Herausforderung Klimawandel

Klimawandel - eine Tatsache mit Folgen für unsere Zukunft

Unwetterüberwachung des Deutschen Wetterdienstes an Bildschirmen in München
Unwetterüberwachung des Deutschen Wetterdienstes
Foto: Deutscher Wetterdienst

Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst Offenbach (DWD) über die globale Erwärmung und die Arbeit seines Dienstes:

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat die globale Jahresmitteltemperatur um 0,7 Grad Celsius zugenommen. Dieser Temperaturanstieg erfolgte nicht gleichmäßig. Die stärkste Temperaturzunahme wurde seit Beginn der 1980er Jahre registriert.

So gehören die Jahre 2001 bis 2008 ausnahmslos zu den zehn wärmsten Jahren bezogen auf die 159-jährige Messreihe von 1850 bis 2008. Von 2001 bis 2008 hatten wir insgesamt ein Verbleiben auf hohem Temperaturniveau.

Die Konsequenzen der Erwärmung erleben wir zum Beispiel bereits mit dem Anstieg des Meeresspiegels. Durch das Abschmelzen von Festlandeis und der erwärmungsbedingten Zunahme des Meerwasservolumens stieg der Meeresspiegel im Laufe des vergangenen Jahrhunderts weltweit um etwa 17 cm an.

In Deutschland ist es wärmer geworden

Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes hält alte Wetteraufzeichnungen auf dem Arm.,  unter anderem von der ältesten Wettterstation der Welt, dem Hohen Peißenbverg in Bayern. Bild vergrößern Das Klimaarchiv des Deutschen Wetterdienstes reicht bis 1781 zurück. Foto: Deutscher Wetterdienst

Auch in Deutschland wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Erwärmung beobachtet, die sich seit 1988 markant beschleunigt hat. Die Jahresdurchschnittstemperatur ist seit 1901 mit 1,0 Grad Celsius noch etwas deutlicher angestiegen als die weltweite. Auch Menge und die Verteilung des Niederschlags haben sich verändert. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Niederschlagsmenge im Sommer um etwa zehn Prozent leicht abgenommen, während die Winter um etwa 10 bis 20 Prozent niederschlagsreicher geworden sind.

Eine weitere Folge des Temperaturanstiegs ist eine verlängerte Vegetationsperiode. Dies führt dazu, dass Wärme liebende Pflanzen- und Tierarten nach Deutschland einwandern, die hier bisher nicht heimisch waren.

Beschleunigung ist hausgemacht

Das Klima ist keine beständige Größe. Ähnlich wie das tägliche Wetter unterliegt das Klima Veränderungen. Sie vollziehen sich allerdings meist in langen Zeiträumen von Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Grund für diese Klimaänderungen ist das Zusammenspiel vieler Einflussfaktoren, wie zum Beispiel der Sonnenaktivität, der Meeresströme oder der Eis- und Schneebedeckung.

Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, auch als Weltklimarat bezeichnet) kommt zu dem Schluss: Der seit Beginn der Industrialisierung beobachtete Klimawandel wird wohl weitestgehend durch menschliche Einflüsse verursacht.

Um Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung zu erhalten, werden Klimamodelle zur Berechnung von Klimaprojektionen verwendet. Sie berücksichtigen neben der Atmosphäre auch Meeresströme, die Eisbedeckung oder die Sonnenaktivität.

Klimaprojektionen legen unterschiedlich hohe Freisetzungen von Treibhausgasen zugrunde, die Emissionsszenarien genannt werden. Die vom IPCC vorgelegten Emissionsszenarien reichen von einem Einfrieren bis zu einem ungebremsten weiteren Ansteigen der CO2-Freisetzung.

Bis 2100 global um zwei bis vier Grad wärmer

Grafik derJahressdurchschnittstemperaturen von 1891 bis 2008 in Deutschland Bild vergrößern Grafik Jahresdurchschnittstemperaturen in Deutschland ( zum Vergrößern anklicken) Foto: DWD

Alle Klimaprojektionen zeigen bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen weiteren Anstieg der globalen mittleren Lufttemperatur an. Im günstigsten Fall um knapp ein Grad Celsius, im schlechtesten Fall sogar um die sechs Grad Celsius. Unter realistischen Annahmen ist mindestens mit einem Temperaturanstieg zwischen zwei und vier Grad Celsius zu rechnen. Das gilt auch für Deutschland.

