Jeder weiß: Wälder sind Wasserspeicher und produzieren Sauerstoff. Sie sind also ökologisch wertvoll und für Mensch und Tier lebenswichtig. Weltweit sind Wälder aber in Gefahr und stehen unter immer größerem Nutzungsdruck, besonders in armen Ländern. Sie werden großflächig verbrannt oder abgeholzt. Was übrig bleibt, wird als Brennholz nach Hause getragen.
Über zweieinhalb Milliarden Menschen kochen mit Holz – vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika. Über offenem Feuer zu kochen bedeutet nicht nur Gefahren für die Gesundheit, sondern auch einen großen Energieverlust. Um den Kochbedarf einer einzelnen Person zu decken, sind jährlich bis zu 700 Kilo Brennholz erforderlich. Die Folge von Abholzung sind Erosion und Erdrutsche mit teilweise katastrophalen Auswirkungen.
Auch auf der philippinischen Insel Leyte, einem Paradies mit Palmenstrand, sterben Wälder, weil mit Holz gekocht wird. Auch hier macht der giftige Rauch der offenen Feuer die Menschen krank. Nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr 1,6 Millionen Menschen in Folge der schadstoffbelasteten Raumluft, die durch offenes Feuer verursacht wird. Doch andere Brennstoffe sind für die überwiegend armen Menschen zu teuer. Umweltfreundliche Alternativen sind daher dringend notwendig.
Gefragt war also ein Hightech-Kocher in bester Qualität, der einfach zu handhaben ist und Umwelt und Ressourcen schont. Sein Kaufpreis musste aber für Familien in Entwicklungsländern erschwinglich sein. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der deutschen Universität Hohenheim und deutschen Unternehmen ist dieser Spagat gelungen.
Man wusste: Ölpflanzen wie beispielsweise Kokospalmen sind weit verbreitet. Die Philippinen etwa produzieren 40 Prozent des Weltmarktes an Kokosöl. Aber auch das Öl sonst kaum brauchbarer Pflanzen wie Jatropha eignet sich als Brennstoff. Somit entstand nach grundlegender Forschung der Universität Hohenheim ein Pflanzenölkocher, der weltweit einsetzbar ist. 2003 übernahm die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH diese Technologie auf und entwickelte sie mit Partnern aus Wissenschaft und Umwelt bis zur Serienreife weiter.
Die zusammen mit der Universität Hohenheim getätigte Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und anderen Förderinstitutionen unterstützt. Auch die Bundesregierung finanziert das Projekt aus Mitteln des Public Private Partnership-Programms (PPP) mit. PPP sind Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft, siehe Link.
Mit Hilfe einer Luftpumpe wird in einem mit Öl gefüllten Tank Druck aufgebaut. Hierdurch fließt das Öl in das Verdampferrohr aus Edelstahl, wo es durch die Wärmezufuhr der Kocherflamme verdampft. Der nun gasförmige Brennstoff tritt aus einer Düse aus, vermischt sich im Brennraum mit Umgebungsluft und verbrennt in einer blauen Flamme. Die Stärke der Flamme kann mit einem Ventil in der Ölleitung geregelt werden.
Gemeinsam mit der Leyte University auf den Philippinen wurden über hundert Pflanzenölkocher unter Alltagsbedingungen auf der philippinischen Insel Leyte getestet. Diese Tests lieferten wichtige Informationen für die Weiterentwicklung und Optimierung der Technologie.
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Pflanzenkraft: : Befüllen des Protos-Druckbehälters mit Palmöl
Foto: BSH- Bosch und Siemens Hausgeräte
Mit der Bioenergie der Kokosnüsse schnell und sauber kochen zu können, das war eine völlig neue Erkenntnis für die Bauern von der Kooperative Ciabo auf Leyte. Sie liefern das Kokosöl für den lokalen Markt.
Aber nicht nur die Kokospalme, auch andere nachwachsende Rohstoffe eignen sich zur Gewinnung von regenerierbarer Energie: Zum Beispiel Pflanzen wie Raps, Sonnenblumen, Rizinus und Soya. Gerade das macht den Kocher für einen Einsatz in Entwicklungsländern interessant.
Doch es gibt noch andere Vorteile: Professor Roberto Guarte von der Leyte State University fasst zusammen: "Die Produktion von Pflanzenöl durch die Kooperative garantiert eine sichere und nachhaltige Energie für Pflanzenölbauern. Das bringt mehr Einkommen für die Bauern und Gewinne für die Kooperative, schafft Arbeitsplätze auf dem Land und schützt die Umwelt."
Die Zielgruppe des Pflanzenölkochers sind arme Bevölkerungsschichten, die bisher auf teures Holz, Holzkohle oder Kerosin angewiesen sind oder keine anderen Brennstoffe kaufen können. Ein Infomobil vermittelt den Umgang mit dem Pflanzenölkocher, der einfach zu handhaben, umweltfreundlich und kostengünstig ist. Das schafft Akzeptanz und sensibilisiert für den Umweltschutz.
Für Dirk Hoffmann, Vertriebsbereichsleiter bei BSH, liegen die Vorteile klar auf der Hand: "Der Pflanzenölkocher Protos wurde ganz gezielt für den Einsatz in Schwellen- und Entwicklungsländern entwickelt. Er verbindet für mich in geradezu idealer Weise ökonomische und ökologische Aspekte, und durch seine emissionsarme Verbrennung leistet er auch einen sehr wichtigen Beitrag für die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung." Der Kocher schafft aber auch zusätzliche Arbeitsplätze in der Region.
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Demonstration des Protos-Kochers auf den Philippinen
Foto: BSH
Eine Nutzerin ist Tita Avelana, eine philippinische Hausfrau. Auch ihre praktischen Erfahrungen tragen zur weiteren Entwicklung einer angepassten Technologie bei. Sie sieht die Vorteile des Kochers besonders darin, dass er für sie finanziell erschwinglich ist. "Darüber hinaus spare ich Platz und Zeit, denn das Kochen geht schnell, ist sparsam und sauber ohne giftigen Rauch." Ihre Nachbarin, die ein eigenes Restaurant betreibt, ist von dem Kocher, der eigens für zwei Kochstellen konstruiert ist, ebenfalls begeistert. Geschäfte auf der Insel haben die Pflanzenölkocher bereits im Angebot.
Die BSH strebt eine langfristige Verbreitung in Asien, Afrika und Lateinamerika an. Überall dort, wo ökologische, soziale und ökonomische Alternativen zum Raubbau am Wald notwendig sind, soll der Kocher seinen Beitrag leisten.
An der Leyte State University der Philippinen wird weiter daran geforscht, die eigenen Ressourcen besser zu nutzen. Dabei steht der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund. Gibt man dem naturnahen Regenwald und der Umwelt eine Chance, sichert man damit auch die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen. Energie aus Pflanzenöl als sinnvolle Alternative zum Brennholz eröffnet somit für den Pflanzenölkocher aus Deutschland ein weites Feld.
Der Kocher wird derzeit in mehreren Feldtests geprüft. Läuft alles nach Plan, soll schon bald die Serienproduktion in Indonesien beginnen. Danach will BSH den Protos überall dort auf der Welt einführen, "wo es Bedarf und genügend Pflanzenöl gibt", sagt BSH-Projektleiter Samuel Shiroff. "Eine Herausforderung sehen wir in der Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung mit nachhaltig produziertem Pflanzenöl. Für uns ist das nicht nur eine Preisfrage, sondern vor allem auch eine Frage der Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Was wir auf keinen Fall wollen, ist ein Preisanstieg bei Öl oder anderen Nahrungsmitteln."