Entwicklungspolitik ist Friedenspolitik

Mit Stadtsanierung und Fußball gegen Gewalt

Sportanlage in Kolumbien
Sportstätten fangen viele Jugendliche auf
Foto: KfW

"Fußball für den Frieden" ist nur ein Beispiel für eine Anti-Gewalt-Maßnahme in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. So auch in Bogotá mit seinen siebeneinhalb Millionen Einwohnern. Sie wird von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank in den sozialen Brennpunkten der kolumbianischen Hauptstadt erfolgreich durchgeführt.

Die Jugendlichen lernen dabei, sich an Regeln zu halten, den Gegner zu achten und gemeinsam etwas zu erreichen. Zudem lernen die Jungen und Mädchen, durch den bewussten Verzicht auf einen Schiedsrichter, Konflikte eigenständig und konstruktiv zu lösen. Solche Verhaltensmuster durch Üben zu verinnerlichen, ist in einer Gesellschaft wie der kolumbianischen besonders wichtig. Gewalt hat eine lange Tradition, die es zu brechen gilt.

Die Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Jorge Elicier Gaitán im Jahr 1948 löste die bislang gewalttätigste Periode der ohnehin bewegten kolumbianischen Geschichte aus. Der als "Violencia" bezeichnete Bürgerkrieg endete zwar offiziell 1953. Dennoch dauert die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Regierung, Guerilla und paramilitärischen Verbänden bis heute an.

Über drei Millionen Binnenvertriebene

Dieser Konflikt wird vor allem in ländlichen Regionen ausgetragen, die für den Drogenhandel und andere wirtschaftliche Interessen strategisch wichtig sind. Dies hat zu gewaltsamen Vertreibungen der ansässigen Bevölkerung und zu unkontrollierbaren Flüchtlingsströmen in die Stadtrandgebiete geführt. Schätzungen gehen von über drei Millionen Binnenvertriebenen aus. Damit liegt Kolumbien nur knapp hinter dem Sudan.

Durch diese Flüchtlingsströme entstanden am Stadtrand von Bogotá zahlreiche Elendsviertel. Dort fehlt es an Rechtssicherheit genauso, wie an Infrastruktur und städtischen Dienstleistungen. Dies führt zu einem Ungleichgewicht und enormen Spannungen.

Die Kriminalität in den Stadtrandsiedlungen ist – vor allem bei Jugendlichen – besonders hoch und Gewalt gehört hier zum traurigen Alltag der Menschen. Im Jahr 2007 lag die Mordrate bei 25 pro 100.000 Einwohner und damit weitaus höher als beispielsweise in New York.

Friedlich Streiten will gelernt sein

Diesen Missstand wollte man durch vielerlei Maßnahmen beseitigen: Inzwischen werden Jugendliche zum Beispiel zu Streitschlichtern ausgebildet. Sie können das Programm des Schulradios mitgestalten oder sich aktiv an der Stadtplanung beteiligen.

Dabei ist die Perspektivlosigkeit gerade unter Jugendlichen teilweise erdrückend. Angesichts fehlender Schulbildung haben sie kaum die Möglichkeit, Arbeit zu finden. Für viele ist der Drogenhandel oder die Kleinkriminalität deshalb der letzte Ausweg, führt aber zugleich die Spirale aus Gewalt weiter fort.

Zu den ergriffenen Maßnahmen gehört deshalb auch, die berufsnahen Weiterbildungsmöglichkeiten zu verbessern. In einem neuen Berufsbildungszentrum können Jugendliche zukünftig bestimmte Kurse besuchen. Dabei erlernen sie handwerkliche Fähigkeiten, um dadurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Friedensfördernden Maßnahmen

Insgesamt wird mit dem von der KfW Entwicklungsbank unterstützten Stadtsanierungsprogramm ein wirksamer Ansatz verfolgt. Das Programm versucht, das gewaltfreie Zusammenleben der Menschen und eine Kultur der friedlichen Konfliktbearbeitung zu fördern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gewaltprävention. Dieses Ziel soll erreicht werden, indem man das gesamte Wohnumfeld verbessert.

Durch gezielte Investitionen in die kommunale Infrastruktur (Wasserversorgung, Wegebau, Ausweitung des Bildungsangebots) wird das Gewaltproblem angegangen. Dazu gehört auch der Ausbau und die Sanierung öffentlicher Räume (Sportplätze, Parkanlagen, Jugendclubs), mit denen die Bewohner ihre Stadtviertel Stück für Stück zurückgewinnen können. In den dunklen Ecken, in denen zuvor Drogengeschäfte abgewickelt wurden, fühlt man sich nun sicherer. Dort wird beispielsweise nun Fußball gespielt.

Bürger sollen sich einbringen

Dabei dürfen sich die Bürger bei der Auswahl, Planung und Durchführung von Baumaßnahmen beteiligen. Sie dürfen mitentscheiden wohin der nächste Bolzplatz kommt. Intakte soziale Netze in den Stadtvierteln und breit aufgestellte Nachbarschaftsorganisationen sind unmittelbare Plattformen für eine aktive Beteiligung der Bevölkerung.

Spielplatz und Treffpunkt als Antigewaltmaßnahme in Bogota - Freiraum ohne Gewalt Bild vergrößern Gewaltprävention in Bogota Foto: KfW/phonothek.net

Zur Konfliktbearbeitung werden außerdem Beratungsstellen geschaffen sowie Workshops und Seminare für Jugendliche angeboten. Die Öffentlichkeit erobert den öffentlichen Raum zurück, indem gemeinsam geplante Verbesserungen die Einrichtungen attraktiver machen.

Durch das Programm, dessen dritte Phase 2009 begann, werden die Lebensbedingungen von circa  400.000 Einwohnern der Stadtrandgebiete verbessert. In Konfliktsituationen oder bei sonstigen Anzeichen von Gewalt sollen die friedenschaffenden Maßnahmen greifen. Hierbei sollen die Verhaltensweisen der Konfliktbearbeitung zur Anwendung kommen und das Miteinander im Stadtviertel friedlicher gestalten.

Beim "Fußball für den Frieden" muss übrigens das erste Tor von einer weiblichen Mitspielerin geschossen werden. Für den Spielsieg zählen nicht nur die Tore, sondern auch die erzielten Kompromisse und die Anzahl friedlich diskutierter Streitpunkte, die mit in die Bewertung einfließen.

(Autorin: Beatrice Dück, Projektmanagerin Soziale Infrastruktur und Demokratieförderung Lateinamerika und Karibik, KfW Entwicklungsbank, Frankfurt am Main)

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