... vier, drei, zwei, eins – los! Der „LebensLauf“ mit Kindern aus Düsseldorf beginnt nach einem Countdown am Dienstag, 11. August 2009, auf dem Apolloplatz in der Düsseldorfer Altstadt. Viele der laufbegeisterten Kinder tragen das grüne Lebenslauf T-Shirt der Welthungerhilfe. Der Lauf ist jedoch keine gewöhnliche Laufveranstaltung. Die Runde beträgt nicht wie im Stadion 400 Meter, sondern rund 800 Meter. Es kommt auch nicht darauf an, möglichst schnell zu laufen, sondern möglichst viele Runden zu absolvieren.
Aber engagiert sind die Nachwuchsläufer trotzdem. Insbesondere dann, wenn sie von den Eltern angefeuert und bereits der erste Stempel auf der Laufkarte platziert wird. Und wie bei einem professionellen Marathon werden den Kindern manchmal Getränkeflaschen von den Eltern gereicht.
Für jede Runde gibt es einen Stempel auf einer persönlichen Laufkarte.
Und für jede gelaufene Runde beziehungsweise für jeden Stempel wird ein finanzieller Betrag für Projekte der Welthungerhilfe gespendet. Dabei kam es für die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld darauf an, persönliche Sponsoren zu finden: zum Beispiel Eltern, Freunde oder Bekannte. Der Betrag musste vorher vereinbart werden.
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Einen Stempel, bitte! Und auf zur nächsten Runde.
Foto: M. Ammann
Die Aktion „LebensLäufe“ ist eine Kooperation der Welthungerhilfe mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband im Vorfeld der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin. Bereits 2008 haben sich die Düsseldorfer Bürger im Rahmen der Städtepartnerschaft mit der Welthungerhilfe engagiert. Sie haben unter dem Motto „Düsseldorf reicht die Hand“ durch vielfältige Aktionen das Millenniumsdorf Kongoussi in Burkina Faso/Westafrika unterstützt.
Auch die Spenden der Aktion „LebensLäufe“ kommen den Menschen des Projektes Kongoussi zu Gute. Darauf haben auch der anwesende Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dirk Elbers, und die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, noch mal aufmerksam gemacht.
Burkina Faso ist der zweitärmste Staat der Welt. Fast zwei Drittel der burkinischen Einwohner leben von weniger als einem Dollar pro Tag. 90 Prozent ernähren sich von Erträgen ihres landwirtschaftlichen Anbaus. Diese sind für die stetig wachsende Bevölkerung oft zu gering. Die Böden sind wenig fruchtbar und häufige Dürreperioden vernichten die Ernte. Die Männer sind gezwungen, sich Arbeit in den Städten oder den Nachbarländern zu suchen und wandern ab. Die Frauen bleiben mit den Kindern zurück, die die Feldarbeit erledigen müssen. Ein Schulbesuch ist deshalb kaum möglich.
Das Dorfgebiet um Kongoussi gehört zu den 15 Dörfern oder Regionen weltweit, die von der Welthungerhilfe im Jahr 2005 als „Millenniumsdörfer“ ausgewählt wurden. Seitdem leisten die Einwohner mit Unterstützung der Welthungerhilfe und einer lokalen Partnerorganisation konkrete Hilfe, um die Millenniumsziele zu erreichen. Die Bewohner entscheiden selbst, welche der Ziele sie bis 2010 erreichen wollen.
Täglich zehn Kilometer zur Schule zu gehen – das war zu Beginn der Initiative anstrengende Realität für viele der Jungen und Mädchen in den Dörfern um Kongoussi. Es gab nur eine einzige Grundschule, in der je zwei Klassen von einem Lehrer gleichzeitig unterrichtet wurden. Zusammen mit fehlendem Geld für nötiges Schulmaterial war der Schulbesuch so für einen Großteil der Kinder nicht möglich.
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Aufwärmen für den "LebensLauf"
Foto: M. Ammann
Doch seitdem 2008 in den Dörfern Tangaye und Boalin die beiden Schulen eröffnet wurden, haben sich die Schulbänke gefüllt. Nicht nur die kürzeren Wege, sondern auch die Ausstattung der Schulen mit Brunnen, Küchen und Latrinen bieten einen Anreiz zum Schulbesuch. Alle Schülerinnen und Schüler erhielten auch das nötige Unterrichtsmaterial. Zudem wurden, wie in Burkina Faso traditionell üblich, solide Lehrerunterkünfte gebaut. So können die Lehrer jetzt ganzjährig vor Ort bleiben.
Um den Eltern die Bedeutung von Bildung, Sport und Kultur deutlich zu machen, wurden Kampagnen veranstaltet. Durchgeführt wurden sie von der Welthungerhilfe zusammen mit Partnern und der Provinzdirektion.
Hilfe zur Selbsthilfe ist das zentrale Prinzip der Arbeit der Welthungerhilfe. Die Dorfgemeinschaften entscheiden selbst, welche Ziele verfolgt werden sollen, um die Probleme zu lösen. Bei der Umsetzung der Maßnahmen engagiert sich die Bevölkerung ganz aktiv, sei es beim Bau von Brunnen oder Verbesserungen in der Landwirtschaft. Enge Absprachen zwischen den Mitarbeitern der Welthungerhilfe, lokalen Partnerorganisationen und Behörden sowie den Dorfbewohnern sind unabdingbar – und finden regelmäßig statt.
Bei der Förderung der Dörfer bezieht die Welthungerhilfe bewusst die gesamte Region mit ein. So profitieren auch die Menschen aus den umliegenden Orten von neuen und besser ausgestatteten Schulen, Gesundheitsstationen sowie geschaffenen Einkommensmöglichkeiten in den Millenniumsdörfern.
Fünf Jahre lang wird die Welthungerhilfe regelmäßig überprüfen, welche Fortschritte gemacht worden sind. Einmal jährlich interviewen Mitarbeiter der Welthungerhilfe und deren Partnerorganisationen bis zu 100 ausgewählte Familien eines Dorfes. Die Antworten geben Aufschluss darüber, ob eine Verbesserung der Lebensumstände hinsichtlich der Millenniumsziele eingetreten ist. Während eines begleitenden Workshops erarbeiten und bewerten die Dorfbewohner die Umsetzung der Ziele aus ihrer Sicht und bringen ihr Wissen ein.