Herausforderung Klimawandel

Osttimor: Klimawandel bedroht Inselstaat

Sonnenuntergang am Strand
Verletzliche Idylle
Foto: Philipp Ziser

Wer sich in einem Liegestuhl vor einer der Bars in Küstennähe in Dili, der Hauptstadt Osttimors, räkelt, hat die pure Idylle vor Augen: Strand, Fischerboote und spielende Kinder. Doch der Schein trügt. Denn was die Touristen auf Anhieb nicht erkennen können, sind die Spuren, die der Klimawandel hier bereits hinterlassen hat.

"Die Küstenlinie ändert sich, da ist nichts dran zu rütteln", berichtet Demetrio de Carvalho von der Umweltorganisation "Haburas". "Der Anstieg des Meeresspiegels ist unübersehbar."

Nach Ansicht von Joana de Mesquita Lima ist der Klimawandel auch in anderen Bereichen spürbar. "Wir haben hier immer wieder mit Wasserknappheit zu kämpfen, Niederschläge bleiben aus, natürliche Quellen versiegen. Außerdem sorgen ungewöhnliche Wetterschwankungen für Ernteausfälle", so die Leiterin der Abteilung für Armutsbekämpfung und Umwelt in Osttimor des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen.

Niederschläge verändern sich

"Das Wetter ist unberechenbar geworden", meint auch Mario Ximenes, Leiter der Nationalbehörde für globale Umweltangelegenheiten. "Die Bauern können sich auf die Jahreszeiten nicht mehr verlassen."

Mit einem Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase von 0,2 Tonnen pro Kopf und Jahr liegt Osttimor weit unter dem globalen Durchschnitt von 4,22 Tonnen. Dennoch bekommt der Pazifikstaat die Auswirkungen der Erderwärmung mit voller Wucht zu spüren. So wird es in dem südostasiatischen Land immer wärmer.

Einer Studie der Universität von Melbourne zufolge steigen die Temperaturen in Osttimor bis 2070 um 0,88 bis 3,68 Grad an. Das bringt die bekannten Niederschlagsmuster durcheinander.

Klimawandel erforschen

Wissenschaftliche Untersuchungen des Klimawandels sind in Osttimor rar. Nur wenige Statistiken aus der Zeit der indonesischen Besatzung in den Jahren 1975 bis 1990 sind noch erhalten. Das soll eine Studie, die die Regierung in Auftrag gegeben hat, jetzt ändern.

"Anhand der Ergebnisse werden wir im kommenden Jahr einen Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln", erklärt Lima, die an der Untersuchung beteiligt ist. Es gehe darum, die wichtigsten Handlungsfelder zu ermitteln und entsprechend zu agieren. "Wenn wir das wissen, kann die Regierung auch gezielt internationale Geber um finanzielle Unterstützung angehen."

Ernteerträge gehen zurück

Osttimors Insellage macht das Land besonders anfällig für Extremwetterphänomene, die im Zuge des Klimawandels immer häufiger auftreten. Nach Angaben des Umweltaktivisten Carvalho wurde Osttimor in den vergangenen zehn Jahren zweimal von dem Ozean-Atmosphären-Phänomen El Niño heimgesucht, zuletzt 2007. El Niño hat die Wetterverhältnisse auf der Insel so stark verändert, dass die Getreideernte in der Saison um 30 Prozent zurückging.

Wenige Jahre zuvor war auch der Ertrag der Maisernte um 30 Prozent niedriger als in anderen Jahren ausgefallen. Das lag zum einen an einer langen Dürreperiode 2001 bis 2002 als auch an dem ungewöhnlich späten Einsetzen der Regenperiode um die Jahreswende 2002/2003.

Wälder unter Druck - Armut ist mitverantwortlich

Die große Armut in der Bevölkerung trägt dazu bei, dass das südostasiatische Land den Klimawandel besonders heftig spürt. Bäume werden zu Brennholz oder müssen Agrar- und Weideflächen weichen. Zwischen 1990 und 2005 verschwanden 17 Prozent der Wälder des Landes. 40 Prozent der rund eine Million Einwohner des Pazifikstaates leben unterhalb der Armutsgrenze. Dreiviertel der Bevölkerung sind Kleinbauern, die von ihrer Landwirtschaft leben.

Die Regierung ist sich der Gefahren des Klimawandels bewusst. Staatspräsident José Ramos-Horta schilderte auf einem Treffen der Vereinten Nationen im September die Auswirkungen der Erderwärmung. "Die Boden werden ausgewaschen, Erde von Regen weggespült. Die Flüsse füllen sich mit Schlamm und treten über die Ufer. Straßen werden durch Erdrutsche blockiert. Die Verwüstungen stellen gerade für die ländliche Bevölkerung ein erhebliches Problem dar."

Der politische Wille ist da

Nach Ansicht des Umweltschützers Carvalho bewegt sich die Regierung in die richtige Richtung. "Wir haben internationale Umweltabkommen ratifiziert, auch das Kyoto-Protokoll. Die Regierung zeigt zumindest den politischen Willen, etwas gegen den Klimawandel zu tun", betont er.

Für Abilio Fonseca von der Nationalbehörde für globale Umweltangelegenheiten fehlen der Regierung die Kapazitäten zum Handeln. "Nach der Unabhängigkeitserklärung 2002 müssen wir viel Aufbauarbeit leisten", erläutert er. "Klimapolitik steht nicht an erster Stelle, die Prioritäten sind ganz klar Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit."

(Autor: Matt Crook, Auslandskorrespondent der internationalen Nachrichtenagentur IPS Inter Press Service, redaktionelle Beareitung, Johanna Treblin)

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