Ägypten

Ägypten: Politische Bildung für Imame

Ägyptische Imame, die in der muslimischen Gesellschaft eine große Rolle spielen, in einem Seminar der Konrad-Adenauer-Stiftung
Politische Seminarreihe für ägyptische Imame
Foto: KAS/A. Jacobs

Vorbeter (Imame) spielen in muslimischen Gesellschaften eine wichtige Rolle. Sie erfüllen nicht nur seelsorgerische Aufgaben, sondern schlichten in familiären Konflikten. Sie helfen bei persönlichen, finanziellen und beruflichen Problemen und sind wichtige politische und gesellschaftliche Meinungsbilder.

Multiplikatoren und Meinungsmacher

Als Meinungsmacher haben sie in Ägypten oft ähnlich viel Autorität wie Universitäten, Medien und sogar die Familie. Umso erstaunlicher ist es, dass es in Ägypten kaum Angebote der politischen Erwachsenenbildung gibt, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen von Imamen zugeschnitten sind.

An einem solchen Angebot besteht erheblicher Bedarf. Ägyptische Imame sind lediglich theologisch ausgebildet. Mit ihrer gesellschaftlichen Rolle sind sie oft überfordert. Systematisches Wissen über weltpolitische Probleme, über politische Grundbegriffe und über die Entwicklung politischer Systeme und Reformprozesse müssen sie sich weitgehend selbst aneignen.

Die Moschee als Bildungsstätte

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und das Cairo Center for Civic Education and Development (CCCED) - eine von Politikwissenschaftlern der Kairo Universität gegründete unabhängige Nichtregierungsorganisation - haben deshalb eine Seminarreihe zu Fragen der politischen Bildung entwickelt . Die Seminarreihe richtet sich speziell an ägyptische Imame.

KAS und CCCED bieten bereits seit 2008 mehrtägige Bildungsveranstaltungen für Imame aus der ägyptischen Hauptstadt an. Dies geschieht mit Zustimmung und Unterstützung des Ministeriums für Religiöse Angelegenheiten. Tagungsort ist die bekannte Salah el-Din Moschee im Zentrum Kairos.

Jeweils 30 Teilnehmer, darunter die Imame der größten Kairoer Moscheen, diskutieren im Laufe der mehrtägigen Seminare mit landesweit bekannten Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Fachleuten. Dabei geht es um Fragen der internationalen Politik, aber auch um die innenpolitische und gesellschaftliche Entwicklung Ägyptens.

Eine Vielzahl von Themen stehen hierbei auf dem Programm: Globalisierung, Menschenrechte, Reformpolitik, die Rolle der Frau und nicht zuletzt die Idee und Praxis interreligiöser Verständigung. Darüber hinaus wurden Trainings-Module für Rhetorik, Konfliktlösung, Diskussionsführung und Medienarbeit angeboten.

Zielgruppe mit gesellschaftlicher Verantwortung

Ägyptische Imame sitzend in einem ZuhörerraumBild vergrößern KAS-Seminare verschaffen Demokratieverständnis und Toleranz Foto: KAS/A. Jacobs

Die Konrad-Adenauer-Stiftung Ägypten erschließt mit diesem Programm eine neue und keineswegs einfache Zielgruppe. Dementsprechend gründlich wurde das Programm inhaltlich vorbereitet und abgewogen.

Trotzdem mussten eine Reihe von Vorbehalten bei Teilnehmern und Behörden ausgeräumt werden. Nachdem aber klar war, dass es lediglich um ein freiwilliges Informations- und Bildungsangebot geht, war das Interesse groß. „Wir Imame wissen, dass wir gesellschaftliche Verantwortung tragen“, so ein Teilnehmer. „Solche Workshops helfen uns dabei, diese Verantwortung besser wahrzunehmen.“

Die Offenheit, der Kenntnisstand und die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer waren dementsprechend erfreulich. Viele sind 30 und 40 Jahre alt, gut ausgebildet und waren zum Teil sogar in Europa tätig. Diese Gruppe weckt Hoffnung auf eine neue Generation weltoffener und moderater Geistlicher in Ägypten und darüber hinaus.

(Dr. Andreas Jacobs, Kairo, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ägypten)

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