Sahara-Benefizlauf

Wüstenmarathon gegen das Vergessen

Drei deutsche Läufer in der Wüste beim Sahara-Marathon
Laufen gegen das Vergessen
Foto: Uno-Flüchtlingshilfe e.V./D. Kappe

Die Uno-Flüchtlingshilfe e.V. hat mit ihrem Projekt „Benefizmarathon für saharauische Flüchtlinge“ den „Internationalen Deutschen PR-Preis 2009“ in der Kategorie Events gewonnen. Im Frühjahr 2009 hatte sie einen Marathon-Lauf organisiert, der in der westalgerischen Sahara, nahe der Grenze zu Mauretanien stattfand. Die Aktion soll auf das Schicksal der Saharauis aufmerksam machen. Zum dritten Mal beteiligt sich die Uno-Flüchtlingshilfe mit Laufen, Wandern und Walken für den guten Zweck.

Anfang Oktober nahmen Dirk Sabrowski und Dietmar Kappe von der Uno-Flüchtlingshilfe den Preis entgegen. Für sie und ihre Organisation ist es Anerkennung und Bestätigung ihrer Arbeit, die den Menschen Hoffnung gibt. Der „Internationale Deutsche PR-Preis“ ist die höchste und renommierteste Auszeichnung der PR-Branche im deutschsprachigen Raum.

30 Jahre Ausharren im Wüstensand

In dieser Region leben seit über 30 Jahren rund 170.000 saharauische Flüchtlinge unter extremen Bedingungen. Das Volk aus der Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975 und dem anschließenden Konflikt um die Kontrolle des Gebietes zur Flucht nach Algerien gezwungen. Die einst stolzen Nomaden sind heute in vier Flüchtlingslagern zur Bewegungslosigkeit gezwungen und abhängig von internationaler Hilfe.

Das Schlimmste für die Menschen jedoch ist ihre gefühlte Perspektivlosigkeit. In der Wüste kann nichts angebaut werden. Es mangelt an allem. Es gibt kaum Arbeit und vor allem die jungen Menschen wollen weg. Sie träumen von einem besseren Leben in der Ferne.

Marathon: Herausforderung für Körper und Humanität

Deutsche Flüchtlingshilfe-saharauische Zuschauer beim Sahara-Marathon-im-Flüchtlingslager-Awserd Bild vergrößern Mit Begeisterung dabei: Flüchtlinge an der Laufstrecke Foto: Uno-Flüchtlingshilfe e.V./D. Kappe

Der Sahara-Marathon ist der einzige Benefizlauf weltweit, der Flüchtlingslager durchquert. „Weil die Medien nur noch Großkrisen ins Visier nehmen, gerät das Elend von Flüchtlingen wie den Saharauis in Vergessenheit“, begründete die Wettbewerbsjury ihre Entscheidung.

Sie hat das Projekt der Uno-Flüchtlingshilfe ausgezeichnet, weil „mit Erfolg der Hilfsgedanke nach Deutschland geschwappt ist. Schulen, Vereine, Firmen und Privatpersonen spenden zunehmend oder organisieren selbst Laufevents für die Saharauis.“

Die Läuferinnen und Läufer konnten zwischen verschiedenen Distanzen wählen: ein 5-km-Lauf, ein 10-km-Lauf, ein Halbmarathon und ein Marathon (teilweise wurden diese Strecken auch gewalked oder gewandert). Neben ihren körperlichen Leistungen erleben die Teilnehmer eine unvergessliche Woche, in denen sie die Lebensweise der Wüstenbewohnerinnen und -bewohner kennen lernen.

Verpflegungsstopp-Station beim SaharamarathonBild vergrößern Erfrischungsstation beim Wüstenmarathon Foto: Uno-Flüchtlingshilfe e.V./D. Kappe

Für die Läuferinnen und Läufer aus aller Welt ist es eine Mischung aus kontrolliertem Abenteuer, einmaligem Lauferlebnis und humanitärer Hilfe. Neben den eigenen Erfahrungen tragen Fotos, Videos und Berichterstattung das Schicksal der „vergessenen“ Flüchtlinge in alle Welt. Die Uno-Flüchtlingshilfe und UNHCR werben dafür, dass sich möglichst viele Läuferinnen und Läufer motivieren, an dem Lauf teil zu nehmen. Beim letzten Lauf waren circa 400 Läuferinnen und Läufer - 100 allein aus Deutschland - begeistert dabei.

