Tsunami

Wiederaufbau auf Sumatra

Reste von zerstörten Häusern türmen sich am Wasser.
Folgen des Tsunami in Banda Aceh 2004
Foto: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004 flimmerten die ersten unscharfen Bilder einer der größten Naturkatastrophen der letzten hundert Jahre über Millionen Fernsehbildschirme. Mehrere Länder Süd- und Südostasiens waren von einem Tsunami erfasst worden, der durch ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra ausgelöst wurde. Diese ersten Bilder, meist aufgenommen von arglosen Touristinnen und Touristen, erschütterten Jeden. Die Heftigkeit der Katastrophe, die 230.000 Menschenleben kostete, brach in die spätweihnachtliche Gemütlichkeit ein und löste in Deutschland eine bislang unübertroffene Spendenbereitschaft aus.

Mehr als 500 Millionen Euro spendeten allein die deutschen Privathaushalte. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. erhielt finanzielle Zuwendungen in einer Gesamthöhe von rund 13,8 Millionen Euro. Ein Anteil von 5,8 Millionen Euro wurde aus privaten Haushalten direkt an die Johanniter gespendet. Über das Spendenbündnis Aktion Deutschland Hilft e.V. wurden weitere 7,7 Millionen Euro an die Johanniter gezahlt. Auch das Auswärtige Amt unterstützte die Arbeit der Organisation mit rund 300.000 Euro. Eine solch große Summe erhält eine Hilfsorganisation nicht jedes Jahr.

Langfristige Hilfsprojekte

Für die Johanniter war schnell klar, dass sie nach der akuten Nothilfephase auf ein wohlüberlegtes, langfristiges Engagement setzen wollen. Die Arbeit der Johanniter konzentrierte sich dabei auf die Länder Sri Lanka und Indonesien. Die Liste der geförderten Projekte in diesen Ländern ist lang. Der Wiederaufbau von Gesundheitsstationen und Schulen, sowie Projekte zur Gesundheitsaufklärung und Stärkung von Frauen durch die Unterstützung von Kleinstgewerben standen auf dem Programm. Aber auch Kurse zu traditionellen Heil- und Behandlungsmethoden, orthopädische Hilfe für Tsunami-Opfer und der Bau von Orthopädiewerkstätten wurden umgesetzt.

Eien Frau versorgt einen auf dem Boden liegenden Mann.Bild vergrößern Auf den Notfall vorbereitet sein Foto: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Beim Einsatz in Indonesien stützte sich die Organisation aber auch auf eine ihrer ureigenen Kernkompetenzen: die Erste-Hilfe Ausbildung. Auf der Insel Sumatra läuft zum Beispiel noch bis Ende nächsten Jahres ein Projekt. Internationale Expertinnen und Experten bilden dort Menschen zu Trainerinnen und Trainern in Erster Hilfe aus, die ihr Wissen an die lokale Bevölkerung weitergeben sollen. Die Fachleute zeigen an Schulen, Universitäten und auf den Dörfern in kostenlosen Kursen das richtige Verhalten im Notfall.

Comics unterstützen Ausbildung

„Die Trainer haben eine packende Art, das rüber zu bringen“, sagt Jutta Meissner, Fachbereichsleiterin der Auslandshilfe für den Raum Südostasien. Gut 40.000 Personen wurden so in 2.000 eintägigen Kursen geschult. Dabei wird auch das  richtige Verhalten bei Naturkatastrophen in der häufig von Erdbeben heimgesuchten Region gezeigt. Eigens angefertigtes Lehrmaterial in Form eines Comics unterstützt dabei das praktische Lernen und motiviert Kinder und  Erwachsene gleichermaßen.

Der Tsunami hat gezeigt, dass das Überleben von Verletzten stark davon abhängt, wie schnell sie Hilfe erhalten. Der sicherste Weg Hilfe zu garantieren, ist die direkte Ausbildung der Menschen in den Regionen. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit und Regelmäßigkeit von Naturkatastrophen betroffen sind.

Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen

„Die Arbeit der Johanniter in Indonesien hat sich gut entwickelt, weil stets die lokalen Verhältnisse berücksichtigt wurden – und ein Großteil der Hilfsprojekte zusammen mit örtlichen Organisationen gestemmt wird“, erklärt Meissner. „Wir fördern diese und können so von deren Beziehungen und Ortskenntnissen profitieren. Nur so war Hilfe da möglich, wo sie auch benötigt wurde.“

Der Druck auf die Organisationen, ihre Gelder schnell einzusetzen und Projekte zu realisieren war in der Zeit nach dem Tsunami enorm. „Unsere Mitarbeiter in Indonesien haben sich davon aber nicht beirren lassen. Sie haben ausgesprochen besonnen und gezielt Projekte ausgesucht, die eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen ermöglicht haben", berichtet Meissner.

Wegen der großen Spendenbereitschaft im Jahr 2004 können die Johanniter bis zum Jahr 2011 nachhaltige Projekte in verschiedenen Regionen Indonesiens unterstützen und den Menschen eine dauerhafte Lebensgrundlage schaffen.

(Autorin: Evamaria Haupt, Öffentlichkeitsarbeit Auslandshilfe, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Berlin)

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