Entwicklungsprojekt

Auf einen langen Atem kommt es an

Frauen an einem Wasserkanal des landwirtschaftlichen Entwicklungsprogramm Mali-Nord
Wasserkanäle für die Felder Malis
Foto: B. Rocksloh-Papendieck

Die Republik Mali ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das Entwicklungsprogramm "Mali-Nord" der Bundesregierung hat in dem westafrikanischen Land unter schwierigen Bedingungen viel in Gang gesetzt und viel erreicht. 1994 bis 2009 - 15 Jahre -, ein Grund für einen Rückblick.

Der Norden Malis leidet unter schwierigen klimatischen Bedingungen. Durch seine Tuareg-Rebellionen (1989 – 1994) machte er von sich Reden. Forderungen der Tuareg nach Selbstverwaltung waren Auslöser der Rebellion. Sie blockierte jede Entwicklung im Norden des westafrikanischen Landes.

Mitte der 1990er Jahre gelang es, den Bürgerkrieg einzudämmen. Daraufhin beauftragte das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die KfW-Entwicklungsbank damit, das Programm "Mali-Nord“ zu starten.

Den Norden zu befrieden, war ein zentrales Anliegen der ersten 1991 demokratisch gewählten Regierung Malis. Das Programm "Mali-Nord" leistete den deutschen Beitrag dazu.

Ziel des Programms war es, den sozialen und ökonomischen Stabilisierungsprozess in den vom Tuareg-Konflikt betroffenen Nordregionen zu unterstützen und zur Befriedung dieser Region beizutragen. Im Mittelpunkt stand die Region von Timbuktu.


Projektziele

  • Rückführung und Erstversorgung der zurückgekehrten Flüchtlinge
  • Instandsetzung und Neubau von Brunnen und öffentlichen Einrichtungen
  • Wiederaufbauhilfe für Haus und Hof
  • Existenzgründungszuschüsse und Darlehen für Kleinbetriebe und Einzelhändler
  • Anlage gemeinschaftlicher dörflicher Bewässerungsflächen
  • Wiederbelebung von Strukturen dörflicher Verantwortung

Was erreicht wurde

  • Etwa 100.000 Menschen sind an ihre Herkunftsorte zurückgekehrt, haben sich dort dauerhaft wieder angesiedelt und bestreiten heute selbständig ihren Lebensunterhalt.
  • In 45 ländlichen Gemeinden sind über 80 öffentliche Gebäude wie Schulen und Rathäuser neu entstanden oder wurden vollständig instand gesetzt.
  • Weiter entstanden sechs Gesundheitsstationen, eine Gendarmerie sowie zwei moderne Märkte.
  • Zudem wurden 200 offene Schachtbrunnen und 13 Wasserversorgungsanlagen gebaut.
  • 400 Bewässerungsfelder (12.000 Hektar) sind entstanden. Rund 48.000 Menschen bewirtschaften die Flächen und ernähren mit den hierangebauten Reis unter anderem ihre Familien mit insgesamt rund 240.000 Menschen,die Hälfte der Bevölkerung dieses Raums. Daneben verkaufen sie einen guten Teil ihrer Produktion an die umliegenden Dörfer und zur Versorgung der großen Städte Timbuktu, Gao, und Mopti.

Fazit: Durch das Programm "Mali-Nord" und die Arbeit von GTZ und KfW wurde neben dem Wiederaufbau von Verwaltung und Infrastruktur auch zu einer erheblichen Verringerung des Konfliktpotenzials und zur Stabilisierung der Wirtschaft beigetragen.

Motoren- und Wasserpumpen-Montage- und Servicestation in Mali Bild vergrößern Für die Felder Malis: Wasserpumpen aus Deutschland Foto: B. Rocksloh-Papendieck

Projektleiter Henner  Papendieck: „Das Programm 'Mali-Nord' hat bewusst den Menschen von Anfang an Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Die Menschen sollten den Wiederaufbau ihrer Dörfer, die Instandsetzung der Brunnen und die ländliche Entwicklung in die eigenen Hände nehmen.“

Mittel der Entwicklungszusammenarbeit hatten dazu gedient, lokale Wirtschaftskreisläufe anzukurbeln und die Grundlage für eine positive mittelfristige Entwicklung zu legen. Viehzucht und Ackerbau nahmen einen ungeahnten Aufschwung. Der malische Ort Léré beispielsweise wurde innerhalb weniger Jahre zum größten Viehmarkt des Nordens.

Mit dieser Entwicklung wurden die Grundlagen für die künftige Gemeindeentwicklung gelegt. Die Bauaufträge zum Wiederaufbau erhielten Unternehmen aus der Region. Das Investitionsprogramm wurde dadurch zum Motor der regionalen Wirtschaftsentwicklung.

Lebensader Niger

Der Fluss Niger, die Lebensader des Landes, durchzieht die Region von Timbuktu. Früher wurden die Flächen durch Hochwasser einmal im Jahr überschwemmt. Dafür reicht der Wasserstand des Niger aber nicht mehr aus. Heute wird das Wasser mit Pumpaggregaten auf die Felder gebracht.

Hier setzte das "Programm Mali-Nord" seit 1997 systematisch an. Es  konzipierte ein arbeitsintensives Programm der dörflichen Kleinbewässerung - ohne Einsatz von Maschinen. Dazu schließen sie sich in Gruppen von 120 bis 160 Kleinbauern und –bäuerinnen zusammen. Die eigene Parzelle bewirtschaftet jeder individuell.

Frauenrechte stärken

Malische Frauen baum Herrichten eines BewässerungsfeldesBild vergrößern Gemeinsam stark: Benachteiligte Frauen erhalten eine Parzelle Foto: Mali-Nord/B. Rocksloh-Papendieck

Frauen sind in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung häufig benachteiligt. Deshalb galt ihnen ein besonderes Augenmerk. Sie sind in sämtlichen Phasen des Reisanbaus, besonders aber der Reisverarbeitung beteiligt. Auf den ‚normalen‘ Bewässerungsfeldern erhalten in der Regel nur Witwen oder Alleinstehende eine Parzelle. In fünf Dörfern mit gut organisierten Frauengruppen sind eigene Bewässerungsfelder nur für sie entstanden. Mittlerweile gibt es rund 800 Nutzerinnen auf knapp 200 Hektar. Die Erträge sind hoch und die Rücklagen vorbildlich.

"Was, glauben Sie, war der Erfolg des Projektes?", fragten wir die Entwicklungssoziologin Barbara Rocksloh-Papendieck abschließend:

  • „Nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus;
  • lokales Wissen und lokale Kräfte sind der Schlüssel zum Erfolg;
  • die Nutzer von Anfang bis Ende einbinden;
  • und - auf den langen Atem kommt es an!“

Das Programm "Mali-Nord" geht in seiner bisherigen Form zu Ende. Die Kleinbewässerung im Norden Malis soll allerdings in Zusammenarbeit von GTZ und KfW Entwicklungsbank fortgesetzt werden.

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