZ in Eschborn zu besichtigen. Ihr enormer Erfolg ist jetzt schon erkennbar: Über die Hälfte der Kunstwerke ist bereits verkauft.