Haushaltsenergie im Brennpunkt

Energie zum Kochen – ein Grundbedürfnis

Hausfrau in Uganda zündet ihren neuen Energiesparofen an
Sicher und effizient kochen mit dem "Rocket Lorena"
Foto: GTZ/Laumanns

Wasser aufsetzen, Nudeln in den Topf geben und zehn Minuten kochen lassen. Nebenbei Soße aufwärmen - und fertig ist das Essen.

Was für uns so einfach ist, stellt viele Menschen in Entwicklungsländern vor Probleme. Um ihre Nahrung zuzubereiten, müssen sie sich ihr Brennholz mühsam sammeln oder viel Geld für Brennstoff ausgeben. Alternativen wie Elektrizität oder Gas sind vor Ort häufig nicht verfügbar, nicht bezahlbar oder die nötigen Geräte sind einfach zu teuer.

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung kocht mit Biomasse, also mit Holz, Dung, Agrarabfällen oder Holzkohle, auf offenen

Afrikanische Frau mit ihren Kindern am Drei-Steine-Feuer beim Essen kochen.

Feuerstellen oder traditionellen Herden. Ineffiziente Verbrennung und steigende Bevölkerungszahlen bedeuten einen zunehmenden Bedarf an Brennstoff, der einhergeht mit Entwaldung. Weitere Wege beim Holzsammeln und steigende Preise belasten arme Familien zusätzlich.

Doch nicht nur die Umwelt ist gefährdet, sondern auch die Gesundheit, hauptsächlich von Frauen und Kindern. Sie sind dem beißenden Qualm oft schutzlos ausgeliefert, der durch das Verbrennen von Biomasse in offenen Feuern entsteht.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich 1,5 Millionen Menschen an Infektionen der Atemwege sterben, die durch den Rauch der Feuerstellen verursacht werden.

Verbrauch und Emissionen senken 

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der niederländischen Regierung unterstützt die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) den Zugang zu Energie für Haushalte, Institutionen und kleinere Betriebe. Vor allem in Afrika und Lateinamerika unterstützt sie Projekte, die die Produktion und Vermarktung effizienter Technologien zum Kochen fördern.

Dona Claudia (rechts) kocht mit ihrer Nachbarineinem in einem kleinen Dorf bei Monteagudo in Bolivien

Konkret bedeutet dies, Metallhandwerker, Maurer oder auch Frauengruppen im Herstellen von Kochherden und Öfen sowie Unternehmensführung auszubilden und sie beim Marketing zu unterstützen. Informations- und Werbekampagnen spielen ebenfalls eine große Rolle.

„Früher tränten mir dauernd die Augen, ich hatte oft Husten und Probleme mit dem Atmen“, erinnert sich Doña Claudia. „Jetzt kann ich sogar meine kleine Tochter in der Küche alleine lassen ohne mir Sorgen zu machen, dass sie sich verbrennen könnte.“ Ein geschlossener Lehmherd steht in ihrer Küche an der Stelle, wo früher mal drei Steine lagen.

Die Bäuerin aus einem kleinen Dorf in Bolivien entschied sich für den Energiesparherd, weil der den Rauch per Schornstein aus der Küche leitet.

Armut mindern mit Energiesparherden

Mehrere afrikanische Frauen kochen mit dem Rocket Stoves-Prinzip für eine große Schule.

Der Malena-Herd beruht auf dem Rocket Stove-Prinzip, einer ellbogenförmigen Brennkammer, die ein ehemaliger NASA-Ingenieur entwickelt hat. Rocket Stoves sparen zwischen 40 und 80 Prozent an Feuerholz ein und geben bei richtiger Benutzung kaum noch Rauch ab. Kleinere Herde werden von Familien benutzt, größere mit bis zu 120 Liter Töpfen in Schulkantinen oder kleinen Restaurants eingesetzt.

Je nach Modell, Größe und Land liegen die Preise von Rocket Stoves für Haushalte zwischen drei und 15 Euro. Bei Kantinenherden sind es zwischen 90 und 200 Euro. Manchmal erfolgt die Zahlung auch durch bereitgestellte Arbeitskraft, Baustoffe oder ein Huhn.

Hightech – ganz einfach

Ob aus Lehm und Stroh, Metall oder Ziegelsteinen – je nach Bedarf, lokal verfügbaren Materialien und Kosten können fest installierte oder transportable Rocket-Stoves hergestellt werden. Denn unterschiedliche Kochgewohnheiten erfordern differenzierte Lösungen. Damit Menschen sich auf einen neuen Herd einlassen, muss er auch Vorteile für die Köche bringen. 

„Aus Umweltschutzgründen wechselt niemand von einem Drei-Steine-Feuer auf einen Energiesparherd“, weiß Marlis Kees aus Erfahrung. Die Leiterin des Sektorprogramms „Armutsorientierte Energiegrundversorgung“ der GTZ erläutert: „Effiziente Herde müssen modern erscheinen, sie müssen bezahlbar, leicht zu bedienen und wirklich sparsam sein. Nur dann werden sie auch benutzt.“

In Uganda ist der Rocket Lorena bereits zu einem Verkaufsschlager geworden. Etwa eine halbe Million Haushalte kochen darauf. Jeder Herd spart jährlich eine Tonne Holz. Das schont den Wald und das Haushaltsbudget der Familien. Gleichzeitig schaffen Produktion und Verkauf der Herde Arbeitsplätze und Einkommen.

Technologische Grenzen

Eine äthiopische Frau stehend backt Injeera-Btrot, das Grundnahrungsmittel in Äthiopien.

Auch Rocket Stoves sind nicht überall einsetzbar. Beispielsweise in Äthiopien, wo die Herstellung des traditionellen Injeera-Brotes eine flache Platte mit circa 60 Zentimenter Durchmesser benötigt. Diese muss gleichmäßig sehr heiß werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, unterstützt die GTZ die Verbreitung des Mirt-Herdes, der aus einem Zementring und einer Metall- oder Tonplatte besteht. Im Vergleich zum offenen Feuer spart er bis zu 50 Prozent an Feuerholz ein.

Generell gilt aber: selbst die beste Technologie kann nur gut funktionieren, wenn sie auch richtig genutzt wird. Deshalb schult die GTZ mit ihren Partnerorganisationen die Menschen vor Ort in der Anwendung der Geräte. Feuerholz muss trocken gelagert werden und möglichst klein gehackt werden. Und auf den Kochtopf gehört ein Deckel.

Gemeinsam für eine nachhaltige Energieversorgung

Wie kann es gelingen, dauerhaft eine saubere, sichere und gesunde Energiegrundversorgung für 2,5 Milliarden Menschen zu gewährleisten? Welchen Beitrag kann diese zu Armutsminderung und Klimaschutz leisten? Und welche Lösungen und Erfolge gibt es bereits? Um solche und weitere Fragen zu beantworten, veranstaltet das GTZ-Sektorvorhaben armutsorientierte Energiegrundversorgung (HERA) spezielle Fachtagungen.

Bei der letzten Fachtagung in Bonn trafen sich 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von über 30 Entwicklungsorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Ziel der Veranstaltung war unter anderem eine stärkere Vernetzung deutschsprachiger Entwicklungsorganisationen, die sich mit Haushaltsenergie beschäftigen.

(Autorin: Lisa Feldmann, GTZ, Sektorvorhaben armutsorientierte Energiegrundversorgung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit , Eschenborn)

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