Dabei treten die größten Erwärmungsraten in den subarktischen und arktischen Gebieten der Nordhalbkugel auf. Sollte diese Entwicklung eintreten, könnte das Meereis in der Arktis bereits ab Mitte dieses Jahrhunderts in der Sommersaison gänzlich abschmelzen.

Steigender Meeresspiegel und Wirbelstürme

Insbesondere der zu erwartende Meeresspiegelanstieg wird Folgen haben. Selbst unter günstigen Annahmen (deutliche Verringerung der CO2-Freisetzung) wird von den Klimamodellen bis zum Ende des Jahrhunderts noch ein Meeresspiegelanstieg um 20 Zentimeter berechnet.

Besonders betroffen werden alle Küstengebiete und Inseln sein, deren Gelände bereits heute auf Meeresniveau liegt. Hier werden in Zukunft kostspielige Küstenschutzmaßnahmen erforderlich sein, um die Bewohnbarkeit dieser Gebiete zu sichern.

Mit der globalen Erwärmung werden auch die Wassertemperaturen in den tropischen Ozeanen ansteigen. Damit besteht die Gefahr, dass sich tropische Wirbelstürme häufiger und intensiver entwickeln. Gleichzeitig wird die Wirbelsturmsaison länger.

Wachsende Hitzebelastung auch in europäischen Ballungsräumen

Hitze- und Trockenperioden werden vor allem in den subtropischen Gebieten auftreten. Im Sommer werden sie aber in gemäßigten Breiten häufiger auftreten und länger dauern.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen einer steigenden Wärmebelastung sind aufgrund des Wassermangels auch negative Effekte zu erwarten. Zum Beispiel für die Land- und Energiewirtschaft oder die Trinkwasserversorgung. Besonders für die Bewohner städtischer Ballungsgebiete werden häufigere Hitzeperioden zu einer zunehmenden gesundheitlichen Belastung.

Mehr internationale Kommunikation und Zusammenarbeit

Das Jahr 2009 ist durch wichtige Konferenzen zum Klimawandel und seinen Folgen geprägt. So durch die Dritte Weltklimakonferenz (WCC-3) im September in Genf und die UN-Klimakonferenz vom 7. bis 12. Dezember 2009 in Kopenhagen. Dabei ist zu hoffen, dass im Nachgang der Kopenhagener UN-Klimakonferenz ein Abkommen mit völkerrechtlich verbindlichen Reduktionszielen noch im ersten Halbjahr 2010 zustande kommt. Dazu gehört auch die Verabredung über die finanziellen Lastenverteilungen.

Portrait von Dr. Paul Becker, Vorstand Deutscher WetterdienstBild vergrößern Paul Becker: Wärmeres Klima auch in Deutschland Foto: Deutscher Wetterdienst

Ein wesentliches Ergebnis der Genfer WCC-3 war der Beschluss zur Einrichtung eines globalen Netzwerks für Klimainformationen und -dienstleistungen (Global Framework for Climate Services). Der Deutsche Wetterdienst (DWD) wird diese Brücke zwischen Anbietern und Anwendern von Klimadienstleistungen nachdrücklich mitgestalten. Er stellt sowohl meteorologische Aus- und Fortbildungsaktivitäten als auch technische Unterstützung bereit.

2006 hat der DWD meteorologische Instrumente zur Ausstattung von insgesamt 60 Bodenmessstationen im Irak zur Verfügung gestellt. 2008 wurde in Zusammenarbeit mit dem meteorologischen Institut Mozambique ein Hochwasserwarnsystem am Rio Save aufgebaut. Auch mit dem meteorologischen Dienst von Tonga wurde ein Funknetz zwischen drei Inseln zur stabilen Übertragung von Wetterdaten bereitgestellt. Derzeit befindet sich eine weitere Kooperation mit dem namibischen Wetterdienst zur personellen Verstärkung und Ausbildung sowie zur Erweiterung der technischen Ausrüstung in der Planung.

Von diesen Maßnahmen profitieren alle. Sie tragen dazu bei, unser Verständnis des globalen Klimasystems zu verbessern. Insbesondere erhalten wir so Daten durch mehr und qualitativ hochwertigere Messungen und Beobachtungen auch aus Gebieten mit noch relativ wenigen Klimadaten.

(Autor: Dr. Paul Becker, Mitglied des Vorstands des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt)

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