Haushaltsenergie im Brennpunkt

Kochen auf dem Dach der Welt

Nepalesische Mutter mit Kind hockt vor einem Biogaskocher
Vom Hof in die Küche: Biogas statt Holz.
Foto: KfW Entwicklungsbank

In Nepal heizen und kochen die Menschen fast nur mit Holz oder Dung. Nahezu 90 Prozent des Primärenergieverbrauchs werden auf diese Weise gedeckt. Doch das bleibt nicht ohne Folgen, zumal die Bevölkerung stetig wächst und immer mehr Flächen für landwirtschaftlichen Anbau genutzt werden: Dadurch sind die Wälder im Laufe der Zeit deutlich weniger geworden. Und die unkontrollierte Entnahme von Brennholz erhöht den Druck auf den verbleibenden Wald.

Auch für die Menschen selbst ist das beschwerlich: Auf dem Land verbringen sie bis zu drei Stunden mit dem Sammeln von Feuerholz - traditionell eine Aufgabe von Frauen und Kindern.

In bäuerlichen Haushalten wird auch getrockneter Kuhdung als Brennstoff zum Kochen genutzt. Dadurch fehlt dieser Dünger in der Landwirtschaft, was zu geringeren Erträgen führt oder den Einsatz von teurem Kunstdünger notwendig macht.

Belastung der Atemwege

Beim Kochen mit Holz oder Kuhdung auf traditionellen Herden in Hütten ohne Rauchabzug verursacht der Rauch dann auch noch erhebliche Atemwegs- und Augenerkrankungen. Davon sind besonders Frauen und Kinder betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich weltweit etwa 1,6 Millionen Menschen durch diese „Inhouse Pollution“ vorzeitig sterben. Um all diesen Problemen beizukommen, hat man in Nepal vor geraumer Zeit begonnen, kleine Biogasanlagen zu errichten, als eigene Energiequelle direkt am Haus. Daran beteiligt ist auch die Kfw Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ).

„Da gärt was!“ Häusliche Biogasanlagen in Nepal

BIogasanlage auf einem Hof in Lalitpur, Nepal  Bild vergrößern Die Biogasanlage auf dem Hof Foto: KfW Entwicklungsbank

Die Regierung von Nepal fördert seit 1975 den Bau häuslicher Biogasanlagen, seit 1997 wird sie dabei von der KfW Entwicklungsbank unterstützt.

Die Biogasanlagen bestehen aus einem unterirdischen Behälter (Reaktor) und einem Leitungssystem, das das Gas zu den Brennstellen führt. Mit dem Gas werden Kocher und Lampen betrieben. Der Reaktor wird mit organischen Stoffen gefüllt.

Besonders geeignet ist der Dung von Haustieren, aber auch die Toilettenanlagen der Bauern können angeschlossen werden. Durch Gärung entsteht im Reaktor das Biogas. Schon zwei bis drei Rinder liefern genügend Dung, um eine kleine Anlage zu betreiben. Das Gas reicht für etwa 2-3 Stunden Kochen, genug für den Bedarf eines ländlichen Haushalts. Der vergorene Faulschlamm wird nach der Verwertung kompostiert und kann dann als Dünger verwendet werden.

Das Konzept ist so einfach wie erfolgreich und im letzten Jahr konnte die 200.000ste Anlage in Anwesenheit des Präsidenten feierlich in Betrieb genommen werden. Die KfW-Mittel werden insgesamt noch etwa zwei Jahre reichen - und dann soll auch die 250.000ste Anlage gebaut sein. Das Gesamtpotenzial in Nepal wird auf mehr als zwei Millionen Anlagen geschätzt.

Lokales Know-how und internationale Unterstützung

Nepalesische Mutter mit Sohn in Bhaktgapur, Nepal In der Küche beim KochenBild vergrößern Mehr Zeit für die Familie mit Biogas Foto: KfW Entwicklungsbank

Die Biogasanlagen werden von einer großen Zahl zumeist kleiner nepalesischen Firmen gebaut. Mehr als 10.000 Menschen haben im Biogassektor Beschäftigung gefunden – Tendenz steigend. Die Biogasanlagen bestehen zu nahezu 100 Prozent aus örtlich verfügbaren Baustoffen und im Lande hergestellten Komponenten. Sie sind relativ einfach zu bauen, robust und haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von mehr als 15 Jahren.

Die Anlagen gibt es in verschiedenen Größen. Die kleinste in diesem Programm hat ein Volumen von vier Kubikmeter, die größten umfassen acht Kubikmeter. Die Anlagen zu errichten, kostet zwischen 300 Euro und 500 Euro, Beträge die eine bäuerliche Familie in Nepal nur mit Mühe aufbringen kann.

Hier greift die Unterstützung durch Deutschland beziehungsweise die KfW. Bisher wurden mehr als 22,5 Millionen Euro bereitgestellt. Ein Teil der Mittel wird für Baukostenzuschüsse verwendet. Der andere Teil speist einen Fonds, der die Vergabe von günstigen Krediten für den Biogasanlagenbau ermöglicht.

Die Zuschüsse von KfW und der nepalesischen Regierung betragen rund ein Viertel der Baukosten, die restliche Summe müssen die Bauern selbst tragen. Hierfür können sie allerdings auch auf die Kredite aus einem Fonds zurückgreifen. Der Fonds wird aus Mitteln der Finanziellen Zusammenarbeit gespeist. Die finanziellen Mittel werden über das Alternative Energy Promotion Center (AEPC) geleitet. Damit können Banken und Mikrofinanzierungsorganisationen günstige Refinanzierungsmöglichkeiten für die Darlehen zur Finanzierung des Eigenbeitrages der Bauern bieten.

Frauen und Kinder profitieren...

Eine junge nepalesischen Bäuerin kocht mit Biogas Bild vergrößern Nepal: Kochen mit pflanzlichen Biogas Foto: KfW Entwicklungsbank

Die Biogasanlagen bewirken gleich in mehrfacher Hinsicht Positives: Das lästige Sammeln von Brennholz und Dung entfällt. Davon profitieren vor allem Frauen und Kinder. Auch die Gesundheitsbelastung durch schädlichen Rauch im Innern der Häuser verringert sich. Durch den Anschluss der häuslichen Latrinen und die Verwendung des vergorenen Faulschlamms als Felddünger verbessern sich auch die hygienischen Verhältnisse. Faulschlamm ist als Dünger hochwertiger als der unvergorene Dung.

… und es ist gut für Umwelt und Klima

Durch die Biogasanlagen wird weniger Feuerholz gebraucht, in erheblichem Umfang Holzeinschlag vermieden und die Belastung der durch CO2 und Methan-Emissionen reduziert.

Das nepalesische Biogasprogramm ist beim weltweiten „Clean Development Mechanism“ (CDM) registriert. Die AEPC hat mit der Weltbank einen Vertrag über den Kauf von durch das Programm generierte CO2-Zertifikate im Wert von sieben Millionen US Dollar abgeschlossen. Ein ähnlicher Vertrag mit dem KfW Klimaschutzfonds ist in Vorbereitung. Mit diesen zusätzliche Einnahmen sollen in Nepal auch in Zukunft weitere Biogasanlagen das Leben der Bauern verbessern und Klima und Umwelt schützen helfen.

Kontext