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Costa Rica: Alternativer Tourismus fördert Entwicklung
Foto: picture-alliance / Bildagentur H
Brauchen die Länder des Südens wirklich Tourismus? Ist Tourismus dort überhaupt erwünscht? Was erhofft sich die Bevölkerung davon? Diese Fragen sollten im Vorhinein, vor jeder Art von Tourismusentwicklung gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort geklärt werden. Auf Seiten der Länder des Südens erhofft sich die Bevölkerung meistens, dass Tourismus zur Armutsbekämpfung und zur nachhaltigen Entwicklung des Landes beiträgt.
Nach eigenen Befragungen lehnt zum Beispiel die peruanische Bevölkerung eine touristische Entwicklung ab. Sie befürchten, dass der Tourismus das traditionelle Leben und die Kultur zu sehr verändern könnte. Aber auch aus Angst vor neuen Abhängigkeiten.
Als nächstes muss folgende Frage mit der ortsansässigen Bevölkerung geklärt werden: Was bedeutet Armutsminderung, was gehört zur Armutsbekämpfung und zur nachhaltigen Entwicklung? Die Steigerung des Einkommens gehört in nicht unerheblichem Maße zur Armutsbekämpfung. Aber für die Bevölkerung sind auch die Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten, die Steigerung von Bildung und Wissen sowie Abschaffung von Abhängigkeiten von gleichrangiger Bedeutung.
Zur Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung gehört demnach vor allem die Förderung der Selbstständigkeit, Partizipation und die Abschaffung von Abhängigkeiten. Ohne finanzielle Mittel funktioniert das natürlich nicht. Soll der Tourismus dazu beitragen, geht das nur, wenn den Bereisten genug Geld durch „Fairen Handel im Tourismus“ bleibt.
Entwicklung bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Erst wenn die Bevölkerung in den Ländern des Südens gut genug ausgebildet ist, um selber entscheiden zu können, wohin die Entwicklung ihrer Region gesteuert werden soll, kann von Nachhaltigkeit gesprochen werden.
Bei einem „fair gehandelten“ Tourismus sind monetäre und „soziale“ Gewinne von gleichrangiger Bedeutung. Zu einem „fairen Tourismus“ gehört eine gerechte Teilhabe der bereisten Bevölkerung an den erwirtschafteten Gewinnen. Voraussetzung hierfür ist ein „gerechter“ Preis. Der muss kostendeckend und existenzsichernd sein, darf nicht zur Ausbeutung der Bevölkerung führen, soll die Entwicklung fördern und auch Umweltschutzmaßnahmen ermöglichen. Ein wachsender Anteil der deutschen Bevölkerung ist bereit, einen Aufpreis für fair gehandelte Produkte auszugeben – auch im Tourismus. Jedoch besteht wenig Bereitschaft, dabei auf Qualität zu verzichten.
Zum nachhaltigen und fairen Reisen gehört jedoch auch ein gewisses Interesse an der Lebenssituation des Gastlandes. Bei Reisen in große „All-Inclusive“-Luxus-Hotelanlagen kann die Wirklichkeit des Landes jedoch kaum vermittelt werden.
Auch der Rucksacktourismus ist kein besonders entwicklungsförderndes Modell für die Länder des Südens. Die Gewinnspanne ist derart niedrig, dass die Wirksamkeit auf die Entwicklung der bereisten Region gering ist.
Zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung durch Tourismus empfiehlt es sich zunächst, eine angemessene touristische Entwicklungsstrategie für die Region zu erstellen. Dabei muss die einheimische Bevölkerung einbezogen werden und Mitspracherechte erhalten.
Vor allem das Modell der kleineren und mittelständischen Unternehmen, in welchen Qualitäts- und Umweltstandards eingehalten werden, unterstützt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung. Voraussetzung sind faire Preise. Dieses Modell kann sowohl zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region und Gemeinde beitragen, als auch zur sozialen Weiterentwicklung und Eigenständigkeit der Bevölkerung. Denn nach entsprechender Ausbildung kann sie zum Beispiel durchaus das Management eines solchen Unternehmens übernehmen.
Wichtig bei jeder Art von Tourismus im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ist, dass Tourismus nicht als Allheilmittel für eine nachhaltige Entwicklungsförderung betrachtet wird. Er sollte immer mit der Entwicklung anderer Sektoren kombiniert werden.
(Autorin: Dina Bauer, GATE – Netzwerk, Tourismus, Kultur e.V.)