Was tun, wenn die Wege zum Feuerholz holen zu lang und beschwerlich sind? Woher nehmen, wenn bereits zu viele Bäume abgeholzt wurden? Wie vorgehen, wenn die Feuerholzsuche in einer nicht befriedeten Region mit der Gefahr von sexuellen Übergriffen, Gewalt und Demütigung verbunden ist? Wie kann gekocht werden, wenn Holz als einzige Energiequelle rar wird?
Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich Frauen und Mädchen auf dem Minembwe-Hochplateau in der Provinz Süd-Kivu herum schlagen. Haus- und Feldarbeiten sind in der Demokratischen Republik Kongo traditionell Aufgabe der Frauen und Mädchen.
In ihrer Not wandten sie sich an Gudile Nasine. Sie ist die Frauenbeauftragte von UGEAFI, einer kongolesischen Partnerorganisation von Oxfam Deutschland e.V.
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Ständiger Begleier: Angst vor Gewalt beim Holzsammeln
Foto: Oxfam Deutschland e.V.
Oxfam fördert Hilfsprojekte in mehr als 100 Ländern in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit über 3.000 lokalen Organisationen. Sie führt Hilfsmaßnahmen in Krisengebieten und bei Naturkatastrophen (Trinkwasser- und Sanitärversorgung) sowie Projektarbeit und Aufklärungskampagnen durch.
Gudile, selbst auf dem Hochplateau aufgewachsen, kennt die Sorgen und Nöte der Frauen im Kongo. Gemeinsam mit Gudile haben die Frauen ihr Projekt zum Bau von Energiesparherden geplant und mit Erfolg umgesetzt.
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Lehmziegel zum Herde- und Häuserbau
Foto: Philipp Ziser
Die Bauweise des Herdes ist dem Rocket Lorena aus Uganda nachempfunden. Das Modell ist in Ostafrika sehr gebräuchlich. Zum Bau benötigt man selbst gebrannte Ziegel. Sie bestehen aus einer Mischung aus Lehm, Sand und Stroh. Sie werden von den Frauen selbst hergestellt. Einziges Metallteil ist ein Ring, der wie eine Platte eingesetzt wird und auf dem der Topf steht. Die Frauen werden beim Bau der Öfen von einem erfahrenen Handwerker von UGEAFI angeleitet.
Seit 2007 wurden in einer ersten Phase 768 Energiesparherde auf dem Hochplateau gebaut. Bei einem Besuch vor Ort berichteten die Frauen den Mitarbeiterinnen von Oxfam Deutschland, dass sie wesentlich weniger Holz brauchen und dadurch Zeit sparen.
Gerade die benachteiligten jungen Frauen und Mädchen können diese gewonnene Zeit gut brauchen, um für die Schule zu lernen. Bildung, die sie auch an ihre Kinder weitergeben können.
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Gemeinsam stark: Frauengruppe in der DR Kongo
Foto: Oxfam Deutschland e.V.
Das Essen sei wesentlich schneller gar und schmeckt auch besser, berichten die Frauen. Da es sich bei den Herden um ein geschlossenes System handelt und die Töpfe fester stehen, sind auch die Verbrennungsverletzungen von Kindern selten geworden. „Der Raum ist nicht mehr voller Qualm und auch das Essen schmeckt besser“, betonen sie. Statt sechs Stunden Kochzeit sind es mit dem Herd nur noch eineinhalb Stunden. Das Essen sei heißer und man kann mehrere Dinge schneller bereiten. Zudem spendet der Herd saubere Wärme und Behaglichkeit und man braucht nicht mehr ständig zu husten. Diese Vorzüge würden auch zum „häuslichen Frieden“ beitragen, wird von den Frauen ebenfalls angemerkt.
Die Frauen sind begeistert von ihren Herden, vor allem, weil sie bei deren Bau selbst Hand angelegt haben. Das hat sich herum gesprochen. Weitere Frauen in der Gegend möchten ebenfalls solche Herde haben. Sie haben erkannt, es handelt sich um eine überzeugende Technologie, die die Lebensbedingungen der Frauen und Mädchen direkt verbessert.
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Bewährtes Lehmofenmodell in der Region
Foto: Oxfam Deutschland e.V./Vera Siber
Das Projekt ist nun in seine zweite Phase getreten: Weitere 900 Energiesparherde befinden sich im Bau. Parallel dazu richtet UGEAFI Baumschulen ein, denn wer Feuerholz braucht, verpflichtet sich gleichzeitig zur Wiederaufforstung.
Die Maßnahme ist nicht nur nachhaltig, sie ist auch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz: Weniger CO2-Ausstoß durch geringeren Feuerholzbedarf und Wiederaufforstung, damit auch kommende Generationen den Wald nutzen können.
Solarherde wären hier in der Region keine angemessene Energiequelle, denn die Sonneneinstrahlung ist zu gering, und bei den empfindlich kühlen Stunden und häufig verregneten Tagen im Hochland werden die Mahlzeiten in Kochhütten zubereitet.
Oxfam Irland und Oxfam Deutschland e.V. finanzieren dieses Projekt aus Mitteln ihrer Aktion „Oxfam unverpackt“.