Sport ist in einer besonderen Art und Weise geeignet ist, nachhaltig zentrale Ziele unserer Gesellschaft mitzuprägen und mit umzusetzen. Das wurde nicht zuletzt durch die Vielzahl der Initiativen und Publikationen im Zusammenhang mit dem von den Vereinten Nationen (UN) im Jahre 2005 ausgerufenen „Internationalen Jahr des Sports und der Sporterziehung“ systematisch aufgezeigt. So wurde Sport in seinen verschiedenen Facetten und Möglichkeiten in direkte Verbindung mit dem Erreichen der sogenannten Millennium Development Goals (Millenniumentwicklungsziele) gebracht.
Um den Sport in diesem Zusammenhang als Mittel zur Entwicklung einzusetzen, bedarf es jedoch gezielter Programme. Diese haben sich die Realisierung sozialer Werte der Zivilgesellschaft zur Aufgabe gemacht: Beispielsweise die Integration von Minderheiten, die Stärkung und schrittweise Veränderung der Rolle der Frau zu mehr Selbstbestimmung.
Im Zusammenhang mit Menschen mit einer Behinderung hat Sport darüber hinaus zusätzlich noch eine wichtige Bedeutung für den Einzelnen. Sport bedeutet Aktivität und ist eine Möglichkeit der Integration. Durch das Erfahren der eigenen Möglichkeiten fördert Sport die Eigenständigkeit und unterstützt das selbstverantwortete Leben von Menschen mit einer Behinderung. Die Bedeutung von Sport für Menschen mit einer Behinderung wurde 2006 auch durch die UN Konvention für Menschen mit Behinderungen deutlich gemacht.
Das International Paralympic Comittee (Internationale Paralympische Komitee/ IPC) ist sich seiner Rolle bezüglich der Chancen und auch der Verantwortung bewusst, die ihm als internationalen Vertreter des paralympischen Sports zukommt. Mittels seines entwicklungspolitischen Engagements und anhand spezieller Projekte weltweit soll mit dazu beigetragen werden, behinderten Athleten aus Entwicklungs- und Schwellenländern den Zugang zum Sport zu ermöglichen.
Das organisatorische Handlungsvermögen der einzelnen Nationalen Paralympischen Komitees ist die Basis für die Stärkung und Entwicklung des paralympischen Sports in den verschiedenen Ländern. Deshalb liegt einer der Schwerpunkte der Entwicklungsarbeit des IPC in der Organisationsentwicklung mit Hilfe der Organizational Development Initiative (ODI).
Anhand der ODI stellt das IPC gemeinsam mit dem jeweiligen Nationalen Paralympischen Komitee einen realistischen aber ehrgeizigen Entwicklungsplan auf. Innerhalb einer Laufzeit von drei Jahren sollen die vorhandenen Ressourcen des Komitees bestmöglich genutzt und durch finanzielle Unterstützung und gezielte Fortbildungen Strukturen weiterentwickelt werden. Regelmäßig erfolgende Evaluierungen ermöglichen, bewährte Verfahren in den einzelnen Komitees zu ermitteln und Korrekturen vorzunehmen.
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Sitzvolleyball in Tunesien
Foto: IPC
Außerdem werden Nationale Paralympische Komitees je nach Sprache, Kulturkreis und räumlicher Nähe zusammengebracht, um sich in ihrer Arbeit gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen. Momentan nehmen 14 Länder an diesem Programm teil: Azerbaijan, Burundi, Cape Verde, Kenia, Lesotho, Marokko, Namibia, Pälestina, Tansania, Tunesien, Türkei, Ruanda, Uruguay und Sambia.
Die Sports Development Initiative (SDI) des IPC baut auf den durch die ODI entwickelten Strukturen auf, um den Sport und die Teilnahme daran in den Nationalen Paralympischen Komitees weiter zu entwickeln. Die Konzentration liegt dabei auf wenigen Sportarten, welche aufgrund spezieller Kriterien für den Gesamtkontext am sinnvollsten erscheinen. Ein Augenmerk wird dabei auf die Einbeziehung beider Geschlechter gelegt. Wie bei der ODI werden auch hier regionale Übereinstimmungen in Sprache und Kultur genutzt, um untereinander spezifische Sportartenkenntnisse weiterzureichen.
Besondere Herausforderung im paralympischen Sport und insbesondere bei ökonomisch schwächeren Nationen ist die Gerätebeschaffung, wie für den Sport geeignete Rollstühle und Prothesen. Teilweise wird aus dieser Not heraus versucht, auf materialarme Sportarten wie Sitz-Volleyball oder Goalball zu setzen. Bei der Auswahl wird dennoch darauf geachtet, dass sie einen hohen Grad an Bewegungs- und Spielfreude versprechen.
Zum anderen unterhält das IPC seit 2007 eine Partnerschaft mit der Wohltätigkeitsorganisation „Motivation“. Im Auftrag des IPC sollen kostengünstig Rollstühle für die Sportarten Rollstuhl-Tennis, Rollstuhl-Basketball und Leichtathletik hergestellt werden, die der Sportentwicklung in einkommensschwachen Ländern zu Gute kommen.
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Hauptsitz des IPC in Bonn
Foto: M. Ammann
Das am 22. September 1989 gegründete IPC ist die internationale Dachorganisation der Paralympischen Bewegung. Es überwacht und koordiniert die Paralympischen Sommer- und Winterspiele. Außerdem dient es als internationaler Verband für neun Sportarten, für die es auch Welt- und regionale Meisterschaften koordiniert. Außerdem unterstützt das IPC die Rekrutierung und Entwicklung von Athleten aller Leistungsniveaus auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Nicht zuletzt fördert das IPC die Paralympischen Werte Mut, Entschlossenheit, Inspiration und Gleichheit.
Das IPC ist eine internationale, gemeinnützige Organisation, bestehend aus rund 160 Nationalen Paralympischen Komitees (NPCs) und vier Internationalen Behindertensportverbänden (IOSDs). Auf dem Paralympischen Programm stehen zur Zeit insgesamt 25 Sportarten (20 Sommer- und fünf Wintersportarten).
Als Jahrespartner der Stadt Bonn feiert das International Paralympic Committee 2009 sein 20-jähriges Bestehen sowie die 10-jährige Präsenz in der Bundesstadt.
1997 beschloss das IPC, seinen Hauptsitz in die ehemalige deutsche Hauptstadt Bonn zu verlegen. Das IPC-Gebäude an der Adenauerallee wurde zu diesen Zwecken renoviert, behindertengerecht umgebaut und schließlich am 3. September 1999 offiziell eröffnet.
(Autorin: Steffi Klein, Media and Communication Senior Manager, IPC, Bonn)