An den Wänden des Klassenzimmers hängen selbstgemalte Bilder der Schulkinder. Auf große Blätter geschriebene Buchstaben und Buchstabenkombinationen, die ebenfalls an den Wänden hängen, sollen beim Erlernen des Alphabets helfen. Die Schulkinder sitzen konzentriert über ihren Schulheften, um die von der Lehrerin gestellten Aufgaben zu lösen. Man hat den Eindruck, dass den Kindern das Lernen in dieser Schule Spaß macht.
Als Gudrun und Edmund Dürr 1996 zum ersten Mal nach Msambweni, einem Ort an der Südküste Kenias reisten, gab es diese Schule noch nicht.
Sie waren sich auch nicht bewusst, wie sehr ihre damalige Reise ihr Leben und das von zahlreichen kenianischen Kindern verändern würde.
Ein Kinderdorf entsteht
Zuhause in Deutschland konnten sie das Elend der Kinder nicht vergessen.
Es wurden in Deutschland Gleichgesinnte gesucht und ein Verein gegründet: "Projekt Schwarz-Weiß e.V." Das vorrangige Ziel war die Errichtung des Kinderdorfes "Nice-View-Children´s-Village". Bald wurde jedoch deutlich, dass es schwierig wurde, eine Registrierung zu erhalten beziehungsweise den Aufbau von Deutschland aus zu koordinieren. Daher beschloss Gudrun Dürr, mit zwei ihrer Kinder in Kenia zu bleiben. Bereits im Jahr 2000 konnten die ersten Kinder aufgenommen werden.
Das Kinderdorf wurde in den folgenden Jahren erweitert, und es war uns bis jetzt möglich 50 Kindern – manche davon dem Tode nahe - ein liebevolles Zuhause zu geben.
In dem von uns vor Ort betreuten Kinderdorf "Nice-View-Children’s-Village" finden ausgesetzte, verwaiste und misshandelte Kinder ein neues Zuhause. In einem Gesamtkonzept erhalten die Kinder dort alles, was sie vom Babyalter bis hin zu ihrer Eigenständigkeit brauchen: Unterkunft, Verpflegung, Kindergarten – Schul- und Berufsausbildung, medizinische Versorgung sowie die nötige menschliche Zuwendung.
Unsere Schule
Foto: Projekt Schwarz-Weiß e.V
Gute Rahmenbedigungen zum LernenIn den ersten Jahren mussten wir feststellen, dass unsere Kinder in sowohl öffentlichen als auch privaten Schulen ständig psychischen und physischen Misshandlungen ausgesetzt waren. Die Lehrer waren schlecht ausgebildet und kaum motiviert. Es gab kein Lehrmaterial, die Klassen waren überfüllt und die Gebäude marode.
Ende 2007 konnte der Grundstein für einen eigenen Kindergarten und eine eigene Schule gelegt werden. In der "Nice View Gratitute School" können momentan bis zu 100 Kinder unterrichtet werden. Mit einer Erweiterung wurde bereits begonnen, um möglichst vielen Kindern die Möglichkeit zu bieten, einen international anerkannten Schulabschluss zu erlangen. Auch Kinder, deren Familien es sich sonst nicht leisten könnten, haben jetzt die Möglichkeit zum Schulbesuch.
Die Schule wird im modernen britischen System betrieben: sechs Jahre gehen die Kinder zur Primary (Junior) School, vier Jahre zur Secondary (Senior) School, und können nach zwei weiteren Schuljahren A-Level (vergleichbar mit Abitur) erreichen.
Ausbildungsplätze schaffen
Foto: Projekt Schwarz-Weiß e.V
Ausbildungszentrum für SchreinerZudem wurden wir damit konfrontiert, dass in Kenia Ausbildungsplätze rar sind. Die Auszubildenden bekommen auch nicht - wie bei uns üblich - ein kleines Gehalt, sondern müssen für die Ausbildung bezahlen. Daher haben wir vor ein paar Jahren damit begonnen kostenfreie Ausbildungsplätze zu schaffen. Junge Kenianer und Kenianerinnen werden von uns im Haushalt, in der Küche oder der Werkstatt ausgebildet. Ein Farmprojekt wurde ins Leben gerufen, um unseren Kindern Grundkenntnisse in der Landwirtschaft zu vermitteln. Ein Ausbildungszentrum für Schreiner wurde errichtet. Weitere Ausbildungsstätten für Schneiderei, Metzgerei und Bäckerei sind geplant.
Unsere gesamten Projekte werden noch stets unentgeltlich von Gudrun Dürr vor Ort geleitet. In Kenia wird sie tatkräftig von ihrem Mann unterstützt und von Deutschland aus von ihrem ältesten Sohn. Daher haben wir auch den Mut gefasst ein weiteres größeres Projekt anzugehen.
Praxisklinik: Medizinische Hilfe sicherstellen
In unserem Kinderdorf werden wir regelmäßig mit akuter Malaria, Verdacht auf Typhus, heftigen Fieberkrämpfen, Wundinfektionen und Knochenbrüchen konfrontiert.
Es fehlen die Worte, um die hygienischen Zustände in vielen Krankenhäusern zu beschreiben. Die Ärzte sind meist gezwungen basierend auf Krankengeschichten Diagnosen zu stellen, da keine Geräte oder Produkte zur Diagnostik zur Verfügung stehen. Da in Notfällen oft kein Arzt erreichbar ist, soll zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Kinder und der Dorfgemeinschaft mit dem Bau einer Praxisklinik begonnen werden.
Für die Bewohner von Msambweni soll eine überwiegend ambulant ausgerichtete diagnostisch-therapeutisch medizinische Versorgung geschaffen werden. So sollen möglichst viele Patienten mit akuten Erkrankungen aber auch Notfälle und geburtshilflich-gynäkologische Problemfälle behandelt werden. Falls erforderlich, soll kurzfristig auch die stationäre Behandlung möglich werden.
(Autorin: Heike Dreher, Projekt Schwarz-Weiß e.V.)