Fußball-WM 2010

Südafrika im WM-Fieber: Wir können es nicht erwarten!

Baustelle Green Point Stadion in Kapstadt, Südafrika
Warten auf den Anpfiff: Green Point Stadion in Kapstadt
Foto: Henrik Schott

Der Auslandskorrespondent Hendrik Schott hat sich über den momentanen Stand der Bauarbeiten zur Fußball-WM in Südafrika vor Ort informiert. Hier sein Bericht:

Es ist schon lange dunkel, als die letzte Maschine aus Europa auf dem Flughafen von Kapstadt landet. Direkt beim Betreten des modernen Flughafengebäudes werden die Passagiere auf großen Plakatflächen auf die Fußballweltmeisterschaft im nächsten Jahr eingestimmt. Auf dem Weg zu den neuen Parkhäusern schlägt den Besuchern die kühle südafrikanische Winterluft entgegen.

Es ist Mitte Juli, und genau zu dieser Zeit wird auch nächstes Jahr die erste WM auf afrikanischem Boden stattfinden. Allerdings ähnelt der südafrikanische Winter am Kap tagsüber oftmals eher warmen europäischen Sommertagen. Somit ist wahrscheinlich, dass sich Fifa-Chef Joseph Blatter der ersehnten, perfekten und sonnigen Fernsehbilder sicher sein kann.

Entlang der Autobahn N2 von den Armutsvierteln in der Nähe des Flughafens zum Zentrum der Mutterstadt Südafrikas sind die Vorboten der WM nicht zu übersehen. Überall wird am Ausbau des Straßennetzes gearbeitet und Baustellenschilder und Werbeflächen künden vom nahenden Fußballfest. An vielen Stellen werden die Bauarbeiten auch zu nächtlicher Stunde fortgesetzt. Scheinwerfer tauchen die Baugerüste, an denen südafrikanische Flaggen befestigt sind, in grelles Licht.

„Wir sind voll im Zeitplan“

Die SABC-Zentrale des staatlichen Rundfunks in Kapstadt/SüdafrikaBild vergrößern Soll für klare Bilder sorgen: Hauptgebäude der Fernsehanstalt SABC Foto: Henrik Schott

Auch wenn momentan noch Baukräne den Ausblick auf die eindrucksvolle Architektur des Green Point Stadions beherrschen, ist man sich in Südafrika sicher, dass alles rechtzeitig fertiggestellt sein wird. Daniel „Danny“ Jordaan, Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees: „Wir sind voll im Zeitplan.“ Im August 2009 ist bereits mehr als die Hälfte der zehn Stadien bespielbar, die restlichen Fußballtempel werden spätestens zum Jahresende fertig sein.

Soccer City, das Stadion in Soweto bei Johannesburg, wird mit etwa 94.000 Sitzplätzen das zweitgrößte Stadion sein, in dem jemals ein WM-Finale stattgefunden hat. Das Stadion ist der Form einer afrikanischen Kalebasse (Flaschenkürbisform) nachempfunden. Die neuen Stadien in Kapstadt, Durban und Port Elizabeth wurden übrigens vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus Deutschland entworfen.

Für die erwarteten mehr als 500.000 ausländischen Besucher wird die Verkehrsinfrastruktur grundlegend modernisiert, da es im Land bislang kein leistungsfähiges öffentliches Nahverkehrssystem gab. Es gilt den Transport in entlegene Städte wie Nelspruit und Pietersburg/Polokwane zu organisieren.

Die Baufortschritte beim Hochgeschwindigkeitszug Gautrain gehen gut voran. Sie berechtigen zu der Hoffnung, dass bis zum Anpfiff der WM zumindest die Zugverbindung zwischen dem Flughafen Johannesburg und dem Nobelvorort Sandton fertiggestellt sein wird. Der Aufbau eines Schnellbussystems wird jedoch noch immer durch Auseinandersetzungen mit den oftmals militanten Vertretern der Sammeltaxibetreiber behindert, die um ihre Einkünfte bangen.

Auf Grund der wirtschaftlichen Abkühlung scheint die Energieversorgung durch den südafrikanischen Stromversorger Escom während der WM gesichert. Im Jahr 2008 war es noch zu massiven Stromausfällen gekommen, da ein starkes Wirtschaftswachstum und Versäumnisse beim Ausbau der Kraftwerkskapazitäten zu wiederholten Engpässen geführt hatten.

Zuversicht auch bei der Sicherheit

Luftaufnahme von KapstadtBild vergrößern Kapstadt: Südafrika wartet auf die Fußball-Fans Foto: Andreas Ebert

Bleibt noch das heikle Thema Sicherheit. Fakt ist, dass die Kriminalität in Südafrika deutlich höher ist als in Europa. Johannesburg gilt als eine der unsichersten Metropolen der Welt. Gegenüber den Teilnehmern einer Pressereise für deutsche Journalisten, zeigte man sich jedoch zuversichtlich. Sie wurde von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) Ende Mai 2009 organisiert. Die GTZ führt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verschiedene Unterstützungsmaßnahmen zur Fußball-WM durch.