Interessierte für den nächsten Benefiz-Marathon können sich bei kappe@uno-fluechtlingshilfe.de melden.

Zudem unterstützen die Läuferinnen und Läufer, die aus allen Teilen der Welt kommen, mit 150 Euro des Reisepreises humanitäre Projekte in den Camps der Saharaui. In den vergangenen Jahren hat die Uno-Flüchtlingshilfe in Westalgerien unter anderem eine Mehrzweck-Sportanlage und ein Schulprojekt für Tausende von Flüchtlingen unterstützen können.

Bilderschau des Marathon-Teilnehmers Olaf Kraus

Die Kraft der Frauen

Die saharauischen Frauen sind selbstbewusst. Sie hüllen sich in leuchtende Umhänge und keiner verbannt sie in die Küche - wie es oft in Algerien oder Marokko geschieht. Im Alltag sind die Frauen die "Herren" im Haus. Sie kontrollieren die Lager. 

"Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass etwa 80 Prozent der Lagerbewohner Frauen und Kinder sind", erklärt Anke Chávez von der Uno-Flüchtlingshilfe. Zudem verbringen ihre Männer den Großteil ihrer Zeit an der über 2.000 km langen ‘Mauer‘, einem Schutzwall. Marokko hatte ihn in den 1980er Jahren im Kampf gegen die Angriffe der Polisario-Kämpfer errichtet. Auch wenn seit 1991 ein Waffenstillstandsabkommen besteht, belauern sich die beiden Konfliktparteien tagtäglich im Wüstensand.

Die Frauen findet man im Flüchtlingslager in allen Positionen. In Krankenhäusern und Schulen sind sie oft in der Überzahl. So lernen schon die jungen Frauen und Mädchen nicht nur nähen, sondern auch mit dem Computer umzugehen.

Prekäre Situation im Bildungsbereich

Der Besuch der sechsjährigen Grundschule ist für Jungen und Mädchen verpflichtend. Die Kinder werden mit sieben Jahren eingeschult. Eine Sekundarschulausbildung gibt es für die Flüchtlinge nicht. Eine Klasse besteht aus 35 bis 40 Schülern. UNHCR rechnet mit einem weiteren Anstieg der Schülerzahlen.

Die Lehrkräfte, zumeist Frauen, arbeiten in der Regel unbezahlt und haben nur eine unzureichende Ausbildung. Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gab es bisher für sie nicht.

Bildung schafft Zukunft

Schulkinder in einem Flüchtlingslager der SaharauisBild vergrößern Bildung für die Kinder der Wüste Foto: Uno-Flüchtlingshilfe e.V./D. Kappe

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt das UNHCR-Bildungsprogramm und hilft bei der Beschaffung von Schulmaterial, Schulmobiliar, Ausstattung der Schlafräume, Küchenutensilien, Sportmaterial und Kleidung. Auch die Weiterbildung des Lehrpersonals ist ihnen wichtig.

Die Aktivitäten werden vom UNHCR-Partner Association Femmes Algériennes pour le Développement (AFAD) umgesetzt. Diese Organisation bietet auch Programme zur beruflichen und sozialen Bildung von Frauen in den Flüchtlingslagern an.

„Für Flüchtlinge ist es sehr wichtig, im Exil nicht ungenutzt die Zeit verstreichen zu lassen“, so Dietmar Kappe. „Durch das Erlernen neuer Fähigkeiten wollen wir ihnen Selbstvertrauen geben. Und sollte es einmal eine politische Lösung geben, was wir alle hoffen, machen wir ihnen mit unseren Programmen den Start in eine bessere Zukunft sicher leichter.“

Dass sich die Saharauis irgendwann vom Tropf der Internationalen Hilfe lösen und selbstbestimmt leben können, bleibt Hoffnung und Ziel von UNHCR und der Uno-Flüchtlingshilfe e.V..

Kontext