Vor 20 Jahren, am 20. November 1989, verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“, die UN-Kinderrechtskonvention. Jeder Mensch unter 18 Jahre erhielt damit verbriefte Rechte – darunter das Recht auf Überleben, auf Bildung, auf Schutz vor Missbrauch und Gewalt, aber auch das Recht, an Entscheidungen beteiligt zu werden. Die Kinderrechtskonvention hat den Grundstein für eine kinderfreundlichere Welt gelegt. Keine andere internationale Konvention hat so große Unterstützung erhalten.
Die Kinderrechte sind kein vages Versprechen, sondern eine völkerrechtlich bindende Verpflichtung für Staat und Gesellschaft, das Wohlergehen der Kinder zur Kernaufgabe zu machen.
Die 54 Artikel der Konvention verknüpfen erstmals politische Bürgerrechte, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Rechte der Kinder in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag. Schutz und Hilfe für Kinder sind damit nicht mehr allein von Mitgefühl oder Moral abhängig. Die Staaten verpflichten sich, alles zu tun, um Kindern menschenwürdige Lebensbedingungen zu bieten.
Die Kinderrechtskonvention beruht auf vier Prinzipien:
Aus diesen Prinzipien leiten sich zum Beispiel Rechte ab: Dazu gehören medizinische Hilfe, Ernährung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie freie Meinungsäußerung und Beteiligung.
Alle fünf Jahre müssen die Unterzeichnerstaaten vor dem UN-Ausschuss über die Rechte des Kindes Rechenschaft ablegen. In vielen Ländern, so auch in Deutschland, haben sich Nichtregierungsorganisationen zu nationalen Koalitionen für Kinderrechte zusammengeschlossen, die den Regierungsbericht kritisch kommentieren. Allerdings gibt es keine übergeordnete Instanz, die die Staaten zur Einhaltung ihrer Verpflichtung zwingen könnte. Einzelpersonen können ihre Rechte nicht unmittelbar einklagen.
Die Kinderrechtskonvention ist jedoch ein wichtiges Instrument der Zivilgesellschaft. Sie hat das Bewusstsein für Verstöße gegen Kinderrechte geschärft und in vielen Ländern zu besseren Schutzgesetzen geführt. Sie hat auch in den Industrieländern zu mehr Aufmerksamkeit für benachteiligte und ausgeschlossene Kinder geführt. Kinder werden heute ernster genommen und häufiger beteiligt.
Im Jahr 2009 wird die erste Generation Kinder 20 Jahre alt, die mit diesen Rechten aufgewachsen ist. In zwei Jahrzehnten ist die Konvention zum politischen Rahmen für alle Anstrengungen geworden, die Lebenssituation der Kinder zu verbessern. Sie hat das Bewusstsein für Verstöße gegen die Grundrechte von Kindern geschärft: zum Beispiel bei Gewalt gegen Kinder, ihrem Missbrauch als Prostituierte oder dem Einsatz als Kindersoldaten. Doch täglich werden weiter die Rechte von Millionen Jungen und Mädchen verletzt.
Bild vergrößern
Recht auf Schulbildung
Foto: Unicef
So fehlen bis heute jedem zweiten der rund 2,2 Milliarden Kinder auf der Erde grundlegende Dinge für das Überleben und die Entwicklung: ausreichende Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Hilfe, eine gute Schulbildung und ein Dach über dem Kopf.
Wirtschaftskrisen wie die aktuelle Schwäche der globalen Finanzkrise treffen die ärmsten Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern am härtesten. Schon jetzt bedroht die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die Mitte 2008 begann, in einigen Ländern die Entwicklungs- und Lebenschancen der Kinder. Die Weltbank prognostiziert, dass in den von der Krise besonders betroffenen Entwicklungsländern zwischen 200.000 und 400.000 Kinder zusätzlich sterben könnten, wenn die Krise ungebremst fortschreitet.
Zum 20. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 2009 machen zahlreiche Organisationen weltweit mit öffentlichen Aktionen auf die Situation der Kinder aufmerksam und erinnern an das Versprechen, das die Staaten 1989 gegeben haben.
(Autor: Rudi Tarneden, Unicef Deutschland, Köln)