Ulrich Burgmer, ein ehemaliger deutscher Polizist und momentan GTZ-Berater in Südafrika: „Kein Tourist, der zur WM kommt, muss Angst haben. Es müssen nur alle wissen, wo es sicher ist und wo nicht.“ Der Chef des nationalen Organisationskomitees, Danny Jordaan, verweist zudem auf die Kricket- und Rugby-WM. Bei denen habe es in puncto Sicherheit auch keine Probleme gegeben.

Jordaan ist vom Sicherheitskonzept seines Landes überzeugt. Im Rahmen dieses Sicherheitsplans wird auch die südafrikanische Polizei personell und technisch aufgerüstet. Hierfür gibt man mehr als 1,3 Milliarden Rand (circa 120 Millionen Euro) aus. Das Risiko für Touristen dürfte also begrenzt sein, wenn man die einschlägigen Sicherheitshinweise beachtet.

Das Problem noch fehlender Hotelzimmer dürfte durch Hotelschiffe, die Fertigstellung neuer Hotels und zusätzliche „Bed and Breakfast“-Angebote rechtzeitig gelöst werden. So könnten eigentlich nur noch Streiks und erneute Fehler beim Verkauf der Eintrittskarten an die einheimische Bevölkerung einer erfolgreichen WM im Wege stehen.

Afrika will sich positiv präsentieren

Baustellenzaun am Green-Point Stadion mit WM-Logo in KapstadtBild vergrößern Kapstadt: 2010 soll der Stadion-Bauzaun weg sein. Foto: Henrik Schott

Auf sportlichem Gebiet hofft man nach dem unerwartet guten Auftritt der südafrikanischen Nationalelf während des Confederation Cups auf eine erfolgreiche WM-Teilnahme. Die „Bafana Bafana“ (die Jungs), so die aus der Zulusprache stammende Bezeichnung für Südafrikas Nationalelf, sollen auf jeden Fall die zweite Runde erreichen. Obwohl man 1996 Afrikameister wurde, ging es seit diesem Triumph sportlich lange Zeit bergab, so dass die Angst vor einer fußballerischen Blamage noch tief in den Knochen steckt.

Die Fußballfans am Kap erhoffen sich, dass die WM im eigenen Land nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich ein Erfolg wird. Und man hofft, vielleicht sogar das Halbfinale zu erreichen. Die „Springbokke“, Südafrikas Rugbynationalteam, haben bereits gezeigt, zu was die Sportnation am Kap fähig ist: Schon mehrfach wurde man Weltmeister.

Ganz wichtig für den Gastgeber Südafrika ist, dass man der Welt beweisen kann, dass ein afrikanisches Land fähig ist, ein derartiges Großereignis erfolgreich durchzuführen. Man will zeigen, dass es kein Fehler war, die WM zum ersten Mal nach Afrika zu vergeben.

Südafrika möchte sich zugleich als aufstrebende Wirtschaftsnation präsentieren. Die politische Elite in Pretoria wird nicht müde, die Bedeutung der WM für ganz Afrika und den Zusammenhalt der heterogenen Regenbogennation zu betonen. Man möchte das negative Bild des gesamten Kontinents verändern.

Deutschland gibt Hilfestellung

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Soccer City, das Stadion des Eröffnungs- und Endspiels der Fußball-WM 2010 - hier im Gespräch mit Bauarbeitern.Bild vergrößern Baustellenbesuch: Bundeskanzlerin Angela Merkel in Südafrika Foto: REGIERUNGonline/Bergmann

Bei der Erreichung all dieser Ziele helfen auch zahlreiche deutsche Experten. Sie geben die Erfahrungen der WM 2006 an ihre südafrikanischen Partner weiter und spielen daher eine wichtige Rolle. Das BMZ stellte für Beratungsdienstleistungen mehrere Millionen Euro zur Verfügung.

Seit der Vergabe der WM an Südafrika gibt es im Ausland große Bedenken, ob das Land am Kap der Guten Hoffnung die Organisation einer der größten Sportveranstaltungen der Welt stemmen kann. Bereits 2006 in Berlin hatte der damalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki erklärt, dass sein Land „die beste WM aller Zeiten“ veranstalten werde.

Ob es Südafrika tatsächlich gelingen wird, diesen Titel von Deutschland zu erobern, wird sich erst nach dem Abpfiff des Finales am 11. Juli 2010 herausstellen. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass die Erwartungshaltung am Kap enorm ist. Und dass die große Mehrheit der Südafrikaner voll hinter der Werbebotschaft des südafrikanischen Hauptsponsors der WM steht: „Wir können es nicht erwarten!“

(Autor Hendrik Schott ist Deutschland-Korrespondent für Südafrikas größtes Medienunternehmen NASPERS in Kapstadt und Vorstandsmitglied des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland)

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