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Nr. 82    1/2010
7 | 16

Haushaltsenergie im Brennpunkt

Solar kochen macht Schule

Rheinbacher Schülerinnen und Schüler bauen einen Solarkocher zusammen
Vergrößerung
Foto: Solarkochschule Rheinbach e.V.
Handarbeit, um die Kraft der Sonne anzuzapfen.
Erneuerbare Energien sind in vielen Schulen ein großes Thema. Die Solarkochschule e.V. in Rheinbach befasst sich beispielsweise mit der Sonnenenergie, genauer mit Solarkochern. Michael Bonke berichtet über die Arbeit seines Vereins und das Engagement der Rheinbacher Schulen.
 
Rauch in den Hütten
 
In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas wird für das tägliche Kochfeuer mehr Holz geschlagen, als nachwachsen kann. Dadurch breiten sich die Wüsten immer mehr aus und gleichzeitig müssen die Frauen, die das Holz sammeln, immer weiter laufen. Das kostet Kraft und Zeit – für die Feldarbeit und die Familie.
 
Häufig werden nur drei Steine um eine Feuerstelle gelegt, der Topf wird darauf gestellt und das Feuer darunter entfacht. Diese Methode verschwendet nicht nur eine Menge Holz, sie ist auch durch den Rauch sehr gefährlich.
 
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass an der "Indoor Air Pollution" (Innenraum-Luftverschmutzung) jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen sterben, vor allem Frauen und Kinder. Anders gesagt: Das Kochen auf diese Art tötet mehr Frauen und Kinder als Malaria.
 
Solarkochschule Rheinbach
 
Vor diesem Hintergrund gründete Renate Schönberg 2007 in Rheinbach den Verein Solarkochschule e.V. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulklassen und Schülergruppen über das Kochen mit Sonnenenergie an wichtige Themen heranzuführen. Den Anstoß lieferte ihr der Solarkocher von Dieter Seifert von der EG Solar der Staatlichen Berufsschule Altötting, der sich wegen seiner einfachen Konstruktion bewährt hat.
 
Ein Parabolspiegelkocher bündelt das Sonnenlicht auf einen Kochtopf, der in der Mitte des Spiegels in einer Aufhängung steht. Nur mit der Kraft der Sonne wird der Kochtopf erhitzt.
 
Ziel unseres Rheinbacher Vereins ist es, die Verwendung der Solarkocher zu fördern, bekannt zu machen und Schulen in armen Ländern damit zu versorgen. Mit Spenden kauft der Verein Parabolspiegelkocher, die an diese Schulen versandt werden. Sie werden so zu Multiplikatoren für den richtigen Einsatz und die weitere Verbreitung dieses Kochers in ihren Ländern.
 
Solarkocher als Botschafter sauberer Energie bekannt machen
 
Zwei ruandische und ein deutsches Mädchen sitzend vor einem SolarkochermodellFoto: Solarkochschule Rheinbach e.V. Vergrößerung Die "Klimabotschafterinnen" der Rheinbacher Solarkochschule e.V:Alle Rheinbacher Schulen besitzen einen Solarkocher. Zurzeit arbeiten wir eine Liste von 52 Bonner Schulen ab, die sich alle um einen Kocher beworben haben. Unter anderem hat auch die Johannes-Rau-Schule, in Anwesenheit von Christina Rau, einen Solarkocher bekommen.
 
Unser Fernziel ist, alle deutschen Schulen mit Solarkochern auszustatten. Diese sollen sowohl bei den passenden Unterrichtsthemen - beispielsweise in Physik, Erdkunde, Politik, Hauswirtschaft -  eingesetzt werden. Aber auch auf Schulfesten, bei Projektwochen und dergleichen ist ihr Einsatz von großer Bedeutung. Für alle ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie die unerschöpfliche Kraft der Sonne kostenlos und sauber das Kochen ermöglicht.
 
Sonnenkraft trifft auf Alufolie
 
Neben den technisch anspruchsvollen Parabolspiegelkochern bauen wir auch gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einfache Solarkocher aus Pappkarton und Alufolie, so genannte "Trichterkocher". Diese brauchen zwar deutlich länger zum Garen der Speisen, nämlich zwei bis vier Stunden, dafür kosten sie aber auch nur ein bis zwei Euro. Auf spielerische Weise bekommen die Schülerinnen und Schüler dabei ein Gefühl für das Prinzip der gebündelten Sonnenkraft und werden selbst kreativ tätig.
 
Während wir gemeinsam mit den Schülern die Parabolspiegel montieren, machen wir auf einem mitgebrachten Solarkocher Würstchen heiß, die anschließend von den Schülern verspeist werden. Ein überzeugender Beweis, dass die Kocher wirklich funktionieren - auch in Deutschland.
 
Schulpartnerschaften schlagen Brücken
 
Rheinbacher Schulklasse mit einem SolarkocherFoto: Solarkochschule Rheinbach e.V. Vergrößerung Saubere Energie: Rheinbacher Schulklasse mit einem SolarkocherWir ermutigen die Schüler, sich selbst einzubringen und für unser Projekt zu werben. Ein breites Engagement und Spenden ermöglichen es uns, weitere Solarkocher zu kaufen. Sie werden dann von uns an Partnerschulen in vielen Teilen der Welt versandt. Besonders in Regionen, die unter großer Brennstoffarmut leiden, wird der Solarkocher von den Menschen gut angenommen.
 
Überzeugungsarbeit ist gefragt, wenn es darum geht, die Vorteile und die Art der Handhabung des Kochers zu erklären. Das soll Menschen motivieren, sich möglichst bald von alten Kochgewohnheiten und dem gesundheitsschädlichen Drei-Steine-Feuer zu verabschieden.
 
Einige unserer Vereinsmitglieder kommen aus Ruanda oder Afghanistan. Sie arbeiten daran, Kontakte zu Schulen in ihren Heimatländern zu knüpfen und mit deutschen Schulen zu vernetzen. So können wir sicherstellen, dass die Kocher auch wirklich sinnvoll eingesetzt werden.
 
Inzwischen sind schon einige hundert Solarkocher aus Rheinbach in aller Welt im Einsatz. So unterstützten wir beispielsweise die Togohilfe vor vier Jahren mit 15 Parabolspiegeln, auch in Sri Lanka, Nigeria und dem Kongo stehen unsere Kocher in der Sonne.
 
Anerkennung beflügelt unsere Arbeit
 
Dass unsere Arbeit von der Öffentlichkeit wahrgenommen und gewürdigt wird, ist unsere Triebfeder weiter zu machen. Kürzlich wurde der Verein im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen 2010" für die Liste der Gewinner ausgewählt. Am fünften Mai wollen wir diesbezüglich in Rheinbach einen Aktionstag starten.
 
Auch die Ehrung eines unserer Mitglieder mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland beflügelt alle, die mitmachen. Udo Fredmüller hatte es für seinen unermüdlichen Einsatz für die Verbreitung des Solarkochers erhalten.
 
(Autor: Michael Bonke, Solarkochschule e.V., Rheinbach)

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