Kenia

Im Frauendorf gemeinsam stark

Frauen beim Hüttenbau
Gemeinsam sind sie stark - Frauen in Kenia
Foto: LAIF

Nein, sie brauchen die Männer nicht, sie leben besser ohne sie. So kann Emanzipation aussehen, noch dazu dort, wo man es nicht unbedingt erwartet: In Kenia gibt es ein Wüstendorf 350 Kilometer von Nairobi, in dem Frauen ihr Leben selbst organisieren. Das Dorf heißt Umoja, das heißt auf Suaheli „gemeinsam“.

48 Frauen leben im Frauendorf. Sie wurden von ihren Männern geschlagen oder verstoßen, von Soldaten vergewaltigt, flohen vor Zwangsehen und Genitalverstümmelung. Sie alle fanden Aufnahme und Solidarität in Umoja am Rande des Samburu-Nationalparks. Hier leben sie nach ihren eigenen Regeln – ohne Männer.

Das Dorf wurde von Rebecca Lolosoli gegründet. Sie beschloss eines Tages, die Herrschaft der Samburu-Männer über ihre Frauen nicht mehr zu akzeptieren. Die Genehmigung von den Behörden zu bekommen, war nicht leicht. Auch heute noch wird das Dorf in der Umgebung als Provokation begriffen.

Argwöhnisch beäugt von der Umgebung

Da schaffen es Frauen, allein für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Die Bewohnerinnen des Dorfes sind stolze Landbesitzerinnen und geschickte Geschäftsfrauen geworden. Obwohl sie auch Spenden aus dem Ausland erhalten, können sie inzwischen von den Einnahmen durch den selbst gefertigten Schmuck gut leben. Das Land und die Hütten gehören längst ihnen. Und das in einem Land, in dem Frauen traditionell keine Land- und Erbrechte haben. Die Frauen besitzen Kühe und Ziegen und schlachten selbst. Auch das ist ungewöhnlich, weil in ihrer Kultur das Schlachten den Männern vorbehalten ist. „Wir sind ein glückliches Dorf“, so eine Dorfbewohnerin. „Uns geht es finanziell besser als je mit unseren Ehemännern.“

Kommt eine neue Frau ins Dorf, teilen sich die Frauen einfach so lange ein Haus, bis sie das Material zusammen haben, um ein neues zu bauen. Nicht nur Samburu-Frauen werden aufgenommen – auch Frauen anderer Stämme sind willkommen. Jede Frau erhält sechs Ziegen und einen Bock. Die ersten Jungtiere gehören dann wieder der Gemeinschaft.

Neue Perspektiven

 

Mit Perlenkrägen geschmückte Frauen beim Tanz

Neben ihrem Dorf haben die Frauen vier Bungalows für Touristen gebaut. Diese können die Kultur der Samburus auf diese Weise hautnah erleben. Seit kurzem gibt es auch ein Samburu-Museum.

Inzwischen haben die Umoja-Frauen als Feministinnen Furore gemacht. So arbeiten sie mit der Frauenrechtsorganisation MADRE zusammen. Sie fordern ihr Recht auf ein Leben ohne Gewalt und entwickeln neue Modelle, um Gesundheit und ökonomische Macht von Frauen zu fördern. Außerdem haben sie Klage gegen britische Soldaten erhoben, die in den 1980er und 90er Jahren Samburu-Frauen vergewaltigt haben.

Rebecca Lolosoli ist regelmäßig im Ausland unterwegs, um auf die Lage der kenianischen Frauen aufmerksam zu machen. Sie hat Erfolg: Die kenianische Regierung hat erst vor kurzem eine Reihe von Gesetzen gegen Gewalt an Frauen verabschiedet. Rebecca Lolosoli ist optimistisch: "Die Zukunft sieht besser aus".

Mögen die Muster, die die Umoja-Frauen mit den Perlen sticken, auch uralt sein – ihr Lebensstil könnte kaum moderner sein.

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