von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
Kinder sind unsere Zukunft – gerade in den Entwicklungsländern. Von den weltweit drei Milliarden Kindern und Jugendlichen unter 25 Jahren leben 87 Prozent in Entwicklungsländern. Dort stellen junge Menschen häufig 50 bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie zum Beispiel in Sambia, wo das Durchschnittsalter bei 16,5 Jahren liegt. Viele dieser Kinder und Jugendlichen leben in absoluter Armut, perspektivlos, ohne Rechte, ohne Versorgung und ohne Lebenschancen. Die internationale Gemeinschaft hat daher den Kampf für bessere Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen zu einer zentralen Aufgabe erhoben.
Im November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen nach zehnjährigen Verhandlungen die Kinderrechtskonvention als einen ersten wichtigen Schritt. Mit der Unterzeichnung der Konvention verpflichteten sich die Regierungen zum ersten Mal international, Verantwortung für Kinder zu übernehmen und ihre Rechte zu schützen. Die Kinderrechtskonvention ist unter den internationalen Menschenrechtskonventionen mit 193 Ratifikationen diejenige, der die meisten Staaten weltweit beigetreten sind. Die uneingeschränkte Umsetzung der Kinderrechtskonvention sowohl national in allen Bereichen als auch international ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen, wofür ich mich intensiv einsetze.
In 54 Artikeln legt die Konvention Beteiligungs-, Schutz- und Versorgungsrechte völkerrechtlich verbindlich fest mit dem Ziel, das Leben der Kinder dieser Welt zu verbessern, ihre Entwicklung zu fördern und sie vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen. Mit dem Beitritt zur Kinderrechtskonvention sind die Staaten die Verpflichtung eingegangen, diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzusetzen. Doch genau „der Rahmen ihrer Möglichkeiten“ ist es, der in einigen Ländern nicht ausreichend zu Achtung, Schutz und Gewährleistung aller Kinderrechte führt. In diesen Staaten ist eine Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft besonders wichtig.
Deutschland nimmt seine Verantwortung für die Umsetzung der Kinderrechtskonvention sowohl national als auch international sehr ernst. Zielsetzungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind: Kindersterblichkeit bekämpfen, Müttergesundheit verbessern, Kinder vor Gewalt schützen, Grundbildung ermöglichen, Berufs- und Hochschulbildung verbessern, Kinderarbeit abschaffen sowie die weibliche Genitalverstümmelung zu beenden.
Deutschland unterstützt zum Beispiel Projekte im Jemen zur Verbesserung der Grundbildung. Nur zwei Drittel der Kinder gehen zur Schule, mehr als die Hälfte der Mädchen sind vom Schulbesuch ausgeschlossen. Mit deutscher Unterstützung sollen bis 2015 allen Kindern im Jemen der Zugang und der erfolgreiche Abschluss der neunjährigen Grundschule ermöglicht werden. Dafür setze ich mich persönlich mit aller Kraft ein.
Neben Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden auch internationale Programme immer wichtiger. Zum Beispiel die deutsche Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria und die Förderung des Internationalen Programms zur Abschaffung der Kinderarbeit (IPEC).
Auch zahlreiche nicht-staatliche Organisationen werden vom Bundesentwicklungsministerium finanziell gefördert. Hierzu gehören die Kindernothilfe, terre des hommes Deutschland oder Don Bosco Jugend Dritte Welt, die sich für die Umsetzung der Kinderrechte engagieren.
Seit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention wurden beachtliche Fortschritte erzielt: Die Kindersterblichkeit ist seit 1990 um 28 Prozent gesunken, aber dabei noch immer entsetzlich hoch. Die Einschulungsrate von Jungen und Mädchen wurde weltweit erhöht. Beispielsweise besuchten in Ruanda mit 94 Prozent im Jahr 2007 bereits fast alle schulpflichtigen Kinder die Grundschule, 2001 waren es erst 69 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren um 35 Prozent in Ruanda. Es zeigt sich immer wieder: Bildung ist die Grundlage für die Verbesserung der Gesundheit.

Auch der Klimawandel stellt für Kinder und Jugendliche als verletzlichste Mitglieder unserer Gesellschaft eine besondere Gefahr dar. Durch ihn kommt es zu mehr Naturkatastrophen, Dürren, Überschwemmungen, dadurch zu Migration, Entwurzelung und Hunger. Mit der internationalen Finanzkrise, die viele Familien in die Armut treiben wird, verhält es sich ähnlich.
Die Kinderrechtskonvention hat dringend notwendige Verbesserungen der Überlebens- und Entwicklungschancen für Kinder und junge Menschen weltweit möglich gemacht. Über diese Erfolge dürfen wir uns freuen – dürfen darüber aber nicht die bleibenden Herausforderungen vergessen. Den 20. Geburtstag der Kinderrechtskonvention verbinde ich mit einem Aufruf an uns alle, den Kindern eine bessere Welt und damit Chancen für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Denn wie ein chinesisches Sprichwort sagt: Solange es noch ein unglückliches Kind gibt, gibt es keinen Fortschritt auf der Welt.
(Autorin: Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ)