Schulbildung

Schulen für die Ixil-Indianer

Kinder in einer Schulklasse
Schreiben und Lesen lernen: für bessere Lebensbedingungen
Foto: Martin Müller, APEI

Bella Vista – die schöne Aussicht – ist der Name eines Dorfes im Norden Guatemalas. Hier sowie in fünf weiteren Dörfern im schwer zugänglichen Regenwaldgebiet wird derzeit ein deutsch-guatemaltekisches Projekt durchgeführt.

Der Verein „Amigos para las Escuelas Ixiles“  (APEI/ Freunde der Schulen für Ixil-Indianer) verbessert die Schulbildung in Guatemala bei den Ixiles-Indianern. Die Ixiles sind ein Stamm der Maya-Ureinwohner. APEI versteht sich als Freund dieser Menschen, die in einer ziemlich abgelegenen Gegend leben.

Gegründet wurde das Projekt 1994, als noch Bürgerkrieg in Guatemala herrschte. Die Ixil-Region war das Gebiet in Guatemala, in dem die Menschen am meisten unter den grausamen Kämpfen zwischen Militär und Guerillas zu leiden hatten. Fast alle Dörfer waren zerstört worden, Zehntausende wurden ermordet oder waren geflüchtet und hatten sich jahrelang in unwegsamen Urwäldern der Bergregion versteckt.

APEI half beim Wiederaufbau, nachdem sich die Lage entspannt hatte, und  Flüchtlinge in ihre Dörfer zurückgekehrt waren.

Gründung von Schulen

Grundgedanke von APEI ist, dass Schulbildung die Voraussetzung für langfristig  bessere Lebensbedingungen ist. Die Überwindung des Analphabetismus vermindert die Möglichkeiten, die Urbevölkerung zu unterdrücken. Lesen und Schreiben zu können, versetzt die Menschen in die Lage, besser für sich selbst und ihre Interessen und Rechte zu sorgen. Die Überwindung des Analphabetismus fängt bei den Kindern an. APEI gründet also Grundschulen in Dörfern, wo es keine staatlichen Schulen gibt, baut mit Hilfe der Eltern Schulgebäude und beschäftigt einheimische Lehrer.

Ein Kind hält ein Buch im Arm.Bild vergrößern Cool - jetzt wird gelesen und gerechnet! Foto: Martin Müller, APEI

Die Bilanz nach 15 Jahren kann sich sehen lassen: In 39 Dörfern hat APEI in dieser Zeit gearbeitet, etwa 30 ihrer Schulen wurden inzwischen vom Staat übernommen. In elf Dörfern hat APEI massive Schulgebäude errichtet. Begabten Kindern gibt APEI Stipendien zum Besuch von weiterführenden Schulen. Einige Stipendiaten haben bereits ihr Studium abgeschlossen, einer von ihnen arbeitet seit vier Jahren für APEI als Lehrer in seinem Heimatdorf.

Dabei ist APEI keine große Organisation, sondern eine private Initiative von drei Deutschen, die das Projekt ehrenamtlich gemeinsam mit zwei Guatemalteken leiten. Die Guatemalteken leben vor Ort, die Deutschen fahren einmal im Jahr auf eigene Kosten nach Guatemala.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Wesentlicher Grundgedanke ist, dass die Verantwortung für die Arbeit von Guatemalteken und Deutschen gemeinsam und gleichberechtigt getragen wird. Nicht nach-koloniale Besserwisserei, sondern Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe. Wesentlich ist auch, dass die pädagogische Arbeit vor Ort nicht von Ausländern, sondern nur von einheimischen Lehrern mit der Stammessprache Ixil als Muttersprache geleistet wird.

Da der Staat in den letzten Jahren erfreulicherweise mehr und mehr Schulen selbst betreibt, hat sich die Arbeit von APEI inzwischen in oft sehr abgelegene und schwer erreichbare Dörfer verlagert. Ziel ist, überflüssig zu sein, wenn der Staat überall selbst Schulen hat. Bis dahin wird es aber wohl noch einige Jahre dauern.

Fünf Erwachsenen stehen vor einem Haus. Bild vergrößern Guatemalteken und Deutsche gemeinsam im Vorstand Foto: Martin Müller, APEI

2008 finanzierte die Deutsche Botschaft in Guatemala den Bau eines Schulgebäudes in dem abgelegenen Dorf Santa Rosa. Für die Leistungen zur Verbesserung des Bildungswesens in der Ixil-Region wurden die Deutschen Ingrid Raffel und Martin Müller vom guatemaltekischen Staat 2004 ausgezeichnet. Außerdem erhält Frau Raffel für ihre Verdienste das Budnesverdienstkreuz.

Das Projekt erfährt also breite Unterstützung und Anerkennung.

Die Gründe für die langjährige erfolgreiche Arbeit dieses Projektes liegen in seiner ungewöhnlichen Konzeption: persönliche Verantwortung und großes persönliches Engagement einer Handvoll Menschen, sowie Konzentration auf eine Aufgabenstellung in einer überschaubaren Region.

Weitere Erfolgsrezepte sind: kurze Entscheidungswege, Nüchternheit in Sachfragen bei gleichzeitiger Leidenschaft für Guatemala und Guatemalteken, die auch persönliche Risiken einschließt.

(Autor: Martin Müller, Amigos para las Escuelas Ixiles/ APEI, Wuppertal)

Kontext